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Laufberichte

Hitzeschlacht im Engadin

04.07.15

Ganz im Osten der Schweiz liegt das Engadin, das zum Kanton Graubünden gehört. Zu den bekanntesten Ferienorten dieser Region zählt das mondäne St. Moritz auf 1822 m ü.M.. Die Passstraße zum Bernina-Pass geht an Pontresina, einem weiteren attraktiven Ferienort vorbei. Und genau hier wollte ich am vergangenen Wochenende beim ersten Engadin Ultraks teilnehmen, der mir in 46 Kilometern und 3019 m Höhendifferenz die Bergwelt um Pontresina und St. Moritz zeigen würde.

Neben der „Grand“-Strecke gab es noch zwei weitere Strecken im Angebot, für jeden Geschmack die richtige Streckenlänge. Bei der „Media“-Strecke ging es über 30 Kilometer und 1719 m Höhenunterschied durch das Rosegtal auf den Fuorcla Surlej in Richtung St. Moritz Bad und wieder zurück nach Pontresina. Die kürzeste Strecke bei dieser Veranstaltung war „Pitschen“, die mit 16 Kilometern und 1300 Höhenmeter ebenfalls sehr anspruchsvoll war.  Die Grand-Strecke setzte sich aus den beiden kürzeren Strecken zusammen, wobei zuerst die große Schleife über den Fuorcla Surlej und danach die 16 Kilometer über Alp Languard und der Segantinihütte gelaufen wurde. Start und Ziel aller drei Strecken war vor dem Kongresszentrum von Pontresina.

Bereits um 7 Uhr morgens öffnete die Startnummernausgabe, so konnte ich meine Startnummer auch am Morgen abholen und hatte noch genug Zeit, meine Gepäcktasche für nach dem Trail zu deponieren. Die Startaufstellung erfolgte recht zögerlich kurz nach 8 Uhr und um 8.15 Uhr ging es dann für die Grand- und Media-Runde auf die Reise. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen liefen wir über die Hauptstraße von Pontresina (1805 m ü.M.) in Richtung Val Roseg. Auf den ersten 7 Kilometern konnte ich mich auf leicht ansteigenden schmalen Waldwegen warmlaufen. Noch lag das mit Arven und Lärchen bewaldete Rosegtal im Schatten der Berge, aber nur bis zum Talende (VP 1/ 7,7 km/2000 m). Hier gab es keinen Schatten mehr und ich spürte die Kraft der Sommersonne auf meinem Körper.

 
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Schon lange hatte ich nicht mehr so geschwitzt, die Sonne hatte bereits die Luft stark erwärmt und so wurde der schon sehr steile Aufstieg auf den Fuorcla Surlej eine enorm schweißtreibende Angelegenheit. Ich musste langsamer gehen als geplant. Aber die grandiose Aussicht auf den Roseg- und den Sella-Gletscher am Talende entlohnte für die morgendliche Anstrengung. Der Übergang am Fuorcla Surlej war auf meiner Strecke der höchste Punkt mit 2755 m ü.M. Der Aufstieg war endlos, in nur 6 Kilometern musste ich mehr als 750 Höhenmeter auf einem felsigen Trail hinaufklettern.  Dahinter verlor ich gleich  wieder etwa 100 Höhenmeter hinunter, um dann hinüber zur Mittelstation der Corvatsch-Gondel Murtel (VP 2/13,9 km/2687 m) zu queren.

 
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Auf steilen Wiesenpfaden verließ ich die Skihänge am Corvatsch in Richtung St. Moritz. Schon bald konnte ich die Aussicht auf die Hochebene um Silvaplana und St. Moritz und die gleichnamigen Seen genießen. Auch wenn der Trail am Anfang für mich noch gut zu laufen war, folgte nun ein Abschnitt über einen Steinhang mit teils großem Blockwerk. Gleich nahm ich etwas Tempo heraus, um mich nicht zu verletzten. Kurz vor dem Lej dals Chöds (Hahnensee, 2153 m) erreichte ich wieder einen bewaldeten Abschnitt, um die weiteren 400 Höhenmeter hinunter zu laufen. Am Waldrand von St. Moritz Bad war dann nach 21,7 Kilometern die dritte VP (1776 m) aufgebaut.

 
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In etwa 8 Kilometern würde ich wieder Pontresina erreichen, doch nicht ohne erneut einen Anstieg über Muottas de Schlarigna (2215 m) auf mich zu nehmen. Glücklicherweise lag der Trail größtenteils im Schatten der Bäume, trotzdem war die schwüle Hitze auch hier deutlich zu spüren. Auch waren die Wege teilweise steinig und von großen Wurzeln durchzogen, so dass ich konzentriert laufen musste, um unverletzt durchzukommen. Etwa 1 Kilometer vor Pontresina verließ ich den Wald auf einem Wirtschaftsweg und musste in der prallen Sonne in mein Zwischenziel laufen. Für die Media-Strecke war hier schon der Zieleinlauf aufgebaut und die Grand-Trailläufer konnten sich an der Durchgangsverpflegung für die letzten 16 Kilometer stärken. Aber wollte ich wirklich weiter, in dieser Hitze und mit der gleißenden Sonne? Nun ja, ich hatte es mir ja vorgenommen und da wollte ich es auch durchziehen!

 
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Nach gut 5 Minuten machte ich mich wieder auf den Weg. Anfangs hatte ich etwas Mühe, in Schwung zu kommen, denn die Wege  auf der Hausbergseite von Pontresina waren auch nicht gerade einfacher als in Richtung St. Moritz. Leider gab es hier nur im unteren Abschnitt eine paar schattenspendenden Bäumen. Bis zur Alp Languard (VP 5/35,4 km/2326 m) musste ich noch einmal auf über 2400 m ü.M. hinaufsteigen, bevor ich dann zur Alp hinunter laufen konnte. Immer wieder konnte ich tief unten im Tal Pontresina sehen, ein gigantischer Weitblick ins Val Roseg und auf die Gletscher am Diavolezza gehörte von hier oben auch dazu. Einfach nur wunderschön!

 
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Urplötzlich zog ein Gewitter auf, über uns hing eine große schwarze Wolke, ein kurzer kalter Regen folgte und dann waren auch schon wieder die Sonne und die Schwüle zurück. Bei km 37 begann dann der steile Aufstieg zur Segantini-Hütte (VP 6/km 40,1/2731 m) durch lawinenverbautes Gelände. Kurz vor der Hütte zogen erneut dunkle Wolken auf und brachten Regen und auffrischenden Wind. Auch wenn man an der Hütte bei der VP hätte rasten können, hatte ich keine Lust lange hier oben zu verweilen. Der Wind kühlte meinen aufgeheizten und verschwitzten Körper sofort aus. Die Zeit reicht gerade für einen kurzen Rundumblick und dann lief ich weiter meinem heutigen Ziel in Pontresina entgegen.

Noch 6 Kilometer auf schmalen, teils sehr steilen Trails ging es hinunter nach Pontresina, das immerhin 900 Höhenmeter tiefer lag als die Segantini-Hütte. Hier begleitete ich einen Trailer, der heute seinen zweiten Trail über die Ultradistanz versuchte. Wir motivierten uns gegenseitig bis ins Ziel, teils in schnellerem Tempo, teils um wandernd um Kräfte zu sparen. Auf dem letzten Kilometer erreichten wir die ersten Häuser von Pontresina. Nun konnte es nicht mehr weit bis ins Ziel sein. Und so war es auch! Glücklich und zufrieden über das anstrengende Abenteuer in der einzigartigen Bergwelt des Engadins beendete ich das Rennen.

Auf allen drei Strecken waren etwa 300 Teilnehmer unterwegs. Nur 74 Läufer und Läuferinnen bestritten die 46 Kilometer, ein recht kleines Teilnehmerfeld. Auf den ersten 30 Kilometern waren ja dann auch noch die 30 Kilometer-Läufer unterwegs, die auf den letzten 16 Kilometern fehlten. Hier wurde es dann deutlich einsamer auf den langen An- und Abstiegen.

Für die Grand-Trail benötigte ich 8 Stunden und 55 Minuten und wurde in meiner Alterklasse 2. Frau. Im Vergleich dazu: Die schnellste Frau (Laura Besseghini) war bereits nach 6 Stunden 26 Minuten im Ziel. Und der Gesamtsieger (Andrea Nievergelt) brauchte nur 5 Stunden 29 Minuten für die 46 Kilometer-Runde.

Insgesamt hat mir die Veranstaltung super gut gefallen. Die Gegend um Pontresina ist auch wirklich einzigartig. Allerdings ist man gleich auf über 2000 m Höhe, wenn man ein wenig die Berge hinaufgeht. Die Strecke selbst war sehr anspruchsvoll, es gab aber auch immer wieder gut zu laufende Abschnitte. Die VPs waren recht gleichmäßig verteilt, so dass es kein Problem war, ausreichend Wasser mit Wasser versorgt zu sein. Jede zweite VP war auch mit Essen ausgestattet, allerdings nicht gerade üppig. Da wird künftig sicher nachgebessert.  

Auch wenn das Startgeld teuer ist, lohnt sich die weite Reise ins Engadin zum Traillaufen. Ich kann nur jedem empfehlen, im nächsten Jahr sich dieses Wochenende Anfang Juli vorzumerken.

 

Informationen: Engadin Ultraks St. Moritz
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