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Wie die Hasen ins Feld

03.06.12

Sonntagmorgen, 6:30 Uhr. Ich fahre in Walsrode auf die Autobahn, nach Süden. Eine Stunde gemächliche Fahrt und ich bin da, in Hasede bei Hildesheim. Die Ortsbezeichnung führt auf das Tier mit den Löffelohren zurück, welches schon im Mittelalter in der hiesigen Feldmark zu Hause war. Drei umeinander rotierende Hasen machen das Wappen des TUS Hasede aus. Dieser Verein organisiert heute den 34. Haseder Feldmarklauf.

Um 8:00 Uhr der Startschuss zum Marathon, direkt am Ortsrand. Aufgeschreckt wie die Hasen schießen einige der 40 Läufer ins Feld. Sicher wurden auch einige Anwohner geweckt.

Uns ist‘s egal, denn wir sind sofort drin in der Feldmark - ein gerader Asphaltweg durch grün schießendes Getreide, auf eine Hand voll Windräder zu. All das verführt zu einem schnellen Anfangstempo. Schnell kann man hier durchaus laufen, denn die Strecke ist flach, von ein paar Brückenquerungen und Steigen am Kanal mal abgesehen. Zudem herrschen ideale Witterungsbedingungen: es ist bewölkt und mäßig windig bei für Juni frischen Temperaturen um 10 Grad. Viel wärmer soll es heute nicht werden. Ganz anders als im letzten Jahr, als der Feldmarklauf zum Hitzelauf mutierte.

 
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Mir fallen Elvira Kuhfuss (W45) und Freek Hommes (M65) vom TSV Bösingfeld auf, welche sich nicht von der Hatz anstecken lassen und ein gleichmäßiges Tempo um 5min.30sec. hinlegen. Das sieht sehr erfahren aus. Die beiden als meine Hasen und unter 4 Stunden ankommen, das wäre schön. Aber ich fotografiere und halte den Anschluss nicht.

Es geht über die A 7 und über den Hildesheimer Stichkanal, welcher 1923 erbaut wurde und die Kreisstadt am Fluss Innerste mit dem Mittellandkanal verbindet. Nach 10 km durch die Feldmark erreichen wir den Ort Allgermissen, werden am schon dritten Verpflegungspunkt persönlich angesprochen und fachmännisch ermuntert. Das motiviert.

 
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Ich komme mit Carsten Sommer (M45) vom TSV Rothemühle ins Gespräch. Er läuft nach Magdeburg seinen zweiten Marathon hier und will es nach seinem Einbruch an der Elbe heute besser machen. Klar, der Marathon an sich verdient Respekt. Carsten überzieht sein Tempo nicht und ich ziehe weiter, noch habe ich Elvira und Freek, meine Hasen, im Blick.  

Wieder über den Hildesheimer Stichkanal führt die Strecke einige Kilometer am Kanal entlang. Das ist zur Feldmark bisher landschaftliche Abwechslung pur, laufen wir doch auf natürlichem Untergrund beschaulich direkt am Kanal oder am Feldmarkrand an Baumgruppen daneben. Ich laufe auf Martin Traeder vom 100 Marathonclub auf. Da ist der erst 22 jährige tatsächlich schon Mitglied, gar 28 Ultraläufe hat er bereits unter den Füßen.    

Es beginnt leicht vom Himmel zu tröpfeln, doch wir genehmigen uns nach 14 Kilometern Tee, Wasser und Bananen. Insgesamt nehmen wir 12 Mal Verpflegung entgegen, manchmal gibt es auch Cola. Alle Helfer sind rundweg freundlich und gut drauf, auch wenn sie manchmal nicht viel mit Marathon am Hut haben. Wir haben es aber damit am Hut. Ein Drittel ist geschafft, weiter geht die Hasenhatz.

Bei km 17 verlassen wir den Kanal und sind in der Feldmark zurück. Auf meist anderen Wegen führt es nun vermehrt auf Asphalt nach Hasede zurück. Vorher noch ein malerisches Stückchen am Kanal, dann um ein paar Ecken einige Geraden entlang und wir kommen durch das Start-Zielgebiet an der Haseder Turnhalle. Nach persönlicher Ansprache und Aufmunterung ist die Hälfte geschafft. Schon? Erst? … Die Löffelohren hoch: „Das schaffst du schon!“

Viele Zuschauer stehen nicht am Rand und ich bin wieder in der Feldmark, allein. Auf der langen Geraden vor mir Elvira und Freek, meine Hasen. In der zweiten Runde weniger Fotos, das mitgeführte Gel reinsaugen und mehr Gas, lauf Hase, lauf.  

In Allgermissen wieder guter Zuspruch, bis hierhin läuft‘s gut, meine beiden Hasen aber habe ich nicht eingeholt. Das bleibt mein Ziel. Doch dann am Kanal hat der Kopf die Rechnung ohne den Körper gemacht: krampfhaftes Zucken im hinteren Oberschenkel. Den letzten Salzbonbon lutschen und Tempo drosseln, das war’s mit dem Hasengalopp. Elvira und Freek ziehen durch, entschwinden meinem Blick.

Es hat sich eingeregnet, die letzte Stunde bleibt es von oben feucht. Hätten ja schneller hoppeln können, dann wären alle Hasen wie der Sieger im Ziel, ha, ha… Nur den Spaß an der Sache nicht verlieren. Nein, der Regen stört nicht. Ich bin nicht der einzige Hase, der müde ist und mit sich zu tun hat: die Kräfte einschätzen, Kilometer abzählen, sich selbst motivieren, irgendwie.

Die Helfer am Rand leisten das ihre dazu, treiben verbal zur Hasenhatz, das macht wunderbar stark. Vom Kanal hochkommen und das Km Schild mit der 38 sehen, noch vier – das wird gehen. Einen schweren km weiter das Schild 37 km!!! Was denn nun, noch fünf??? Ich begreife, dass die Schilder ausversehen vertauscht wurden. Also erst jetzt noch schwere vier…

Einmal muss ich stoppen und der Krämpfe willen die Oberschenkel dehnen. Auch sonst hängen die Löffelohren schlapp herunter. Doch dann läuft es wieder, im Dauerregen die Zähne zusammengebissen bis ins Ziel. 

 
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Dort empfangen uns warme Duschen. Und nach ein, zwei Bratwurst bei Spielmannzugmusik geht auch schon die Siegerehrung in der Turnhalle über die Bühne. Da tut manch Hasenfuß zwar weh, aber das Hasenfell ist trocken und die Löffelohren sind wieder oben. Jeder wird persönlich geehrt und wir hören von einigen Laufunikaten. Da ist der 73 jährige Hans Joachim Meyer vom 100 Marathonclub, der schon über 1 400 Marathons gelaufen ist, 168 davon sind Ultras. Dann Hans-Otto Huberts (M60) vom hiesigen TUS Hasede, der von seinen bisher 88 Marathons alle 27 Marathons in Hamburg erfolgreich bestritten hat. Zum Abschluss ein Gruppenfoto aller Marathonhasen, natürlich auf dem Siegerpodest unter dem Hasenbanner.

 
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Ich fahre wenig später guter Dinge nach Hause. Neben Medaille und Urkunde hat jeder ein Badehandtuch mit dem Hasenwappen des TUS Hasede im Gepäck. Das alles für 13 Euro Startgeld bei Vormeldeschluss Online den Freitag zuvor um 18:00 Uhr, elektronische Zeitnahme inklusive. Ein toller Feldmarklauf.

Ergebnisse:

Platz 1 Mandy Krause (WHK), Post SV Lehrte 3h.41min.05sec.
Platz 2 Elvira Kuhfiss (W45), TSV Bösingfeld 3h.56min.36sec.

Platz 1 Alpay Özdemir (M40), LAV Alfeld 2h.52min.01sec.
Platz 2 Jens König (M45), Hannover 74 3h.08min.26sec.
Platz 3 Reinhard Beszon, VFL Hannover 3h.08min.55sec.

 

Informationen: Feldmarklauf Hasede
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