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Laufberichte

„Ahlan Wa Sahlan“

03.12.08

„Ahlan Wa Sahlan“ – Willkommen zum 1. Int. Marathon von El Gouna – Welcome in El Gouna, Red Sea, Egypt

Gleich mehrere Premieren darf ich feiern: Noch nie bin ich geflogen und noch nie war ich außerhalb von Europa. Aber Marathon-Premieren habe ich schon erlebt und der Lauf in El Gouna gehört in diese Kategorie. Meine Erlebnisse, Informationen über Land und Leute, die vier Gegner der Läufer und viele andere, interessante Sachen, das erfahrt Ihr in meinen Bericht.

„Ägypten ist jetzt um diese Jahreszeit für Europäer angenehm warm und Du kannst einfach nebenbei den Premierenmarathon in El Gouna laufen“ denke ich mir und überlege nicht lange, denn mein Urlaubskonto ist noch nicht überzogen.

So geht es drei Tage vor dem Lauf über Nürnberg mit einem Direktflug nach Hurghada Airport. Dort wartet schon ein Fahrer, den OK-Präsident Dr. Ahmed El Ashker organisiert hat.

Ägypten: Historische Kulturschätze, malerische Strände und grenzenlose Abwechslung, das wartet in dem eine Million Quadratkilometer großen Land auf die 11 Millionen Touristen pro Jahr. Tauchen im Roten Meer, Schifffahrten auf dem Nil, das Tal der Könige, Port Ghalib, die Pyramiden von Gizeh, die Sahara erleben, Architektur und Literatur in Alexandria, Oasen-Hopping, Kairo – das alles können die Urlauber erleben und die Liste ließe sich noch unendlich fortsetzen.

Daten zur Geographie gewünscht? Das Land der 72 Million Einwohner lässt sich in vier Regionen aufteilen: Das Niltal, die libysche Wüste (westlich des Nils), die arabische Wüste (östlich des Nils) sowie die Halbinsel Sinai mit der höchsten Erhebung (Katharinenberg, 2637 Meter über NN).

Informationen: El Gouna Marathon
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Das Klima ist trocken, außer an der Mittelmeerküste. Es regnet nur selten. In El Gouna, knapp 500 Kilometer südlich von Kairo am Roten Meer gelegen, hat es letztmals vor zwölf Jahren geregnet. Damals allerdings so viel, dass die Wüste ergrünte.

Die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet in der Landwirtschaft. Allerdings sind nur vier Prozent der Gesamtfläche des Landes nutzbar. Textil- und Nahrungsmittelproduktion ist das zweite Standbein der Wirtschaft. Der Tourismus folgt an dritter Stelle.

Ägypten hat eine über 5000 Jahre alte Geschichte: 3000 v. Chr. vereinigen sich die vordynastischen Pharaonen von Abydos Ober- und Unterägypten. In der Zeit des Alten, Mittleren und Neuen Reiches (2700 v. Chr. bis 945 v. Chr.) wurden die Pyramiden geschaffen sowie die großen Tempel gebaut. Die Pharaonen Echnaton und Tutanchamon lebten in dieser Zeit.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Eroberung durch Alexander des Grossen, der Alexandria gründete, die Stadt der Gelehrten. Die Bibliotheca Alexandrina (Neugründung 2002) soll wie ihre antike Vorgängerin ein Hafen für Gelehrte aus der ganzen Welt werden.

1882 besetzten die Engländer das Territorium. Das Land wurde schließlich 1922 in die Unabhängigkeit entlassen. 1952/53 wurde die Republik gegründet.

Nun zum Lauf selbst: Er findet nicht am Wochenende, sondern am Dienstag (5/10 Kilometer) und Mittwoch (Halb-/Marathon) statt. Die Rennen beginnen um 08.00 Uhr bzw. 07.00 Uhr. Das erscheint zwar etwas früh, aber dadurch entgeht man zumindest teilweise der Wärme des Tages und kann dem Verkehr ein wenig aus dem Weg gehen. Es erwartet die Teilnehmer eine attraktive und interessante, aber auch anspruchsvolle Strecke, die einerseits durch Gartenanlagen mit Lagunen, Grünflächen mit einer vielfältigen Fauna und andererseits durch die rauhe Wüstenlandschaft führt. Eine Runde beträgt 10,5 Kilometer und muss daher bis zu vier Mal durchlaufen werden.

 
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Die Anmeldegebühr erscheint mit 120 bis 150 CHF etwas zu hoch auf den ersten Blick, aber dafür erhält man Medaille, Shirt, Urkunde sowie die ganze Marathoninfrastruktur. Inkludiert ist auch das Abschlussfest mit der Siegerehrung. Ein großes Büfett mit feinen orientalischen Spezialitäten und folkloristische Darbietungen warten auf die Teilnehmer. Ein Hauch von „Tausend und einer Nacht.“

Weitere Informationen hält die Website (www.elgouna-marathon.com) bereit. Für Buchungen (es gibt auch Angebote für Pauschalreisen) hilft das OK gerne.

El Gouna liegt rund 25 Kilometer nördlich von Hurghada. Der Ort wurde nach den Plänen von Samih Sawiris erbaut. Das „Venedig Ägyptens“ ist durchzogen von unzähligen Lagunen, bietet zehn Kilometer Sandstrand, Yachthafen, Golfplatz und Privatflughafen. Zahlreiche Restaurants und Unterkünfte, von der einfachen Pension bis zum luxuriösen 5-Sterne-Hotel, laden ein in ein märchenhaftes nubisches Dorf.

 
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Der Ort wurde für seine Bemühungen im Umweltschutz mehrmals ausgezeichnet. Mir fällt sofort auf, dass der Ort sauberer ist als viele in Mitteleuropa. Eine internationale 12klassige Schule sowie die neue El Gouna Library mit dem Culturama beschließen mein positives Bild.

Interessant ist für mich das Athletenmeeting. Einige Keniaten werden bei den Rennen die hohen Siegprämien (bis 6000 US-Dollar) herauslaufen. 2:10 Stunden vernehme ich von einem als Plan.

Am nächsten Tag starten die kurzen Läufe. Für mich gleich eine gute Gelegenheit, Bilder zu schießen und die Strecke kennenzulernen.

Sehr viele Läuferinnen und Läufer haben sich eingefunden. Beliebtes Motiv sind die Frauen in engen, sportlichen Hosen, teilweise sogar in kurz. Aber mit Kopftuch, das muss sein.

08.00 Uhr, eigentlicher Startzeitpunkt. Aber wir sind in Ägypten, es wird später. Die Meute steht noch minutenlang auf der Zeitmessmatte und lässt sich auch nicht mit lautstarken Aufforderungen zurück drängen, sondern erst mit körperlicher Gewalt. Dann gibt es erst einmal einem klassischen Fehlstart. Schließlich jagt die Meute auf und davon. Einige Ungeübte müssen allerdings nach 100 Meter schon Gehpausen machen.

 
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Am ersten Kreisverkehr sehe ich ein Tohuwabohu. Zwar ist die Strecke ausgeschildert (5 Kilometer nach links, die Zehner nach rechts), aber der Herdentrieb lässt jetzt die meisten auf die lange Strecke laufen. Einige merken ihren Lapsus und hetzen zurück.

Nach einer knappen Stunde bin ich dann wieder an der Marina und lerne jetzt viele Ägypter kennen. Unter anderen Ahmed Elmaghraby, Gewinner des Hurghada und des Luxormarathons.

Am Nachmittag startet dann eine Lagunenfahrt sowie die Besichtigung der Bibliothek und des Culturamas.

Wettkampftag, Marathon, 05.30 Uhr, Aufstehen. Draußen ist fast noch Nacht, Morgendämmerung. Ich spute mich, um bereits um 06.00 Uhr beim Frühstück zu sein. Die ägyptische Verspätung habe ich bereits verinnerlicht. Zehn Minuten „Over Time“. Zwei Semmeln, Käse und Marmelade reichen. Eigentlich müsste der Abstand der letzten Mahlzeit zum Lauf hin ein Vielfaches größer sein, egal.

In 20 Minuten jogge ich zum Start an der Abu Tig Marina. Das dort ausgeschilderte WC der Männer ist „Out Of Order“. Shit. Dann geh ich halt nebenan in das der Frauen. Ein Einheimischer bringt mich auf diesen Gedanken.

Am Start treffe ich noch einen Landsmann, Jan Schneider aus Oberstdorf. Er ist im Urlaub, hat nebenbei davon erfahren und dann beschlossen, nach dem gestrigen Kitesurfen teilzunehmen. Für ihn zählt heute der Erlebnisgedanke.

Während ich so das Geschehen beobachte, ist eine deutliche Verbesserung der Startdisziplin festzustellen. Es wird nicht mehr auf den Zeitmessmatten gestanden. Die Teilnehmer gehen auf Aufforderung geduldig zurück.

 
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Dann wird arabisch zurückgezählt, bei „ZERO“ von Ahmed legt die Spitze bereits einen Schnellstart hin. Ich bleibe nach 50 Metern stehen und muss dann noch dem obligatorischen Startbild feststellen, heute wird sich nach hinter orientiert. Ein Vereinskollege hat mir attestiert: „Stell Dich mal darauf ein, Letzter zu werden. Und dafür brauchst Du Dich nicht einmal anstrengen.“

An der ersten Kreuzung führt der Weg nach rechts. Wir sehen Villen im nubischen Baustil sowie den Yalla Horsestables. Da sind jetzt keine Pferde untergebracht, sondern Kamele. Das sind ja arabische Pferde.

Wir bleiben auf der Hauptstraße. Rechts sind die Moschee zu sehen und danach das Hospital, über dessen Ausstattung Rennarzt Dr. Mathias Keller (Schweiz) nur lobende Worte übrig hat. Er garantiert, im medizinischen Notfall seine Helfer innerhalb Minuten am Einsatzort zu sein - ein notwendiger Transport ins Krankenhaus sei in zehn Minuten zu bewerkstelligen. Mitteleuropäischer Standard!

Weiter auf der Hauptstraße. Links die North Golf Villas. Ja, da ist der Golfplatz, eine Erholungsmöglichkeit der betuchten Zeitgenossen. Wir müssen manchmal etwas aufpassen, denn die Straße ist nicht ganz gesperrt. Ein Bus überholt das Läuferfeld und lässt nicht nur mich im Dieselabgas stehen.

Dann geht es nach rechts hinaus in die Wüste. Es wurde an dieser Stelle ein Wendepunkt eingebaut, um auf die exakte Streckenlänge zu kommen. Rechts sehen wir noch eine kleine Gärtnerei, wo ein Kaktus blüht. Dann dahinter, so vermute ich, eine Kläranlage, entsprechend „duftet“ es da. Ich sehe schon die Spitze entgegendonnern, die sind noch kompakt zusammen.

 
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Dann wird es links und rechts der Strecke sandig, sehr sandig. Weiter hinaus auf der „Service Road“ erreiche ich kurz nach Kilometer 3 den Wendepunkt. Abkürzen unmöglich, da hier ein Control Point angebracht ist. Ein Helfer der El Gouna Security bedeutet mir, einen obligatorischen Halbkreis zu laufen. Dafür ist der Zeitnehmer bekannt. Ich habe ihn bei der Tour de Tirol gesehen. Zurück.

Ich habe am Anfang von den vier unsichtbaren Gegnern der Läufer gesprochen. Nun, Nummer eins ist die Blase. Die tritt gerne auf bei neuen, nicht eingelaufenen Schuhen oder bei neuen und frisch gewaschenen Socken. Manchmal verzeiht sie entsprechende Fehler. Wir kennen zwei Gattungen. Die leichtere Form ist die Wasserblase, die üblere die Blutblase. Manchmal sind sie auch noch „belüftet“. Wenn die Blase aufgeht, kann kannst Du Dir die Lauferei für die nächsten zwei Wochen abschminken.

Am Beginn der Wendepunktstrecke ist eine Verpflegungsstelle eingerichtet. Die ägyptischen Helfer sind eifrig dabei. Auf Zuruf reichen sie Wasser, Cola, Iso, Riegel und Gel. Auch an Bananen und Äpfel hat man gedacht. Ja, V-Stellen mit „vollem“ Programm und Wasserstellen gibt es genug auf der rund 10,5 Kilometer langen Runde.

Nun führt die Strecke in den Golfplatz. Rechts ist eine Lagune zu sehen, dahinter viele Villen. Kilometer 6 liegt hinter uns. Der Laufuntergrund ist nicht mehr asphaltiert, sondern aus Erdboden, aber trotzdem gut zu belaufen. Wir rennen am Club Med vorbei. Am Golf Club (Kilometer 7) finden wir abermals Getränke.

Weil’s grad passt, Gegner Nummer zwei: Das ist der Durst. Irgendein österreichischer Liedermacher hat gesungen: „Der Durst bringt mich um:“ Ja, und wie ist das heute? Gerade beim Marathon ist es wichtig, zu trinken. Und heute wohl obligatorisch, zumindest für die Nichtafrikaner. Denn wenn einmal das Durstgefühl da ist, dann bringt man es bis zum Schluss nicht mehr weg. Lieber von Anfang an Saufen wie ein Kamel. Damit der Rennarzt arbeitslos bleibt und die Infusionen in der Tasche.

Jetzt führt uns der Kurs etwa für einen Kilometer direkt durch den Golfplatz. Leicht wellig ist momentan der gepflasterte Untergrund. Es geht über eine schmale Holzbrücke, und dann nochmals leicht bergauf, bergab auf eine asphaltierte Zubringerstraße.

Kilometer 8, El Balad, Tamr Henna. Schaut für mich aus wie der Ortskern. Kleine Geschäfte links und rechts, Busstation und InfoCenter. Immer wieder stehen einzelne Ägypter am Rand und grüßen artig zurück, wenn die Hand hebe: „Morning“ und „Gutt“.

Linkskurve. Rechterhand wird ein Zelt aufgestellt. Einzelne Arbeiter klettern auf dem Zeltgerüst ohne eigene Sicherung herum. Unsere Berufsgenossenschaft würde die Arbeiten unverzüglich einstellen. Ich mag da gar nicht mehr hinschauen.

Es geht wieder auf die Hauptstraße. Da kann man auf einem etwa einen Kilometer langen Stück die Gegner beobachten. Die sind jetzt bereits auf der zweiten Runde wie Prisca Kiprono, die dann den Halbmarathon als zweitschnellste Frau beendet.

Es geht wieder in die Marina. Runde eins endet für mich nach rund 50 Minuten für 10,5 Kilometer. Hoffentlich ist das nicht zu schnell. Gegenüber gestern ist es heute nahezu windstill. Beim Start sind es rund 18, 19 Grad - im Laufe des Rennens noch deutlich wärmer werden.

Beim Durchlaufen kündigt mich Race Director Ahmed El Ashker persönlich an. Ich winke zurück, klatsche einige Zuschauer ab und vergesse, die Trinkstelle zu nutzen. Auf in die zweite Runde. Das Feld hat sich nun gehörig auseinandergezogen. Nur wenige Läufer kann ich überholen, so den Marathoni mit der Startnummer 42, Mohamad Soliman, ein Ägypter.

Rechts sehe ich einen Gärtnertrupp. Rund zehn Mann sind beim Einpflanzen einer Palme beschäftigt. Einer schaufelt in der Grube, die restlichen sind Zuseher, Raucher und Anschaffer. Merkwürdig, dass die Blätter zusammengebunden sind. Das soll so sein, damit zuerst die Wurzeln gut nach unten treiben und die Palme dadurch Standfestigkeit bekommt, wird mir erklärt.

Im Bereich des Wendepunktes kommt mir Jan entgegen. Er hat wohl 300 Meter Vorsprung. Wir klatschen ab. Auf dieser Runde fällt mir eine starke Frau auf, Shima Saeid, Jahrgang 1992. Sie wird den „Halben“ in 1.42.19 Stunden beenden. Eine famose Leistung.

Im Ortskern ein Pärchen: Mahomd Gabalah und Khalil Rehab, es könnten auch Geschwister sein. Ja, ägyptische Frauen als Zuschauer sind kaum zu sehen. Für sie ist der Rückhalt immer die Familie. Arbeiten können sie schon, auch als Pendler. Aber während der Arbeitswochen abends nicht zuhause zu sein, das ist für die ägyptische Gesellschaft nicht vorstellbar.

Runde zwei endet wieder nach weiteren 50 Minuten. Ich merke langsam, wie die Temperatur steigt und die Sonne sich auf der Haut bemerkbar macht.

Der Läufergegner Nummer 3: Der Sonnenbrand. Der schleicht sich meist unbemerkt heran. Wenn Kollegen fragen: „Hat dich die Sonne erwischt“ oder wenn beim Duschen die verbrannte Haut prickelt, dann ist es soweit. Eine große Chance hat er, wenn’s an der Kopfbedeckung mangelt oder wenn der Haarwuchs nicht mehr funktioniert. Dann kann der gelbe Planet sprichwörtlich Birn’ und Hirn verbruzzeln.

Runde 3: Jetzt wird’s einsam. Genau diese Aussage wirft mir Jan auf dem Pendelstück zu. Nach dem Wendepunkt holt mich die Spitze ein. Überrundungen folgen. Rechts sitzen drei Bauarbeiter im Schatten eines Busches. Die haben so etwas bestimmt noch nie gesehen und denken wohl: „Die sind verrückt, bei der Hitze in der Sonne zu laufen.“

Dann an der V-Stelle im Golfplatz: Abada El Saeid und Mahmoud Dehis wollen ein Bild von der österreichischen Helferin der Zeitnahme. In Folge komme ich mit Mahmoud ins Reden. Der 6fache Gewinner des Pharaonic Race hat auch eine Kamera dabei. Und sogar eine Visitenkarte! Just For Fun, das gilt auch für ihn.

Es geht wieder in den Zielbereich. Ich höre über Lautsprecher: „Don’t Forget To Drink, Because It’s Very Dry!“ Das beherzige ich und schütte mit Wasser auf den Kopf. Auf in die letzte Runde.

Ich lasse nun meine Kamera in der Tasche und bin beschäftigt, die Wärme vom Körper wegzubringen. Es wird wohl 25 Grad haben. Ich überhole einen Ägypter in roter Bekleidung. Und bin erstaunt, dass er nach dem Wendepunkt wieder vor mir ist. Aha, der hat abgekürzt. Na, dann muss er halt mit einer Disqualifikation rechnen.

Nun zähle ich die letzten Kilometer herunter. Gefühlsmäßig werden die immer länger. Schattenpassagen sind nun Mangelware geworden. An jeder V-Stelle schütte ich Wasser über den Kopf. Die letzten Kilometer, eine echte Qual. Das Tempo ist schon langsamer geworden.

Kilometer 41: Ich gehe ein paar Meter, trabe aber wieder an, als ich merke, dass der Kreislauf in den Keller geht. Dann auf der Marina kann ich noch auf die letzten beiden auflaufen. Die beiden Schweden Stig Söderström und Bengt Görannson dürfen noch eine Runde drehen. Letzterer ist wohl ein Marathon-Urgestein. So rund 650 Marathons hat er im Sack. Und allein in diesem Jahr hat er rund 40 gefinisht.

 
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Die letzten Meter reiße ich mich am Riemen und laufe nach 3.26.18 Stunden als 15. ins Ziel. Die Medaille wird überreicht. Die ist richtig groß und schwer. Vom Gewicht her fällt sie schier unter das Waffengesetz. Hoffentlich bringe ich sie durch den Zoll.

Der Rennarzt schaut sich jeden genau an. Ich lenke ab, frage nach eventuellen Einsätzen. Er berichtet von zwei Einweisungen aufgrund von Dehydrationen. Eine Halbmarathonläuferin hat sogar wegen eines hohen religiösen Feiertages gefastet und somit keine Flüssigkeit zu sich genommen. Sie ist erst nach Intervention eines einheimischen Arztes bereit, sich entsprechend behandeln zu lassen.

Osama Ahmed, ein Ägypter, läuft mit Fahne ein. Rechts stehen zwei Uniformierte. Ich sehe, dass beide der Fire Brigade von El Gouna angehören. Ich gebe mich als Angehöriger einer Feuerwehr zu erkennen. Die beiden wollen mich auf ihre Schultern hochheben.

Der Schweizer Masseur mit seinen Helferinnen hat gut zu tun. Im Zielbereich herrscht eine gute Stimmung. So werden viele Fotos geschossen und viele Freundschaften entstehen. Time To Make Friends.

Fehlt noch der Läufergegner Nummer 4: Der Muskelkrampf. Der ist gerne hinterhältig und befällt Dich ahnungslos. Ursache kann ein Mineralienmangel sein oder wenn man zu wenig getrunken hat. Dehnen des betreffenden Muskels hilft manchmal. Mich erwischt er sprichwörtlich auf dem linken Fuß. Just als ich in ein TokTok einsteige, verbeißt er sich in der linken Wade, der Hund.

Trotz des Marathons verbleibt mir auch ein wenig Zeit für touristische Aktivitäten, was die zahlreichen Bilder belegen.

Fazit: Ein schlüssiges Urlaubskonzept hat das OK zusammengestellt. Da der Termin für 2009 (Anfang Dezember) bereits steht, dürfte ein gesteigertes Interesse leicht zu erreichen sein. Für mich war das nicht der letzte Aufenthalt in Ägypten - ich komme wieder, inschallah.

Lagunenfahrt

 
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Wüstenfahrt und Beduinendorf

 
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Informationen: El Gouna Marathon
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