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Laufberichte

500km nach Paris oder: Wie ich mich selbst besiegte

16.03.13

Nein, die Entfernung von Buttenheim nach Paris ist nicht gemeint – die beträgt fast 800km! Aber ich habe als Vorbereitung für den ecoTrail von Anfang Januar bis Mitte März über 500km an Trainingskilometern abgespult.

Und das hätte ich nie gemacht, wenn nicht eine Verpflichtung dahinter gestanden wäre. Das war auch mein Ziel, als ich im mich am 02.01.2013 angemeldet hatte. Einen anspruchsvollen Lauf als Start für 2013 zu wählen, der alleine durch seine Daten zum Training zwingt (motiviert!). Jetzt, nach dem Lauf, kann ich sagen: mission accomplished – es hat geklappt! Aber vom Beginn der Reise bis zum Ende war so einiges Spannendes drin, was ich versuchen will, einigermaßen chronologisch abzuarbeiten:

 

Der Start am Freitag

 

Frohgemut und erwartungsvoll mache ich schon um 11.00 Arbeitsschluss und fahre zum Flughafen, Start soll um 13.10 sein und Landung Paris 14.40. Viel Zeit habe ich in Paris ja nicht, aber wenigstens Sacre-Coeur will ich mir heute anschauen (denn das hat beim letzten Besuch - Paris-Marathon 2008 - nicht geklappt), bevor ich mir bis 22.00 meine Startunterlagen am Fuße des Eiffelturms abhole.

Auto abstellen, Bus zum Flughafen, alles paletti und dann trifft mich die Keule beim Blick auf das Infoboard: Mein Flug ist gestrichen!!! Und zwar ohne Vorwarnung! Also zum Schalter der AirFrance – que faire maintenant? Die Dame weiß zwar auch nicht genau, warum der Flug ausfällt, aber sie ist sehr hilfsbereit. Als ich ihr klarmache, was meine Mission in Paris ist, lässt sie ihre Standardlösung (Flug von Nürnberg nach München und dann weiter nach Paris mit Ankunft Charles-de-Gaulle um 22.50) stecken und durchforstet das System.
Wir bekommen eine Lösung hin, die den Schaden insoweit begrenzt, dass ich vermutlich meine Startunterlagen heute noch abholen kann. Immerhin lässt sich die AirFrance nicht lumpen und spendiert mir auch noch einen Verzehrbon für den Flughafen Nürnberg in Höhe von 12,-€! Naja, pünktlich in Paris wäre mir lieber, aber so trinke ich meinen Cappuccino eben noch in Nürnberg!

Ich fliege also von Nürnberg um 14.40 nach Frankfurt, von Frankfurt nach Zürich und dann von Zürich nach Paris mit Ankunft 19.35 – Adieu Sacre-Coeur. 3 x Start/Landung in 5 Stunden hatte ich auch noch nicht. Und wehe, es passiert was mit dem Gepäck oder ich bekomme irgendwo unterwegs einen Flieger nicht! Aber diesmal habe ich Glück und alles läuft wie am Schnürchen!

Ich stehe tatsächlich um 19.40 mit beiden Beinen in Paris, mein Gepäck ist da und ich kann mich auf den Weg in die Stadt machen. Ich schaffe es auch noch, um 21.45 meine Unterlagen abzuholen und kann mir so Hektik für den Samstagmorgen ersparen. Nach dem Einchecken im Hotel besorge ich mir ein paar Lebensmittel und beschließe den Abend.

 

Der Lauf

 

Um 7.30 gestartet – leichtes Frühstück mit Croissants und Banane und dann beim Vorbereiten bloß nix vergessen, das wäre heute fatal! Laufen werde ich heute mit normalen Laufschuhen, denn meine Trailschuhe haben beim letzten Lauf über 23km richtig Ärger an den Füßen gemacht und da möchte ich heute nichts riskieren.

Rechtzeitig auf die Piste und um 10.14 in den Zug zum Start. Transport vom Marsfeld zu Füßen des Eiffelturms mit der RER nach St Quentin-en-Yvelines und dann mit bereitgestellten Bussen zum Startgelände Base Régionale de Loisirs perfekt organisiert - um kurz nach 11 Uhr sind wir vor Ort. Der Wind bläst heftig über das Startgelände, alle schauen richtig durchfroren aus und hoffen, dass es möglichst schnell losgeht.

Ziemlich pünktlich um 12.02 wird gestartet und die ersten Passagen im Flachen lassen einen gepflegten Landschaftslauf erwarten, aber das war nur Tarnung. Als es dann nach einigen Kilometern in die Wälder geht,  sieht die Sache ganz anders aus. Der Wechsel zwischen Sumpf und Moorlandschaft war fließend und bei jedem Kilometer wurde der Spaß weniger und der Hals dicker.

Ich habe, glaube ich, noch nie so viele unanständige Wörter während eines Laufes gebraucht – die Bäume entlang der Strecke müssten nach mir statt grün eher rot gewesen sein! Wenn ich schlammtreten oder eine Fangopackung möchte, dann fahre ich in ein Heilbad aber brauche das sicher nicht auf einer Laufstecke! Der Zustand der Strecke hat mich eher an Passagen beim Braveheart-Battle erinnert – auch nicht wirklich an eine Laufveranstaltung!

Was lerne ich daraus:

1. ich laufe diesen Trail nie mehr ohne die dazu gehörigen Trailschuhe
2. ich laufe diesen Trail nie mehr

Nachdem ich das dritte Mal die Schuhe voll mit Wasser hatte und die Schuhe gefühlt zum 20ten Mal im Schlamm festgesaugt waren, während der Fuß schon weiter wollte, habe ich für mich beschlossen, dass ich mir nach 102 Marathons nix mehr beweisen muss und beim ersten Verpflegungspunkt bei 22km aussteige – vielleicht klappt es ja doch noch mit Sacre-Coeur? Die ersten Blasen waren an den Füßen auch schon da und ich tape die Zehen bei km 18 erst einmal neu.

Bei km 22 war ich trotz der schwierigen Bodenverhältnisse eigentlich immer noch ganz gut in der Zeit (Puffer über 20min) und es war kein Bahnhof in Sicht. Mit gut gefülltem Magen sieht die Sache etwas entspannter aus und so beschließe ich, den angebrochenen Nachmittag entgegen meinem Hals weiter mit Laufen zu verbringen und zu testen, wie der nächste Abschnitt bis zur Cut-Off-Zeit bei km 55 (21.00) aussieht.

Das Geläuf wurde tatsächlich etwas besser (d.h. der Schlammanteil nahm etwas ab), aber dafür bekamen wir ab km 43 etwas Regen in unterschiedlicher Intensität dazu – wäre ja auch sonst langweilig und die Ausrüstung sollte ja auch auf Tauglichkeit getestet werden. Bis km 55 waren dann fast schon 1.200 Höhenmeter absolviert und der Zeitpuffer hatte sich auf 35min erweitert. Den Wolkenbruch mit Abkühlung und schräg fallendem Regen hätte es auch nicht unbedingt gebraucht, aber es hat als letzter Durchhaltetest zu diesem Lauf gepasst.

Ab dieser Station konnte ich mich einer Gruppe von 3 Franzosen (ein Mädel, Yolande, und zwei Jungs, Alain und Cyrille) anschließen und das machte die Sache dann etwas einfacher und unterhaltsamer. Irgendwie haben sie eine Menge guter Laune verbreitet und, auch wenn wir uns nicht wirklich verabredet hatten, sind wir mehr oder weniger zusammen gelaufen.

Bei einer der letzten Bergab-Passagen legt es mich zum zweiten Mal richtig „auf die Fresse“, aber auch das überstehe ich unverletzt und nehme es schon fast mit Humor – die obligaten Flüche mal außen vor lassend!

Beim letzten Verpflegungspunkt (km 67) war in der Ferne schon das Ziel (Tour Eiffel) zu sehen. Jetzt ging es einen letzten Abstieg zur Seine hinab und dann auf meist festem Boden immer am Fluss entlang – mal rechts mal links. Bei einer der Brücken bei km 70 waren die Stufen so flach, dass ich beschloss, einen Laufkollegen zu überholen und immer gleich zwei Stufen zu nehmen. Fehler - bescheuert! Schon auf der Mitte der Treppe habe ich die kommenden Krämpfe in beiden Beinen gespürt und oben waren sie dann auch so da, dass mir vor Schmerz erst mal richtig schlecht war.

Aber wie so Vieles heute ging auch das nach einer kurzen Pause mit Dehn- und Streckübungen vorbei und die letzten Kilometer in Paris mit Aussicht auf das Ziel waren entspannt. Mit Yolande und Alain, die ich bei km 72 wieder überholte, haben wir dann vereinbart, gemeinsam ins Ziel zu laufen und das auch getan. Pünktlich um 24.00 gegen Laufende grüßte uns der Eiffelturm mit seiner stündlichen Lightshow und blinkte uns ins Ziel – just for us!

Da heuer leider die Zielankunft im großen Eiffelturm den dortigen Umbauarbeiten zum Opfer fiel, hat uns der Veranstalter einen kleinen Eiffelturm als Zielbogen hingestellt – war eine nette Geste! Letztendlich war ich doch sehr happy, dass ich den Lauf durchgezogen habe!

Jetzt schnell aus der Kälte ins Zelt zum Buffet und Kalorienspeicher wieder auffüllen. War zwar nicht mehr sooo viel da, aber ganz lecker – nur ich konnte in dem Moment gar nicht viel essen. Also bin ich um 0.40 Richtung Hotel gelaufen. Ja – gelaufen! Die 700m waren dann auch schon egal.

 Am Hotel hatte ich dann – durch das Laufen  – wieder Appetit und bin, korrekt und sauber gekleidet wie ich war, ins Mc  50m vor dem Hotel eingefallen. Komisch, dass ich ein paar verwunderte Blicke geerntet habe, aber meinen Royal Bacon und Cheeseburger habe ich trotzdem bekommen. Mit diesem kulinarischen Höhepunkt und einer Flasche Cidre feierte ich dann auf dem Zimmer im „runner’s high“ meinen Lauf.

Geschafft – und mehr will mir am Morgen des Sonntag nicht mehr dazu einfallen!

 

Rolling home

 

Nach einer kurzen Nacht mit einem „Nachhall“ in den Muskeln habe ich früh immer noch dieses Hochgefühl in mir. Ein bisschen Packen und dann noch mit einem frischen Baguette (gar nicht so leicht, das in Paris morgens um kurz nach 8.00 zu bekommen!) durch die Straßen schlendern – einfach nur schön! Im Gegensatz zum Hinflug ist der Rückflug fast schon erschreckend unspektakulär und so lande ich, immer noch im Hochgefühl, um 14.10 pünktlich in Nürnberg.
Schee wars!

Noch ein bisschen Statistik / Fazit:

1.582 Optimisten mittags um 12.00 am Start, 1.346 Glückliche im Ziel – immerhin 85%! Ich war mit einer Laufzeit von 12:10:12 als 1.258 im Ziel – und happy!
Der Lauf ist top organisiert: Verteilung der Startunterlagen, Transport zum Startort, Verpflegung während des Laufs, Ausflaggung der Strecke, total freundliche gutgelaunte Helfer – alles wirklich sehr sehr gut! Soll nach Auskunft meines Laufkollegen Eberhard, der diesen Lauf schon mehrmals absolviert hat, bei „normalem“ Wetter eine Top-Laufveranstaltung sein! Kann ich mir gut vorstellen, aber der März ….!

 

Informationen: Eco-Trail de Paris
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