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Laufberichte

Against the wind

 

Marathonveranstaltungen auf deutschen Inseln sind mittlerweile in Mode gekommen.  Nachdem ich bereits Lauferfahrungen in den Städten, in den Bergen und Untertage gesammelt habe, nutze ich auf Fehmarn die Gelegenheit, mein Repertoire zu erweitern. Meine Jugenderinnerungen an Fehmarn beschränken sich zudem auf einen Eintagesausflug mit Regen und stürmischen Böen. Ob mich auch diesmal das raue Meerklima erwartet? Um mich einzugewöhnen und beim Lauf keine Überraschungen zu erleben, nutze ich den Fronleichnamstag, der in NRW noch Feiertag ist, inklusive Brückentag, um bereits am Mittwoch mit meiner Familie anzureisen. Problemlos kann man Deutschlands drittgrößte Insel seit 1963 über die Fehmarnsundbrücke mit dem Auto erreichen. Schon beim Überqueren werden wir mit einer steifen Brise empfangen.

Nachdem wir unser Quartier in Dänschendorf bezogen haben, nutze ich schon den Donnerstag die Gelegenheit meine Startunterlagen abzuholen. Gedränge ist nicht zu erwarten, denn trotz seiner 4. Auflage ist der Fehmarn Marathon noch eine relativ kleine Veranstaltung. Aber Besserung ist in Sicht, denn die Steigerung der Teilnehmerzahlen liegt bei über 30 % und beläuft sich in diesem Jahr schon auf 413. Dabei ist der Anteil der Marathonis mit 66 Läuferinnen und Läufern noch sehr bescheiden. Das Gros der Läuferschar nimmt den Halbmarathon unter die Füße. Wem selbst das noch zu lang ist, hat Gelegenheit, 5 (auch walkend) oder 10 KM zu bewältigen. Um die Jüngsten schon mal ans Laufen zu gewöhnen, dürfen die Kinder sich über 1,5 KM messen.

Als wir am Campingplatz Wallnau ankommen, warten die freundlichen Helfer schon. Hier schlägt das Herz der Veranstaltung. Auf kleinstem Raum sind Anmeldung, Start, Ziel, Startnummernausgabe sowie Umkleiden und Duschen konzentriert. Als einer der Ersten nehme ich meine Unterlagen in Empfang. Neben der Startnummer erhalte ich den Winner-Chip, über den die Zeit erfasst wird und als Marathoni ein T-Shirt. Nach kurzer Durchsicht auf Vollständigkeit mache ich mich noch auf den kurzen Weg zum Deich, um den Beginn der Strecke in Augenschein zu nehmen. Oben angekommen, erwarten mich starke Böen und heftige Regenschauer. Schlechtes Omen für meinen Lauf am Samstag? Jedenfalls weiß ich jetzt, was mich im ungünstigsten Fall erwartet.

 
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Der Samstag naht. Am längsten Tag des Jahres werde ich frühzeitig von der Sonne wachgeküsst. Es bleibt genügend Zeit für das kräftigende Frühstück vor dem Start. Gut gestärkt erreiche ich mit meiner Familie den Campingplatz in Wallnau. Als Veranstaltungsteilnehmer werden wir auf einen Parkplatz auf der Wiese gelotst. Zwei Minuten später sind wir im Start- und Zielbereich. Eine halbe Stunde vor dem Start hat der Moderator mit seinem Programm begonnen. Einzelne Läufer werden begrüßt und interviewt. Unter anderem der Schirmherr der Veranstaltung, Landtagsabgeordneter Lars Winter. Er wird heute die 10 KM laufen. Kurz vor 9 Uhr begrüßt der Veranstalter Gunnar Mehnert die Läuferschar, um sie anschließend pünktlich auf die Strecke zu schicken.

Zuerst durchqueren wir den Campingplatz. Anschließend bringt uns eine kurze Steigung auf Höhe des Deiches. Die Strecke führt uns die nächsten Kilometer östlich am Fuß des Deiches entlang. Bereits jetzt hat sich das kleine Teilnehmerfeld weit auseinander gezogen. Jeder kann sein Tempo finden. 5:15 Minuten für den ersten KM sind reichlich flott für mich heute. Der Wind von Westen scheint noch nicht zu stören. Im Gegenteil, werde ich schon jetzt geschoben? Der Deich scheint die Brise vom Meer jedenfalls nicht abhalten zu können. Oder doch? Die meisten Teilnehmer nutzen zumindest die linke Spur im Schatten des Deiches. Ich kann keinen Unterschied feststellen.

 
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Lange währt der Schutz des Deiches eh nicht mehr, denn bereits nach 4,5 KM dürfen wir auf dem Kamm weiter Laufen. Bis KM 10 folgen wir noch den Windungen des Damms, der das dahinter liegende Land vor Fluten schützt. Auch die Schiffe auf See brauchen Sicherheit, daran erinnert der Leuchtturm von Westmarkelsdorf. Seit 1902 dient er als Orientierungs- und Warnfeuer für den Weg in den Fehmarnbelt. Bereits auf diesem Teilstück ist man ziemlich allein unterwegs und man lenkt sich mit Musik aus der mobilen Jukebox ab. Zugegeben, ein Gespräch ist auf diesem Teilstück auch nicht möglich. Die Geräuschkulisse aus Wind Meeresrauschen ist zu intensiv.

Kurz vor Verlassen des Deiches kommt ein kurzes Begegnungsstück, an dessen Ende man am Wendepunkt einen Strich auf seine Startnummer bekommt, als Bestätigung dafür, dass man bis hierhin die Strecke ordnungsgemäß absolviert hat. Mit dem Rückenwind war das bisher auch kein Problem. Jetzt geht es ins Inselinnere, hauptsächlich über Felder. Das Korn beginnt zu reifen. Eine enthusiastische Radfahrerin feuert uns Läufer mit einer Klapper an. Kurz hinter KM 11 erreiche ich mit Wenkendorf die erste von vier Siedlungen an der Strecke. Zahlreiche Schilder „Ferienwohnungen“ zeugen vom zweiten wirtschaftlichen Standbein der Region, dem Tourismus.

 
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Bis KM 14 geht es weiter durch offene Felder. In der Ferne grüßt bereits der Kirchturm von St. Johannis in Petersdorf, der mit seinen 64 Metern der höchste auf Fehmarn ist. Zuvor kommt noch  Dänschendorf. Hier haben der Sage nach „der Fischer und syne Frau“ gewohnt.

Ein Fischer lebte mit seiner Frau in einer armseligen Hütte (Pissputt). Eines Tages angelt er einen Butt, der sprechen kann und sich als verwunschener Prinz entpuppt. Der Fischer lässt ihn wieder frei.  Ilsebill, die Frau des Fischers, ist empört, dass er keine Gegenleistung gefordert hat und drängt ihn, das sofort nachzuholen. Also wünscht er sich von Butt eine neue Hütte. Weil das reibungslos funktioniert, wird die Frau immer gieriger und verlangt nach einem Schloss und dann nach immer mehr. Alle Wünsche werden erfüllt, aber gleichzeitig wird das Wetter immer schlechter, die See verfärbt und der Sturm wird immer heftiger. Als Ilsebill schließlich fordert, wie der liebe Gott zu werden, ist der Spuk vorbei und sie sitzt wieder in ihrer armseligen Hütte.

Danach muss auch das Wetter wieder besser geworden sein, denn ich erreiche trockenen Fußes nach 16,5 KM Petersdorf. Wie zuvor bietet sich uns ein idyllisches Bild. Das sah hier auch schon mal anders aus. Als der dänische König Erich 1419 auf Fehmarn einfiel, verwüstete er die ganze Insel. In Petersdorf wurden ihm 12 Jungfrauen mit der Bitte um Gnade für die Einwohner entgegen geschickt. Genutzt hat es nichts, die Erde wurde mit dem Blut der Bewohner getränkt.

Gleich nach der nächsten Verpflegungsstation folgt eine kurze Pflastersteinpassage, die in einem Bogen an der St. Johanniskirche vorbeiführt. Der Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert ist umgeben von 64 Linden, die an den deutsch-dänischen Krieg von 1864 erinnern sollen. Seit dieser Zeit ist Fehmarn endgültig preußisch bzw. deutsch. In den Jahrhunderten zuvor wechselte die Herrschaft häufiger zwischen der deutschen und dänischen Krone.

Wir verlassen Petersdorf wieder. Die letzten 3 KM der Strecke führen mich wieder durch Felder und Bojendorf direkt westwärts zurück zum Campingplatz. Ich bin gut drauf und erreiche bereits nach 1:51 Stunden die Halbmarathonmarke, wo es auch Zuschauer gibt. Begrüßt werde ich mit einer La Ola Welle und biege motiviert zu meiner zweiten Runde auf den Campingplatz ab. Hier erwartet mich endlich Silke. Ich hatte sie schon vermisst. Aber wo hat sich Nikita versteckt? Ihn werde ich erst im Ziel wieder sehen, da er das reichhaltige Angebot des Veranstalters zur Kinderbelustigung, unter anderem mit Bungeejumping, nutzt. Ist ja auch interessanter, als dem Papa mal wieder beim Laufen zuzusehen.

Ich folge dem Deich erneut nach Norden. Hält der den Wind jetzt doch ab? Zumindest scheint es so, dafür spüre ich jetzt die Sonne deutlich stärker. Wird Zeit, dass ich wieder aus dem Windschatten herauskomme. Kurz nach KM 25 ist es wieder soweit. Jetzt genieße ich die frische Brise und versuche mich bis KM 31 treiben zu lassen. Die Schritte werden jetzt schwerer. Habe ich mich auf der ersten Hälfte übernommen? Es scheint zumindest so. Nach der Wende bläst mir nun der Wind mächtig ins Gesicht. Gut,  dass ich kurz darauf den Deich endgültig in Richtung Südwesten hinter mir lassen kann. Jetzt weht es nur noch schräg von vorn. Zahlreiche Büsche und Sträucher bieten zudem teilweise Schutz vor dem himmlischen Kind. Die schon erwähnte Radlerin ist noch immer unterwegs. Ob sie auch eine ganze Runde gedreht hat?

Bei KM 33 durchlaufe ich Wenkendorf zum zweiten Mal. Die Häuser bieten erfreulicherweise weiteren Schutz vor den Böen. Weniger erfreulich ist beim Verlassen des Dorfes der Blick nach Süden. Dunkle Wolken über Petersdorf lassen für die restlichen Kilometer nichts Gutes erwarten. Ob die Frau des Fischers den Butt mal wieder erzürnt hat? Ich passiere bei KM 35 Dänschendorf. Die Wolken jagen nur so über mich hinweg. In Richtung Süden klart es wieder auf. Auch die Regenwolken haben sich nicht aufhalten lassen. Am Ortseingang von Petersdorf zeugen ein paar Pfützen davon, dass es geregnet hat.

 
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Schnell habe ich an der Verpflegungsstelle noch die letzte Cola ergattert und mache mich frisch gestärkt auf die finalen 3 KM. Doch bereits am Ortsausgang schwinden Mut und Kräfte. Der Westwind scheint mich in den Ort zurückwehen zu wollen. Gefühlt geht es nach zwei Schritten  vor, einen zurück. Nie war ich langsamer unterwegs, kommt es mir vor. Schließlich schalte ich noch weiter runter und gehe. So ist die steife Brise besser erträglich. Nach vorn und hinten geht platzierungsmäßig eh nicht mehr viel. Das drückt auf die Motivation. Als Klaus-Jürgen mich kurz vor Bojendorf überholt, packt mich aber noch einmal der Ehrgeiz. Der letzte Kilometer soll in Würde laufend zurückgelegt werden. Schließlich will ich Silke ja auch wieder ein ordentliches Fotomotiv bieten. Also Zähne zusammen gebissen und die letzte kleine Erhebung genommen, durch die Allee noch einmal Windschatten genießen und lächelnd die Ziellinie überqueren. Immerhin habe ich die 4 Stunden-Marke geknackt, was in Anbetracht der Umstände für mich nicht ganz selbstverständlich ist.

 

Ergebnisse:
Männer:

1. Mario Stach, 2:51:52
2. Holger Bannies, 2:57:22
3. Sven Peemöller, 3:00:31

Frauen:

1. Janina Beck, 3:25:06
2. Ute Deters, 3:37:31
3. Ursula Tout, 3:42:21

Streckenbeschreibung:

Kurs über zwei Runden

Zeitnahme:

Winner-Chip

Weitere Veranstaltungen:

1,5 KM Kinderlauf, 5 KM (auch Nordic-Walking), 10 KM und Halbmarathon

Startgeld:

Marathon: 29 – 34 €, je nach Anmeldezeitpunkt

Auszeichnungen:

Medaille im Ziel, Urkunde vor Ort und im Internet und Finisher-Shirt

Verpflegung:

Verpflegungspunkte an der Strecke und Verpflegung im Ziel. Gereicht werden Wasser und Cola, dazu Gel, Bananen- und Apfelstücke.

Zuschauer:

Im Start- und Zielbereich.

 

 

Informationen: Fehmarn-Marathon
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