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Marathon auf Badisch

 

Karlsruhe wird 300 Jahre alt. Der genaue Geburtstag ist wohl der 27. September, an dem 1715 der Karlsruher Privilegienbrief veröffentlicht wurde. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach wollte mit umfangreichen Privilegien Menschen aus aller Herren Länder animieren, sich um sein neu zu bauendes Residenzschloss anzusiedeln. Mitten im Wald entstand ein Prachtbau mit neun, nach Süden ausgerichteter Alleen. Diese bildeten zunächst das Stadtgebiet mit fließendem Übergang zur Natur. Heute noch ist der Grundriss gut zu erkennen und erklärt Karlsruhes Beinamen „Fächerstadt“.

Zunächst ging der Plan auf und schnell stieg die Einwohnerzahl auf 2000. In späteren Jahrhunderten war es vor allem den fortschrittlichen denkenden Herrschern zu verdanken, dass Karlsruhe langsam aber kontinuierlich wachsen konnte. Ein Klima von geistiger, kultureller und religiöser Freiheit prägte die Stadt. Bereits 1825 wurde nach Pariser Vorbild die erste technische Hochschule von Deutschland gegründet. 1901 konnten 100.000 Einwohner gezählt werden; Karlsruhe war nun Großstadt.

Im zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der Stadt zerstört. Wahrscheinlich wäre die ziemlich bedeutungslos gebieben, wenn sich nicht 1950 der Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht hier angesiedelt hätten. Andererseits gab es aber auch den Forschergeist der Technischen Hochschule, was zur Gründung des Kernforschungszentrums 1956 führte. Bereits zehn Jahre früher siedelten sich zwei Ölraffinerien an. Nach der europäischen Einigung wurde die Lage in Grenznähe und im Zentrum großer Verkehrswege zum Trumpf. Im Zuge des Wiederaufbaus konnten das historische Profil mit dem Fächergrundriss erhalten und gleichzeitig der Ausbau zur modernen Großstadt vorangetrieben werden.

Heute hat Karlsruhe 317.000 Einwohner. Der Spagat zwischen Industriestandort mit der zweitgrößten Raffinerie Deutschlands, den beiden Rheinhäfen, den 9 Hochschulen und gleichzeitig hoher Lebensqualität für seine Bürger, hat Karlsruhe wohl geschafft. 900 ha Grünflächen, attraktive, einigermaßen bezahlbare Wohnungen, ein vielfältiges Freizeitangebot von Kultur bis Sport und nicht zuletzt 1800 Sonnenstunden im Jahr, machen Lust darauf, hier zu leben.

Wie kam man dazu,bereits im Jahr 1983 einen Marathon auszurichten? Nun, das Rote Kreuz suchte damals eine Gelegenheit für eine Großübung. Nachdem man sich bei den Organisatoren des Frankfurt Marathon erkundigt hatte, war allen klar, dass das keine Großübung sondern eine Mammutveranstaltung werden würde. Zusammen mit den Sportvereinen ist es aber tatsächlich gelungen, 691 Läufer wohlbehalten über die Strecke und ins Ziel zu bringen. Die medizinische Versorgung an der Strecke war, wie zu erwarten, vorbildlich. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass sich so ein Engagement über die Jahre aufrechterhalten lässt. Es fehlten große Sponsoren, so dass die Veranstalter keine  teuren Spitzenläufer verpflichten konnten, die national oder gar international mit Klassezeiten für Aufsehen sorgen. So war man gezwungen, eine andere Schiene zu fahren: Man stellte den Breitensport in den Mittelpunkt und setzte immer wieder neue Ideen um, um die Veranstaltung attraktiv zu machen und die Qualität zu verbessern.  Heute ist der Lauf ein einziges Fest.

Da es in diesem Jahr keine Siegprämien gibt, stehen keine Läuferinnen und Läufer aus Ostafrika an der Startlinie und die Siegerpreise in der Region: der Karlsruher Simon Stützel war nach 2:25:21 im Ziel, Jens Santruschek aus Bretten brauchte 2:36:57 für den 2. Platz und David Mild aus Neuried war in 2:37:58 Dritter. Die Karlsruherinnen Corinna Rinke in 3:23:52 und Silke Freynhagen in 3:24:17 lieferten sich ein spannendes Rennen und konnten zu guter Letzt Gina Walter aus Heidelberg in 3:25:15 auf Platz 3 verweisen.

Der Metro Parkplatz ist noch nahezu leer. Über eine Fußgängerbrücke gelangen wir zu Europahalle. Wegen neuen Brandschutzbestimmungen dürfen sich in der Halle nur noch eine begrenzte Anzahl Menschen (200) aufhalten. Trotzdem klappt alles reibungslos. Auch in der Walter-Eucken-Schule ist noch nicht viel los. Gleich zwei Helfer sind bemüht, uns die Logistik für die Gepäckabgabe zu erklären.

 
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Rechtzeitig sind wir am Startgelände. 9000 Läuferinnen und Läufer sollen es sein, alle vier Startblöcke sind brechend voll. Wir treffen Laufkumpel Teddy mit seinem Markenzeichen: einem niedlichen weißen Stoffbären. Das Tier ist gut 50 cm groß und hat sogar eine eigene Startnummer, die es als Marathonengel ausweist. Diese Engel sind eigentlich Begleitpersonen, die den Läufer bei km 37 abholen und ins Ziel begleiten. Der Teddy-Engel ist aber die ganze Zeit dabei. So süß er auch ist, ich möchte ihn nicht 42 km weit tragen.

Pünktlich um 9 Uhr wird gestartet. Wir verlassen den von Zuschauern gesäumten Startkorridor und biegen auf eine zweispurige gesperrte Straße. Wir stecken im Pulk und müssen auf unsere Füße aufpassen. Es geht am weltbekannten Zentrum für Kunst und Medientechnologie vorbei. Das ZKM ist eine weltweit einzigartige Kulturinstitution, das alle Künste unter einem Dach vereinigt. Auch Institute und Labors für wissenschaftliche Forschungen gibt es. Daher heißt es auch Zentrum und nicht Museum. Uns zugewandt, auf der anderen Straßenseite, unterhalten jugendliche Tänzer des Karnevalvereins Fidelio Läufer und Zuschauer.

Die Strecke führt rechts auf die breite Kriegstrasse/B10, die bald in einer Unterführung die Karlsstraße unterquert. Beim Bundesgerichtshof auf der Fußgängerbrücke feuern uns die Zuschauer lautstark an. Norbert ist das Tempo zu langsam. Er verabschiedet sich und im Slalom verschwindet er nach vorne. Wir erreichen den Ettlinger Tor Platz. Eine Baustelle verdeckt den Blick zur Oberpostdirektion mit seinen schönen Arkadengängen. Mein Blick hängt an einem Werbebanner einer Monty Python Komödie, die scheinbar als Musical adaptiert wurde. Das badische Staatstheater bietet für jeden etwas: von Oper, Ballett bis junges Theater.

Aber was machen hier die Autos auf dem Gehweg? Bei der zweiteiligen Skulptur „Car Building“ von Hans Hollein sind fünf verschiedenfarbige VW-Käfer aufeinandergestapelt und polyaxial gedreht. Es handelt sich dabei um eine Idee des ZKM anlässlich des 300. Stadtgeburtstags, mehrere Großinstallationen unter dem Oberbegriff „die Stadt ist der Star“ im Stadtgebiet zu verteilen. Im Zusammenhang mit der Baustelle nebenan könnte man meinen, jemand hätte die Fahrzeuge von der Straße auf den Gehweg geschoben, um Platz zu schaffen.

Die Straße macht jetzt einen Knick. Die nächste Tanzgruppe bringt Rhythmus für die Läufer. Es geht die breite Ludwig-Erhard-Allee entlang. Bei km 3 befindet sich die erste Wasserstelle. Obwohl wir vor kurzem erst los gelaufen sind, müssen die Helfer im Akkord schuften. An einem großen Kreisel geht es halbrechts und dann auf den Ostring. Gerade hatte sich das Feld etwas gelichtet, da werde ich von hinten schier überrannt. Der Pacer für die 4 Stunden kommt mit einer großen Gruppe. Schnell weiche ich an die Seite aus. Die sind alle viel zu schnell für mich.

 
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Hinter km 5 biegen wir auf die Durlacher Allee ein. Die vierspurige Straße ist halbseitig gesperrt und eine große Brücke führt uns über die A5 und ein breites Schienennetz. Vor uns im Dunst liegt der Turmberg, der 256 m hohe Hausberg der ehemaligen badischen Residenzstadt Durlach und der nordwestlichste Gipfel des Schwarzwalds. Der 28 m hohe Turm, der dem Berg seinen Namen gab, ist auf den Ruinen eines wesentlich älteren Bauwerks errichtet und war zunächst Sitz der Markgrafen zu Baden, bis sie sich in die tiefer gelegene Karlsburg zurückzogen.

Wir erreichen Durlach. Der Abzweig in die Ernst-Friedrich-Straße ist gesäumt von Menschen. Eine Bauchtanzgruppe unterhält die Zuschauer. Mit gewagtem Hüftschwung und bunten Tüchern wird so mancher Läufer abgelenkt. Wir laufen zunächst durch ein Wohngebiet, dann erreichen wir die Fiduciastraße, wo die Fiducia & GAD IT AG ihren Sitz hat. Sie ist einer der größten Finanzdienstleister für Banken in Deutschland und Hauptsponsor und Namensgeber des Baden Marathons. Das Firmengebäude liegt direkt an dem Abzweig zur Wachaustraße. Das scheint eine attraktive Stelle für das Publikum zu sein: wir werden mal wieder vorangetrieben. Ein paar hundert Meter weiter präsentiert sich die nächste Tanzgruppe. Bereits zum 7. Mal findet parallel der sogenannte Tanzmarathon statt: über 30 Vereine, Tanzgruppen und Tanzschulen sind mit mehr als 1000 Tänzern an der Strecke. Läufer und Tänzer motivieren sich gegenseitig, was für die Zuschauer dann doppelt attraktiv ist.

 
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An der nächsten VP wird hart gearbeitet. Das DRK schenkt Wasser und ISO aus. Immer gibt es Wasserwannen für Schwämme. Wir verlassen das Wohngebiet, es geht wieder über die Autobahn und plötzlich sind wir mitten im Grünen. Hier passieren wir die erste Zeitmessmatte. Rechts Wiese, links Wald, nur das Geräusch der Autobahn erinnert an die Nähe der Großstadt. Im Tunnel geht es unter der Autobahn hindurch. Ein gutes Stück dürfen wir dann noch im Wald laufen.

In Rüppur wird dann wieder getanzt. Der ganze Ort scheint auf den Beinen zu sein, um uns anzufeuern. Sehe ich richtig, geht es da vorne wirklich bergauf? Tatsächlich: um eine große Straße samt S-Bahn Gleis zu überqueren, müssen wir auf eine Fußgängerbrücke. Das ist die Gelegenheit, ohne Gesichtsverlust eine Gehpause einzulegen.  Die meisten joggen aber  locker hinauf.

Auf der anderen Seite werden wir von lautem rhythmischen Trommeln empfangen. Es geht um die Kurve und dann an dem Flüsschen Alb entlang. Ich laufe an Teddy mit seinem Bären heran. Beide scheinen wohlauf. Der Bär ist der Star bei den Zuschauern. Er bekommt mindestens doppelt so viel Beifall, wie die zweibeinigen Sportler.

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Informationen: FIDUCIA & GAD Baden-Marathon
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