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Laufberichte

Übern Deich und durchs Feld

 

Im Fernsehen werden oft Sylt und Rügen medienwirksam miteinander verglichen. Und was ist mit Fehmarn? Die Ostseeinsel liegt dazwischen, geographisch. Fehmarn ist nicht die Insel der Reichen und Schönen und sie kann keine spektakulären Kreidefelsen vorweisen. Fehmarn kommt angenehm normal rüber und die Landschaft ist facettenreich urig, sodass der Urlaub an der See das ganze Jahr über genossen werden kann.

Dazu trägt auch die unter Fachleuten diskutierte touristisch orientierte Infrastruktur bei. Und da hat Fehmarn sich ein gut funktionierendes Konzept erarbeitet, dass freilich nicht ohne Reibungspunkte ist, aber neben Stammgästen auch neue Besucher anspricht.

Übers Jahr wartet Fehmarn mit etlichen Veranstaltungen auf, die von Rapsblütenfest über Pferde- und Beachsportfestival verschiedene Interessenten ansprechen. An diesem Wochenende, Mitte Juni, lockt Fehmarn mit zwei Highlights: Mitsummer Bulli Festival und Fehmarn Marathon.   

Der Fehmarn Marathon im Nordwesten wird vom Strandcamping Wallnau und dem SV Fehmarn organisiert. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer von den Feuerwehren bis zu den dörflichen Nachbarvereinen tragen zum Gelingen der Veranstaltung bei.

Die Startnummernausgabe findet in der Ponyhofhalle neben dem Camping Wallnau statt. Dazwischen ist das Start-Ziel-Areal angelegt. Ein Parkplatz auf der grünen Wiese sorgt für kurze Wege vor und nach dem Lauf. Zur Zeiterfassung haben die Veranstalter die Firma STGK gebucht, welche die Zeiten elektronisch mittels Fußchip erfasst.

 

 
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Auf das Wetter haben die Veranstalter keinen Einfluss. Immerhin haben sie den Termin in den Frühsommer gelegt, was kein grobes Unwetter erwarten lässt. Heute zeigt sich Fehmarn von seiner typischen Seite: Es gibt viel Sonne und reichlich Wind. Die Temperaturen um 20 Grad Celsius scheinen noch erträglich, ohne dass man vom Hitzemarathon spricht. Die böigen Winde aus Nordwest lassen aber den ein oder anderen Starter vom Marathon auf den Halbmarathon abspringen.

Der Marathon wird separat als erste Veranstaltung gestartet. Dazu wird locker moderiert und das überschaubare Feld von 60 Teilnehmern geht gut gelaunt auf die Inselreise. Der Fehmarn Marathon lässt sich in vier Abschnitte einteilen.

Abschnitt eins führt über den Campingplatz bis hin zum Deich vor Dünen und Strand. Zunächst läuft es noch auf Asphalt neben dem Deich und vor Wind geschützt, bald aber führt die Strecke auf den naturbelassenen Deich in den Wind. Der Wind macht aber nichts, da er schräg von hinten schiebt. Die Aussicht vom Deich ist ziemlich genial. Wie man sich das bei einem Insellauf wünscht, gibt es reichlich Meerblick. Die Wiesen, Dünen und Heckenrosen sorgen für landschaftlich reizvolle Kontraste, genauso wie die Windflüchter (vom Westwind schief geneigte Kiefern) und kleine Seen einschließende Salzwiesen.

 

 
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Nach fünf Kilometern kommt ein Leuchtturm in den Blickfang. Vorbei geht die Reise an einigen Campingplätzen, die vor allem die Surfer anlocken. Das Surfen ist auf Fehmarn Trendsport Nummer eins. Hier im Norden auf Höhe Altenteil ist die See am rauesten und nur für „Surf-Profis“ geeignet. In Teichhof sind 10 Kilometer geschafft und nach einem Wendepunkt führt die Strecke inseleinwärts.

Abschnitt zwei zeigt das zweite Gesicht von Fehmarn. Das Inselinnere ist mit Feldern und Dörfern landwirtschaftlich geprägt. Auf schmalen Straßen führt die Strecke durch frisch im Korn stehende Felder. Am Feldrand grüßen Mohn- und Kornblume, Heckenrose und Holunderbusch. Die Dörfer heißen Wenkendorf, Dänschendorf, Petersdorf und Bojendorf. Neben Einfamilienhäusern gibt es noch zahlreiche Bauernhöfe mit Scheunen und Ställen. Die Landwirtschaft hält sich, wird aber hier und da vom Tourismus verdrängt. Mit Ferienwohnungen lässt sich meist mehr als mit Landarbeit verdienen. Noch aber herrscht das ländliche Idyll auf Fehmarn vor, vom Inselsüden mit dem Hauptort Burg einmal abgesehen. Dort fällt neben dem Maritimen der Hoteltourismus mit städtischem Unterhaltungswert ins Auge. Aber auch das braucht eine Ferieninsel.

 

 
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Abschnitt zwei hat jetzt einen drei-vier Kilometer langen Schlussabschnitt. Es führt auf dem Radweg an der Straße durch die Felder zurück nach Wallnau: Gegen den Wind! Das schlaucht ordentlich. Hinzu kommt der psychologische schwerwiegende Moment, erst kurz vor der Halbmarathonmarke zu sein. Hier heißt es also sehr viel später nochmal gegenanzulaufen.

Dann die Halbmarathonmarke am Campingplatz Wallnau. Musikalische Umrahmung, Moderation und Publikumsanfeuerung sorgen für Schwung und Adrenalin. Nach der Verpflegung geht es frisch motiviert in die zweite Runde.

Und in Abschnitt drei. Dieser ist zwar der gleiche wie der erste Abschnitt, aber nach dem ländlichen zweiten Abschnitt wieder ins Seeklima zu kommen, hat was. Vor allem, weil der Wind jetzt nicht nur schiebt, sondern auch kühlt. Das tut den verschwitzten Körpern gut, zumal die Sonne ordentlich sticht und es kaum schattige Passagen gibt. Die Verpflegungsstände circa alle vier Kilometer werden jetzt umso begehrter. Neben Apfel, Banane und Wasser, sind jetzt Cola und Energiegel die Renner.

Wieder der Blick über Salzseen und das Meer. Zahlreiche Fähren und Frachter queren den Fehmarn Belt. Die dänische Küste mit einigen Windrädern ist auszumachen. Der 18 Kilometer breite Belt soll nach europäischem Konzept durch einen Tunnelbau Dänemark und Deutschland verbinden. Es ist gut vorstellbar, welche Einschnitte Landschafft und Natur durch diese Großbaustelle erfahren würden. Auch die Fehmarn-Sund-Brücke, die die Insel mit dem deutschen Festland verbindet, würde einem erhöhten Verkehrsaufkommen nicht standhalten. Eine neue Brücke und neue Straßen müssten her. Fehmarn selbst würde seinen Charakter verändern, der Tourismus könnte leiden... Fluch und Segen. Klar gibt es reichlich Widerstand gegen den Tunnelbau.

Nach Wendepunkt und Kilometermarke 31 führt die Strecke wieder in die Insel hinein. Abschnitt vier gleicht Abschnitt zwei. Und ist für die meisten Läufer doch ganz anders. Die Schritte werden schwerer, die Sonne drückt, Krämpfe kündigen sich an. Aber die ländliche Idylle ist auch wieder schön. Der Blick durch die Felder führt zu blickfangenden Windrädern hin. In ihrer jetzigen Anzahl beeinträchtigen sie das Landschaftsbild nicht. Aber auch gegen Windräder gibt es Initiativen: 1 500 Meter vom Haus entfernt kein Windrad! In der Tat scheint die drittgrößte Insel Deutschlands zu klein für noch mehr Windräder zu sein.

In Dänschendorf bei Kilometer 35 noch schnell über die Straße, denn von links kündigt ein Blaulicht tragender Polizeiwagen die Bulli-Kolonne an. Klar gehört zum Bulli-Treffen, das im Süden bei Burgtiefe angesiedelt ist, eine gemeinsame Inseltour. Ob die denn am gleichen Tag auch noch über die Marathonstrecke führen muss, bleibt fraglich. Gut, sehr viele Läufer sind nicht mehr unterwegs, aber von den Ordnern, Fahrern und Läufern ist erhöhte Aufmerksamkeit gefordert.  

Drei Kilometer später durch Petersdorf mit seinem weithin sichtbaren Kirchturm, davor im Schatten die letzte Cola, das letzte Wasser. Die Schlusspassage in der prallen Sonne und gegen den Wind.steht an. Sie wird wieder von der Bulli-Kolonne eingeleitet, die sich hier durchs Dorf schlängelt. Und während die Läufer auf dem Radweg gen Wallnau ziehen, kommen die Bullis ihnen auf der Straße entgegen. Das stört kaum, zumal der kräftige Wind die Abgase vernebelt und die Begegnungen mit Hupen und Winken für Unterhaltung sorgen. Endlos scheint die Kolonne. An die Tausend Bullis sollen auf der Insel sein, deutlich mehr als die 350 Läufer.        

 

 
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Und dann kommt das Finale auf der schattigen Allee zum Campingplatz. Moderation und Anfeuerung halten an, vor dem Ziel zeigt eine Digitaluhr die Laufzeit. Geschafft, das alkoholfreie Weizen ist jetzt besonders köstlich. Die meisten Teilnehmer sind zufrieden. Hier und da der erste Marathon, dort eine neue persönliche Bestzeit. Der Erlebnischarakter und der Sportgedanke halten sich gut die Waage. Für die ersten drei Platzierten Frauen und Männer im Marathon gibt es Preisgeld (200, 150, 100 Euro).

 

 

Ein toller Marathon mit reizvoller Strecke, der noch ein paar mehr Starter vertragen kann und sich allemal mit Syltlauf oder Rügenbrücken-Marathon messen kann.      

Ein Inselvergleich an sich geziemt sich nicht. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter und es ist gut, dass das so ist. Dazu gehört, dass jede Insel um ihre Zukunft ringt. Fehmarn hat seit 2003 alle Orte in einer Kommune Fehmarn Stadt geeint. Ein Prozess, der auf Sylt sehr schleppend im Gange ist. Und auch auf Rügen wird vermehrt darüber diskutiert, ob es sinnvoll ist, sich am Fehmarnschen Modell zu orientieren.

 

 

Insel-Impressionen

 

 

 
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Ergebnisse

 

1    Frank Themsen        LG Bremen Nord        M45    2h55min32sec
2    Holger Bannies        LG Bremen Nord        M50    3h03min11sec
3    Yacine Lamiri            Stolpertruppe     Winsen    M40    3h05min21sec

 

1    Nele Maya Fahnenbruck    BSG Polizei Hamburg    W35    3h38min41sec
2    Jackie Pommrich        Morschbach            W35    3h44min14sec
3    Natascha Trost        Hellrunners Fehmarn        W35    3h49min02sec

 

Informationen: Fehmarn-Marathon
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