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Laufberichte

Fleckenberg ist eine Reise wert

21.10.06

 Fahrradbegleitung für das "Schlusslicht"

 

Im landschaftlich besonders reizvollen oberen Tal der Lenne, dort wo der kristallklare Latropbach in den in Kreuzworträtseln oft gefragten linken Nebenfluss der Ruhr mündet, liegt der Ferienort Fleckenberg. Schiefergedeckte Fachwerkhäuser mit schwarz gestrichenem Gebälk, weiß getünchter Füllung und häufig auch farbig gestaltetem Schnitzwerk in den Basis- und Eckbalken prägen das idyllische Ortsbild.

 

Fleckenberg, das bereits im Jahre 1283 in einer Urkunde des Klosters Grafschaft erwähnt wurde, zählt zu den schönsten Orten des Sauerlandes. Es wurde 1977 im Wettbewerb "unser Dorf soll schöner werden" Landessieger in Gold und anschließend "Bundesgolddorf".

 

Am Samstag, dem 21. Oktober 2006, fand dort der "3. Internationale FALKE-Rothaarsteig-Marathon" statt. Dieses sportliche Ereignis war eine "Gemeinschaftsproduktion" der Vereine "Skiclub Jagdhaus 1982", "Fußballclub Fleckenberg/Grafschaft 2004" und "Ski- und Tennis-Club Fleckenberg 1979", die sich zum Zwecke der Ausrichtung vorgenannter Laufveranstaltung zur "Rothaarsteig-Marathon GbR" zusammengeschlossen haben. Die Gesamtleitung des "Events" lag in den Händen von Bernhard Tröster. Organisationszentrum war Fleckenbergs schön gelegene Schützenhalle, ein modern und großzügig gestaltetes, aber dennoch eine gemütliche Atmosphäre vermittelndes Bauwerk, um das der hübsche Sauerlandort zu beneiden ist. Auf dem angrenzenden Sportplatz befanden sich der Start und das Ziel für folgende Wettbewerbe:

 

Marathonlauf (Start um 12.00 Uhr)
22,1-km-Lauf (Start um 12.15 Uhr)
22,1-km-Nordic-Walking (Start um 12.30 Uhr)
22,1-km-Walking (Start um 12.35 Uhr)

 

Exakt 1.068 Anmeldungen (darunter 205 "Marathonis") und 825 Finisher/innen (davon 164 "Marathonis") konnten die Ausrichter diesmal verzeichnen. Alle vier Werte sind neue Veranstaltungsrekorde. Dieser erfreuliche Sachverhalt ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass sich die liebevolle und umsichtige Organisation des "FALKE-Rothaarsteig-Marathons" herumgesprochen hat.

 

Der Teilnehmeranstieg dürfte aber auch in einer moderaten Festlegung des Startgeldes begründet sein. So hatten bis zum 07.10.2006 angemeldete Marathonläufer/innen 20 €, Starter/innen über die "Halbmarathondistanzen" 15 € zu entrichten. Und auch die Nachmeldegebühr von 3 € hielt sich in akzeptablen Grenzen. Alle Teilnehmer/innen bekamen bei Abholung der Startunterlagen ein hochwertiges FALKE-Funktionsshirt ausgehändigt. Nach dem Zieleinlauf konnte man sich in der Schützenhalle eine Urkunde mit Platz- und Zeitangabe abholen.

 

Bei so viel landschaftlicher Schönheit und organisatorischer Qualität wollte vermutlich auch Petrus nicht zurückstehen. Zwar hatten die Wettervorhersagen für diesen Samstag in der Region Schmallenberg Regen angekündigt. Mit Ausnahme eines zweimaligen kurzzeitigen leichten Dahernässens blieben die Niederschläge jedoch aus. In den Vormittags-, Mittags- und frühen Nachmittagsstunden war die Bewölkung mal mehr, mal weniger weit aufgerissen, und immer wieder kamen blauer Himmel und Sonne zum Vorschein. Am späten Nachmittag konnte man sich an dauerhaftem Schönwetter und einer Temperatur von +16° Celsius erfreuen.

 

Der in der Internet-Ausschreibung zum "3. Internationalen FALKE-Rothaarsteig-Marathon" dargelegte Verlauf der Marathonstrecke lautete wie folgt:

 

"Nach einer Einlaufphase (2,5 km) geht es bergauf über den Zubringer zum Rothaarsteig durch die Lenner Felder zur Böhre. Weiter bergauf über Siebentanne und Heidkopf erreichen wir auf Jagdhaus den Rothaarsteig. Wir bleiben nun auf dem Rothaarsteig bis Trudes Sonnenbank und laufen über den Grenzweg wieder nach Jagdhaus. Die Strasse überquerend kommen wir nun zurück auf den Rothaarsteig. An der Millionenbank vorbei geht es weiterhin bergauf bis zum Großen Kopf (742 m, 21,6 km). Vorbei an der Hängebrücke und den Waldskulpturen erreichen wir über die Talvariante Schanze. Bergab geht es nun über den Wanderweg L1 zum Ort Latrop. Wir verbleiben im Tal über Waidmannsruh bis zum Sägewerk Wulf. Entlang der Latrop geht es nun dem Ziel auf dem Sportplatz in Fleckenberg entgegen."

 

Diese Streckenschilderung versprach viel Abwechslung und eine schöne Landschaft mit herrlichen Rundblicken. In der Realität wurde alles Erwartete noch weit übertroffen. Hinzu kam, dass die vorbildliche und zweifelsfreie Ausschilderung des Rundkurses sowie die zusätzliche Absicherung durch Streckenposten ein sorgloses Laufen gestatteten.

Die Verpflegungsstellen, die in Anständen von ca. 5 km eingerichtet waren, boten von Anfang an neben Wasser, Tee und Vitamingetränken die von mir bei Marathon- und Ultraläufen sehr geschätzte Cola an, und an Essbarem waren dort nicht nur Bananen- und Apfelstücke, sondern auch Energieriegel vorzufinden.

 

Mir, der ich mich während eines Rennens gerne damit beschäftige, Zwischenzeiten hochzurechnen, wäre die Markierung eines jeden km entgegengekommen. Aber auch die nach jeweils 5 km anzutreffenden Tafeln und die ab km 31,2 vorhandenen Rest-km-Angaben ("Noch 11 km" usw.) erwiesen sich als hilfreich.

 

 
Autor Volker Berka
© Foto Team Müller

Bei so vielen positiven Begleitumständen hätte man eigentlich von einer "lockeren Angelegenheit" ausgehen können, wenn da nicht die Höhenmeter des Rundkurses gewesen wären. Zwar war in der Internet-Ausschreibung zum "3. Internationalen FALKE-Rothaarsteig-Marathon" ein Streckenprofil vorzufinden. Die dort zwangsläufig komprimierte Darstellung vermittelt den eigentlichen Schwierigkeitsgrad aber nur in eingeschränktem Maße. Vielleicht hätte ich im Vorfeld des Rennens einer mitgelieferten Tabelle mehr Beachtung schenken sollen. Sie wies nämlich folgende Daten aus:

 

Start 0,00 km/360 m Höhe -  Abzweigung Lenne  1,89 km /347 m Höhe  - Wolfskuhle 5,15 km /503 m Höhe -  Auf der Böhre 6,39 km /455 m Höhe - Stellmecke 9,57 km /636 m Höhe - Heidkopf  10,69 km /659 m Höhe - Tretbecken 11,29 km / 629 m Höhe - Trudes Sonnenbank 14,03 km /663 m Höhe - Straße Jagdhaus 16,36 km/660 m Höhe - Millionenbank 18,20 km /637 m Höhe - Großer Kopf 21,62 km /742 m Höhe - Hängebrücke 24,62 km/ 685 m Höhe - Kühhude 25,61 km /702 m Höhe - Kamm Talvariante 27,28 km /757 m Höhe - Skihütte Schanze 30,14 km /693 m Höhe - Robecker Siepen 32,74 km /497 m Höhe - Dorfhaus Latrop 35,41 km / 431 m Höhe -  Waidmannsruh 37,52 km/409 m Höhe - Sägewerk Wulf  40,71 km / 388 m Höhe -  Ziel  42,195 km /360 m Höhe - Gesamtzahl = 838 Höhenmeter.

 

Doch nicht nur die "anspruchsvolle" Streckenführung des "FALKE-Rothaarsteig-Marathons" verlangte einem Läufer "meiner Preisklasse" alles ab. Erschwerend kam hinzu, dass die befestigten Wald- und Wanderwege an einigen Stellen Unebenheiten oder groben Schotter aufwiesen und der Regen des Vortages an manchen Naturwegpassagen Pfützen und Matsch hinterlassen hatte. Mir wurde sehr deutlich, dass ich mich am oberen Rand dessen bewegte, was sich jemand mit meiner Vorgeschichte (September 1996 Bypass-Operation, März 2004 Stent-Einpflanzung) zumuten sollte.

 

Bis zum Zielschluss um 18.00 Uhr stand eine Laufzeit von 6 Stunden zur Verfügung. Da mein diesjähriger Durchschnittswert für Flachstreckenmarathonläufe bei 5½ Stunden liegt, konnte ich ein Polster von ca. ½ Stunde für die steigungsbedingten Zeitverluste aufbrauchen. Als ich aber bergauf weit mehr als vorgesehen marschierte (weil ich laufend auch nicht schneller vorangekommen wäre), verringerte sich die "zeitliche Pufferzone" in beängstigendem Maße. Ich machte mich schon mit dem Gedanken vertraut, das Zeitlimit diesmal nicht zu schaffen.

 

Doch noch war meine Moral nicht gebrochen. Und zudem gab es da zwei großartige Sportfreunde, denen ich in diesem für mich schweren Wettkampf unheimlich viel zu verdanken hatte:

 

Zuerst muss Peter Schauerte genannt werden. Er war einst Fußballspieler. Seine Aktivenzeit fand durch einen Kreuzbandriss ihr jähes Ende. Laufen ist seitdem für Peter nur in sehr eingeschränktem Umfang möglich. Da er aber die sportliche Betätigung wie der Fisch das Wasser braucht, hat er sich nun dem Mountainbikefahren über längere Distanzen verschrieben. Dies war wohl auch der Grund, weshalb man ihn gebeten hatte, die Fahrradbegleitung für das "Schlusslicht" zu übernehmen.

 

Eine bessere Wahl hätte das Organisatorenteam nicht treffen können. Hier war der richtige Mann am richtigen Platz. Peter ist mit unerschütterlicher Ruhe und großem Einfühlungsvermögen ausgestattet. Wenn ich die Unterhaltung suchte, um mich von einer "Krise" abzulenken, war Peter sofort an meiner Seite. Wenn ich mit mir alleine sein wollte, ließ sich Peter zurückfallen. Er folgte dann in dezentem Abstand. Mir kam mehrmals in den Sinn, dass Peter gewissermaßen "mein Schutzengel" sei.

 

 
Dr. Alfred Witting
© Foto Team Müller

Einen nicht minder hohen Anteil an meinem letztlich doch relativ problemlosen Durchkommen hatte Dr. Alfred Witting. Er ist vielseitiger Arzt und betreibt ein sportmedizinisches Labor. Was ihn aber noch interessanter macht: Er ist selbst Extremsportler, Marathon- und Ultramarathonläufer. Es gibt kaum einen Landschafts-/Hochgebirgs-Ultralauf-Klassiker, den Alfred nicht ein- oder meist sogar mehrmals absolviert hätte. Den diesjährigen "FALKE-Rothaarsteig-Marathon" lief Alfred zum Genießen, als Vorbereitung auf ein bevorstehendes Großereignis und um irgendwelche Dinge in der Praxis auszuprobieren.


Wir hatten uns kurz nach dem Start beim Verlassen der Sportanlage zusammengefunden und die ersten 2½ km gemeinsam zurückgelegt. Als es dann in die Berge ging, bat ich Alfred, keine Rücksicht auf mich zu nehmen und davonzuziehen. Bei km 20 hatte ich wieder zu ihm aufgeschlossen, und von nun an bewegten wir uns in lockerer Zweisamkeit dahin. Mal setzte sich Alfred bergauf ein paar Meter von mir ab, mal konnte ich an Verpflegungsstellen ein paar Meter Vorsprung herauslaufen. Alfreds Nutzen für mich bestand vor allem darin, dass er in jeder Phase des Rennens eiserne Ruhe bewahrte und durch ihn die Belastung von mir genommen war, ich würde als alleiniger Letzter mit eventuell riesigem Rückstand zum/zur Vorletzten "ganzen Völkerstämmen" von Helferinnen und Helfern die Zeit stehlen.

 

Die letzten 6 km legten Peter, Alfred und ich zu dritt als verschworene Gemeinschaft zurück. Nun sollte "nichts mehr anbrennen". Diese ¾ Stunde war für mich ein ganz besonderes Erlebnis und führte zu meinem zeitweise nicht für möglich gehaltenen Endergebnis von 5:52:17,6 Stunden. Nochmals herzlichen Dank an Euch beide! Ich habe echte Zweifel, ob ich ohne Eure Begleitung innerhalb des Zeitlimits ins Ziel gekommen wäre.

 

Große Anerkennung und besten Dank aber auch an all die vielen freundlichen Helfer/innen, sei es an der Startunterlagenausgabe oder an der Nachmeldestelle, als Streckenposten oder als Verpflegungsstellebetreuer, im Bewirtungsbereich oder bei der Urkundenausgabe. Auch sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ich mich  beim "3. Internationalen FALKE-Rothaarsteig-Marathon" rundum wohl fühlte.

 

 
Carmen Hildebrand
© Foto Team Müller 2 Bilder

Die Ergebnisse des Siegers/der Siegerin:

 

1. Marathon Männer:

Kuhlmann, Guido - Team MK HOFFE - 2:55:11,7 Stunden

 

1. Marathon Frauen:

Hildebrand, Carmen - SSC Hanau-Rodenbach - 3:30:30,0 Stunden

 

Informationen: FALKE Rothaarsteig-Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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