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Laufberichte

Sport und Genuss

 

Es gibt, glaube ich, in der Terminliste von Marathon4you.de drei Veranstaltungen, die kein Marathon- und kein Ultralauf sind. Dazu muss es gute Gründe geben. Nehmen wir den  Engadiner Sommerlauf (25 und 11 km). Der Lauf hat eine lange Tradition und findet dieses Jahr bereits zum 37. Mal statt. Die Teilnehmerzahlen steigen kontinuierlich, weswegen vor ein paar Jahren die Infrastruktur angepasst und die Strecke geringfügig geändert werden musste. Das hat mit dem Anspruch der Schweizer zu tun, die aus vielerlei Gründen auch im Laufsport nicht als Discounter, aber als Anbieter perfekter Veranstaltungen bekannt sind.

Reichen tut das aber nicht, um als Unterdistanz bei Marathon4you.de gelistet zu werden. Dazu bedarf es eindeutiger Alleinstellungsmerkmale. Und die hat der Engadiner Sommerlauf ohne Zweifel. Trotzdem habe ich ihn vor Jahren nur aus der Not heraus „entdeckt“. Als ich mich nämlich als Hardcore-Runner noch rühmen konnte, in keiner Ergebnisliste unter Marathon aufzutauchen, zwangen mich einige Wehwehchen vorübergehend zur Marathon-Abstinenz. Damit daraus keine Lauf-Abstinenz wird und um trotzdem im Sommer in den geliebten Bergen läuferisch und wettkampfmäßig unterwegs zu sein, erinnerte ich mich an die Schwärmereien  einiger Bekannter für den Engadiner Sommerlauf. Ich war begeistert und habe inzwischen tausend Gründe, um einem weiteren Prinzip von Marathon4you.de untreu zu werden und von einer Veranstaltung zu berichten, an der wir nicht aktiv teilgenommen haben. Immerhin kenne ich die Strecke aber von meiner Sub-42-Premiere.

Die 25 km lange Strecke des Hauptwettbewerbs führt von Sils nach Samedan. Hä? Nie gehört! So ging es mir. Ziemlich genau in der Mitte dieser Orte liegt  St. Moritz. Auch wenn das nicht meine Preisklasse ist,  der  Nobelort der Superlative war mir  ein Begriff. Man kann sich darauf verlassen: Wo die Super-Reichen dieser Welt Urlaub machen, ist es super schön. Das bestätigen auch Arosa, Davos, Grindelwald,  Gstaad, Interlaken und Zermatt (in alphabetischer Reihenfolge),  allesamt auch Austragungsorte äußerst attraktiver und beliebter Laufveranstaltungen.

Die internationale Laufelite ist regelmäßig in St. Moritz, denn die Höhe von 1800 und kilometerlange Wege ohne nennenswerte Steigungen sind ideal für ein Höhentraining. Irgendwann begegnet einem auf seinem Läufchen um den  St. Moritzsee garantiert eine Gruppe Läuferinnen oder Läufer  in höllischem Tempo. Im Herbst kann man sie dann auf dem Siegerpodest  eines der großen Citymarathons wiedersehen.

St. Moritz ist wesentlich bekannter, als die anderen Orte an der Engadiner Seenplatte,  aber nicht unbedingt schöner.  Sils, Silvaplana, Pontresina, Celerina und Samedan, alles Orte an der Strecke des Engadiner Sommerlauf, liegen mindestens genauso herrlich an  St. Moritzer-, Champfèrer-, Silvaplaner- oder Silsersee und sind ideale (Lauf-)Urlaubsorte.

Bevor ich dazu komme, beschreibe ich kurz die Strecke:

Gestartet wird in Sils, das Ziel ist in Samedan. Shuttlebusse und Gepäcktransport sind organisiert, Parkplätze vorhanden. Wie ein Schloss thront auf einem bewaldeten Berg das 5-Sterne-Hotel mit dem bescheidenen Namen „Waldhaus“  am Eingang zum Fextal. Das Warm-up kommt sehr gelegen, es ist frisch am Morgen.  Nicht vergessen, wir sind auf ungefähr 1800 m Seehöhe.

 

 
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Der Ort ist nicht groß, schnell ist man am Silvaplanasee,  wegen des Malojawindes ein Mekka für Surfer. Gegenüber des Sees liegt der gleichnamige  Ort, auf unserer Seite Surlej mit der Talstation der Corvatschbahn (dazu später mehr). Nach gut 5 km ist man am im 19. Jahrhundert erbauten Schloss Crap da Sass, ein (nicht nur bei mir) beliebtes Fotomotiv.

 

 
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St. Moritz (Bad) begrüßt das Läuferfeld  standesgemäß mit der imposanten Anlage des Kempinski  Hotels (5 Sterne!).  Das mondäne St. Moritz-Dorf liegt am steilen Nordufer des St. Moritzersees. Schnell lässt man die Häuser hinter sich und taucht in eine traumhafte, ursprüngliche Berglandschaft ein. Die Strecke ist flach, allerdings kommen durch einige kurze, manchmal durchaus knackige Anstiege,  insgesamt 200 HM zusammen.  

 

 
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Der malerische Stazer See ist nur ein kleines Gewässer, Richtung Pontresina geht es weiter.  Pontresina ist Zentrum des Nordischen Skisports. Im Ort gibt es viele alte Häuser im typischen Engadiner Stil, mit Erkern, Gittern und Malereien. Sehenswert ist auch die Kirche StaMaria aus dem 12. Jahrhundert.  Und natürlich gibt es viele erstklassige und noble Hotels und Restaurants.

Die Laufrichtung ändert sich, es geht nordwärts nach Celerina. Vom  1500 Einwohner zählenden  Ort sieht man aber mehr oder weniger nur die Kirche San Gian (Sankt Johannes), wieder eines dieser beliebten Fotomotive beim Engadiner Sommerlauf.

 

 
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Nach Samedan ist es nun nicht mehr weit, wo in der Promulins Arena das Ziel ist. „Schade, dass das Vergnügen an Wasserläufen, Seen und Bergen schon vorbei ist“, schrieb Anton Lautner in seinem Laufbericht, den ihr hier einsehen könnt

Beim Engadiner Sommerlauf gibt es keine horrenden Siegprämien und Antrittsgelder sowieso nicht. Aber ein paar hundert Franken reichen einigen  ostafrikanischen Läuferinnen und Läufern, um die Haushaltskasse mit einem flotten Höhentrainingslauf etwas aufzufüllen. Dass sich eine(r) von ihnen verausgabt, glaube ich nicht.

 

 
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Bei den Finisherzahlen liegt man deutlich über 2000. Viel Gedöns macht man darum nicht, schließlich wird der Rekord Jahr für Jahr verbessert. Seltenheitswert in der Laufszene hat die Tatsache, dass beim Muragl-Lauf über 11km mehr als die Hälfte der Finsher Läuferinnen sind. Beim Hauptlauf über 25 km sind es immerhin 36 %.  Auf Frauen ist Verlass, sie wissen, was schön ist.

 

Ergebnisse

Engadiner Sommerlauf (25 km)

Männer

1. Samoei Micah Kiplagat, KEN-Naivasha       1:20.43,7
2. Riungu Eric Muthomi, KEN-Naivasha         1:22.12,4
3. Chege Geoffrey Githuku, KEN-Naivasha      1:23.57,4


Frauen

1. Bekele Tola Helen, ETH/Schweiz                1:33.13,1
2. Rüegger Susanne,  Cham                     1:38.02,4
3. Fischer Sabine, Glarus                    1:38.18,8

 

Muragl-Lauf (11 km)

Männer

1. Kadi Nesero, 1986, ETH            37.30,4  
2. von Wartburg Geronimo, Zuoz               38.00,4
3. Ziganke Jens, D-Tübingen                  38.49,6


Frauen
       
1. Ricard Coline, Zuoz                       47.10,0
2. Gasparin Aita, Pontresina                 49.03,7 (
3. Bissig Nicole, Celerina/Schlarigna        51.22,8

 

 

Ideale Marathon- und Ultratrail-Vorbereitung

 

Die Attraktivität der Veranstaltung und die einmalige landschaftliche Lage sind aber längst  nicht alle Gründe, um den Engadiner Sommerlauf in der Marathon-Terminliste zu führen. Wer einen Marathon oder Ultratrail laufen will, muss sich vorbereiten. Hat man sich einen schnellen Citymarathon vorgenommen, nimmt man die bewährten Trainingspläne und zieht das gnadenlos durch. Je nach Ambitionen kann auch ein Höhentraining dabei sein, muss aber nicht. Bei einem Bergmarathon oder beim Trailrunning, vor allem im Hochgebirge, kommen da aber entscheidende Faktoren dazu.

Auf Höhen zwischen 2000 und 3000 m zu laufen, ist etwas ganz anderes als durch’s Bankenviertel in Frankfurt zu düsen. Empfehlenswert ist, Puls und Ausdauer in solchen Höhen einmal zu testen, und zwar bevor man sich für einen Wettkampf entscheidet.  Das kann man in unseren Breiten aber nicht vor der Haustür, dazu muss man in die Berge.

 

 
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Spätestens jetzt kommt wieder die Engadiner Seenplatte ins Gespräch. Ich war schon an vielen Plätzen in den Alpen. Aber nirgendwo habe ich auf 1800 m Höhe, und das sollten es schon sein, so ideale Laufbedingungen gefunden, wie hier. Man kann sich nicht nur kilometerweit auf nahezu ebenen Wegen bei verschiedenen Tempi austesten. Man kann z. B. auch mit der Corvatsch-Bahn fahren und auf 3303 m Höhe in der Sonne liegen, oder an der  Mittelstation aussteigen und in einer guten halben Stunde auf die nur  40 m  höher gelegene und bis auf das letzte Stück fast ebenem Weg erreichbaren Fuorcla Surlej (2755m) laufen.  Wer noch Luft hat, dem raubt der Blick auf Piz Bernina (4049 m), Piz Roseg (3937 m) und unzählige andere Berg- und Eisriesen den Atem.  Auch hier begegnet man den ganzen Tag über Läuferinnen und Läufer beim Training.

Nicht vergessen, auch das Gehen und Laufen mit Stöcken, die einem im Gebirge unschätzbare Dienste erweisen, muss geübt werden. Ebenso das Tragen des Rucksacks und stabiler Trailschuhe. Also wenn schon, dann bitte mit voller Ausrüstung auf die Teststrecken.

Übrigens, 13 Bergbahnen und diverse öffentliche Verkehrsmittel in der Region sind kostenlos, wenn man in bestimmten Hotels (z. B. Sporthotel Pontresina) für mind. 2 Nächte gebucht hat. Auf dieses Angebot sollte man unbedingt achten.

 

 
Frühstück auf der Languard Alp
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Zum Sporthotel Pontresina gehört auch die Alp Languard (2330 m), zu der man von der Bergstation Muottas Muragl (die erste Bahn fährt um 7.45 Uhr) auf dem Panoramaweg (der Weg trägt den Namen nicht ohne Grund) in etwa einer Stunde laufen kann. Dort wird einem dann das im Hotel bestellte Frühstück serviert. Von dort lohnt sich ein kleiner Rundweg zum Paradies, einer kleinen Berghütte etwas oberhalb mit fantastischem Blick u. a. auf Bernina und Palü.  Danach hat man die Qual der Wahl: Entweder mit der Seilbahn zurück nach Pontresina, oder zu Fuß

Man kann aber auch umgekehrt von der Languard Alp zur Bergstation Muottas Muragl laufen und sich dort im Restaurant des Romantik Hotels auf 2454 m Höhe mit Blick auf St. Moritz und die Seen ein sterneverdächtiges Gourmet-Menü gönnen. Bitte Kreditkarte einstecken.

 

 
Blick von Furtschellas auf Sils und den Silser See
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Ein absoluter Leckerbissen im doppelten Sinn ist ein Ausflug (mit der Bahn oder zu Fuß) von Sils auf Furtschellas. Kleine Erinnerung: Dort wird der Engadiner Sommerlauf gestartet. Von der Bergstation gibt es einen Rundweg zu nicht weniger als 6 Bergseen. Als gemütlicher Wanderer braucht man für die Strecke mit ca. 350 m Höhenunterschied 2,5 Stunden. Zurück an der Bergstation sollte man dann unbedingt ein „Plättli“ mit Bündner Fleisch-, Wurst- und Käsespezialitäten bestellen.

Auch das soll nicht unerwähnt bleiben: Mir sind unterwegs mehr Murmeltiere begegnet als Menschen. Massentourismus findet anderwo statt - in der Schweiz nicht.

Natürlich gibt es 100 weitere Möglichkeiten, sich als Bergläufer oder Trailrunner zu testen, zu trainieren oder einfach nur Spaß zu haben. So schön und lohnend der Engadiner Sommerlauf auch ist, wer das Wochenende um ein paar Tage verlängert, wird in vielfacher Hinsicht überaus reich belohnt.

 

Informationen: Engadiner Sommerlauf
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