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Laufberichte

Jede Menge Wasser, und noch mehr

02.06.13

Ende des vorigen Jahrtausends war ich in Görlitz, Anfang Juni. Abends joggte ich durch die Stadt. Ich sah viele schöne Häuser und viele Häuser die einmal schön waren. Mit dem Pass in der Hand lief ich an lachenden Grenzern und am Grenzstau vorbei rüber ans rechte Neiße-Ufer. Nicht um Zigaretten zu kaufen, sondern um mich  einmal umzusehen. Der ehemals östliche Stadtteil heißt seit 1945 Zgorcelec und liegt in Polen. Nach einer Runde auf der polnischen Seite der Stadt kehrte ich ans deutsche Ufer zurück.

Heuer findet zum 10. Mal der Europamarathon in Görlitz statt, Anfang Juni. Vier Jahre lang kam mir immer was dazwischen, heuer konnte ich es terminlich einrichten. Über Budweis und Prag bin ich in knapp 5 Stunden da. Freitag am Abend scheint zu meiner Überraschung die Sonne, ich nutze das schöne Wetter zu einem Stadtbummel und zu einer Fotosafari. Unzählige schöne Jugendstilhäuser, Ende das 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut.
Ich kann mich gar nicht satt sehen daran. Sie stehen prachtvoll da, einige warten noch auf ihre Wiederauferstehung. Viele davon sind zu vermieten oder zu verkaufen. Besonderer Leckerbissen: das schönste Kaufhaus der Welt (1912) ist zu verkaufen. Ab € 250,- kann man Anteile erwerben. Hertie steht noch drauf, ist aber seit vier Jahren nicht mehr drinnen. Gleich nebenan die Frauenkirche aus 1449.

 
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Die Innenstadt macht einen verlassenen Eindruck, ein paar Touristen, kaum Einheimische.  Görlitz, die östlichste Stadt Deutschlands mit dem (k)östlichsten Bier, liegt am 15. Meridian. Die Uhrzeit entspricht genau dem Sonnenstand, wenn nicht gerade Sommerzeit ist. London liegt exakt eine Stunde zurück.

Am Samstag fahre ich die Marathonstrecke mit dem Auto ab: Was im Programm als welliges Profil bezeichnet wird, entpuppt sich als Strecke mit außergewöhnlich vielen Höhenmetern für einen Stadtmarathon. 500 mindestens, schätze ich. Kaum wirklich steil, aber bis zu 1km lang und länger.

Das Samstagwetter entspricht nun der Wetterprognose: Regen und Wind. Selbst mit Regenschirm ist man nach 2 Stunden nass bis über die Knie. Der Regen kommt abwechselnd von allen Seiten. Radurlauber in rotem Regenschutz schieben ihre Fahrräder durch die Innenstadt, vorbei an Bürgerhäusern in Barock, Renaissance und Gotik. Das sehenswerte Rathaus aus dem 14. Jahrhundert wurde mehrmals umgebaut, und ist trotzdem ein Schmuckstück. Der Turm zeigt die Mondphasen an und hat zwei Ziffernblätter, eines zeigt 24 Stunden an, das untere 12.

 
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Die Startnummern bekommt man ab 13h im Annengymnasium, zweisprachige Türschilder fallen mir auf. Sage und schreibe an zehn Bewerben kann man teilnehmen. Walker, Laufbewerbe von 5km bis 42,2km, Handbiker, Rollstuhl, Inline-Skater und Tretroller. Tretrollerfahren, ist schon einige Jahre her, seit ich das zuletzt gemacht habe. Als Bewerb ist es mir bisher noch nicht untergekommen. Trotz der Wetterprognose für morgen wird eifrig nachgemeldet.

Um halb sechs hört es tatsächlich auf zu regnen, sodass die Nudelparty am Elisabethplatz ohne aufgespannten Regenschirm beginnen kann. Als es nach einer Stunde wieder zu regnen beginnt, hat jeder seinen Schirm zur Hand.

Sonntag, starker Nieselregen, böiger Wind, verlockend ist das da draußen nicht. Erinnerungen an Berlin 2010 werden wach. Also rein ins Auto und ab in die Innenstadt. Da die Halbmarathonis erst eine halbe Stunde nach uns starten, die 10km-LäuferInnen eine weitere Stunde später, gibt es keine Parkplatzprobleme. Beutelabgabe im Annengymnasium, wo Schüler die Kleiderbeutel markieren und verstauen, völlig entspannt geht das.

Bevor die Handbiker losgelassen werden, erschallt ein 3-faches, „zicke-zacke, zicke-zacke“! Kurz darauf folgen die Inline-Skater. Zwei Sprecher teilen sich den Job, der eine auf polnisch, der andere auf deutsch. Tschechen sind auch einige am Start. Nach Reichenberg (Liberec), der nächsten größeren Stadt in Tschechien, fährt man eine Stunde und nach Prag ist es auch nur eine Stunde mehr.

Wie mir erzählt wird, wäre es heuer das erste Mal, dass das Wetter so schlecht wäre. Sonst immer Sonnenschein. Wie auch immer, zum Laufen sind mir 11° allemal lieber als 25°. Die paar Minuten vorm Start ist es ungemütlich, aber kaum läuft man, sind niedrige Temperaturen besser. Es regnet, um nicht schon nass zu starten habe ich ein BW-Shirt dabei, das werde ich irgendwann opfern.

 
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09h30, Countdown läuft, auf deutsch und polnisch. An die 120 LäuferInnen trotzen der Witterung. Zu Beginn geht es gleich einmal bergab. Die Landskron Herolde, ein Spielmannszug, spielen dazu. Rechts an der Villa Marie Curie vorbei bereits die erste Welle im Streckenprofil, und noch eine. Bald links ab runter zur Neiße.

Das 1km-Schild steht noch in Sachsen, auf der Papst Johannes-Paul-II-Brücke laufen wir nach Zgorcelec. In Polen, aber immer noch in Schlesien, werden wir von einer immensen Pauke empfangen. Was für ein riesiges Ding, auf das der Pauker da eindrischt. Mit Polizeibegleitung und Blaulicht geht es am durchweichten Sportplatz vorbei durch ein Häusergewirr bis wir die Warszawska-Straße von Zgorcelec erreicht haben. Ohne Kurven, dafür mit Gefälle stadtauswärts, und schon die erste Labestelle. Nach km3 begegnet mir der Führende. Weiter bis kurz nach km4 zur ersten Wende und das ganze wieder zurück. Die Sonntagsmesse ist zu Ende, wir Läufer werden bestaunt.

Nach 7km geht es rauf in ein Wohngebiet, vorher an einer Kirche vorbei, Heiliger Bonifaz.

Vor km8 eine Spitzkehre und Labestelle, Die Pfarrkirche „Josef, der Arbeiter“ sieht sehr neuzeitlich aus, auch hier ist die Messe gerade zu Ende. Die nächste Wende, innerhalb von 500m gleich zwei Labestellen. 10km sind geschafft.

Km11 nach 62min. Ich bin jetzt schon alleine, ganz weit vorne ist noch jemand. Ich komme wieder zu der 8km-Labe, nehme aber kein Getränk. So oft kann ich gar nicht trinken, wie es mir da angeboten wird. Durch die 180°-Kurven ist das jetzt der 6. Versorgungsposten, und das bei km12! Jetzt geht es erst einmal bergab, wir bekommen unsere Höhenmeter zurück. Zwei Polizisten weisen mir den Weg raus aus Polen.

12
 
 

Informationen: Europa-Marathon Görlitz
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