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Laufberichte

Wie weggeblasen

09.09.12

Wenn es in der Masse der Läuferinnen und Läufer landauf, landab jemanden gibt, der in seinem Alltag mit der Frage konfrontiert wird, welches Lüfterfabrikat er zur Vervollständigung einer technischen Anlage wählen soll, dann kann sich diese Person als Ausnahme bezeichnen. Umso erstaunlicher ist es, dass eine Firma, deren Fabrikate vorwiegend als Teilkomponenten anderer Produkte zum Endverbraucher gelangen, als Sponsor eines Laufanlasses auftritt.

Uns allen und dem Polizeisportverein Künzelsaus soll es recht sein. Seit 1999 engagiert sich der Namensgeber ebm-papst als Sponsor im Kochertal und hilft mit, eine facettenreiche Sportveranstaltung in Hohenlohe am Leben zu erhalten.

Am Samstag beginnt es mit Laufmesse, Nordic Walking über 7km und 12km und Pastaparty mit Livemusik. Am Sonntag stehen nebst Marathon (den man als Duo in der Stückelung 27km und 15km teilen kann) ein Halbmarathon, ein 10km-Lauf, ein Handbike-Marathon, ein Inline-Rennen, ein Mini-Marathon (4,21km) ein Mini-Halbmarathon und ein Bambini-Marathon (420m) auf dem Programm. Wer bei dieser Auswahl nichts für sich findet, der sollte zumindest als Zuschauer das Start-, Ziel- und Festgelände frequentieren.

 
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Dieses ist bei meiner Ankunft am frühen Samstagmorgen noch taunass und erst spärlich besiedelt. In der Sporthalle ist man aber schon hellwach und händigt bereits ab 06.30 Uhr die Startunterlagen aus. Im Nu habe ich die Startnummer, das vom Comic-Zeichner Timo Wuerz gestaltete Funktionsshirt , einen Lageplan und einen Kleiderbeutel mit einem Handtuch und zahlreichen Produktemustern, und kann mich noch auf der Laufmesse umsehen, bevor ich zum Festzelt hinübergehe. Es haben offensichtlich einige vom Angebot Gebrauch gemacht, die Massenunterkunft in einem Schulhaus zu nutzen, und sitzen hier beim Frühstück. Ich schätze es, mir noch einen heißen Kaffee die Kehle hinunterinnen zu lassen.

Eine halbe Stunde vor dem Start wird noch zu einem kurzen Marathon-Gottesdienst geladen. Schon vor drei Jahren habe ich daran teilgenommen und mich anschließend auf die Strecke gemacht mit dem Gedanken, dass jeder Schritt ein Dank sein soll, dass ich überhaupt das Privileg habe, so etwas zu tun. Das ist heute nicht anders. Oder doch?

Nach einem DNF ist der nächste Gang zur Startlinie anders als sonst. Statt Erinnerungen an die Glücksgefühle eines Finishers bleiben ein schaler Nachgeschmack und ein Schatten zurück. Am Tag nach meinem DNF vor drei Wochen habe ich aber eine Mail erhalten, die mich diesen Gefühlen entzogen hat. Die Mitteilung eines Lauffreundes, dass ihn eine ernsthafte Erkrankung kurzfristig aus dem gewohnten Leben gerissen hat. Was ist also schon ein kleiner läuferischer Betriebsunfall gegenüber einer solchen  Zäsur?  Da ist jegliches negative Gefühl wie weggeblasen.

Gepäckaufbewahrung ist bestens organisiert und weder hier noch bei den Toilettenwagen nebenan gibt es längere Wartezeiten. Die Routine der Organisatoren zeigt sich. Sie wissen, was es braucht, damit Marathonläufer sich wohl fühlen und entspannt zum Start kommen.

Entsprechend entspannt ist die Stimmung hinter der Startlinie, da bleibt noch Zeit und Muße für ein Schwätzchen hier und eines dort. Peter, Conny und Jörg, alle schon lange nicht gesehen, obwohl auch sie regelmäßig Läufe sammeln, Olaf, der für einmal nicht in knalligem Orange auf die Strecke geht, sondern mit Achillessehnenbeschwerden und diesbezüglichen Vorbehalten.

 
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Dann geht es auch schon los und an einer bereits beträchtlichen Zuschauerzahl vorbei geht es auf die erste Wende. Bald verlassen wir das noch diffuse Morgenlicht und treten in die Morgensonne mit ihrer auch farblichen Wärme. Drei, vier Kehren im Städtchen, dann sind wir schon auf der anderen Seite des Kochers und haben die Kochertalstraße für uns. Auch alle anderen Distanzen führen in diese Richtung in Fließrichtung des Wassers. Heute sind wir die „Kings of The Road“.

Ich starte in Anbetracht der bevorliegenden Anzahl Kilometer viel zu flott. Aber irgendwann muss ich mal ein paar schnelle Kilometer einwerfen, sonst kommt mir der letzte Rest Spritzigkeit abhanden. So schließe ich zu der Gruppe auf, die sich um Armin, den Zugläufer für 3:30, geschart hat. Obwohl das Marathonfeld nicht riesig ist, sind auch vorne und hinten immer Läufer zu sehen.

Mit der lange Schatten werfenden Sonne im Rücken leuchten die Farben der spätsommerlichen Landschaft mit ihren Weinbergen besonders intensiv. Ein herrlicher Morgen, dem zwar sicher ein heißer Vormittag und Mittag folgen wird. Sorgen mach ich mir wegen den in Aussicht gestellten Mittagstemperaturen nicht. Regelmäßig gibt es Verpflegungsposten mit einer Auswahl an Getränken und entlang der Strecken sind in recht kurzen Abständen Sanis postiert, welche ein wachsames Auge auf uns werfen. In der Nähe der Verpflegungsstellen sind auch Percussion-Gruppen und Cheerleaders, in Ernsbach gar eine Band (bei meinem Durchmarsch leider gerade auf Sendepause), welche zusätzlichen Treibstoff liefern.

Zwischen den Verpflegungsstellen gibt es kaum Anfeuerungsrufe vom Streckenrand. Wenn die Absenz der Anwohner am Streckenrand mit der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst entschuldigt werden kann, habe ich Respekt. Wenn nicht, dann finde ich es schade, dass die Bevölkerung an diesem Anlass nicht mehr Anteil nimmt. Oder haben alle irgendeinen Verwandten, der teilnimmt und den sie ins Zentrum des Geschehens begleiten?

Die Gemeindeverbindungsstraße von Ernsbach nach Sindringen ist Begegnungsstrecke. Aus Erfahrung weiß ich, dass mir hier die Führenden entgegenkommen werden. Wann und wo wird es so weit sein?  Geschätzte dreieinhalb Kilometer Vorsprung hat der Führende des Duo-Marathons; Respekt. Mit meinen Fotostopps lasse ich nun laufend Zeit liegen und habe kurz nach dem Wendepunkt nur noch einen kurzen Vorsprung auf die Gruppe um den Zugläufer. Da bin ich gespannt, wie lange ich noch vor oder bei ihnen, oder mindestens in ihrem Sog bleiben kann.

 
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In Ernsbach hätte ich gerne noch die Cheerleaders fotografiert. Sie werden es mir hoffentlich nachsehen, dass das mit zwei großen Getränkebechern (nicht nur „medium“, mindestens „large“!) in den Händen ein kaum zu bewerkstelligendes Unterfangen ist. Erschwerend kommt dazu, dass ab hier auf die später gestarteten, hier dazustoßenden Halbmarathonis Rücksicht genommen werden muss. Diejenigen, welche zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle unterwegs sind, bekomme ich sonst auf der Strecke nie zu Gesicht, die sind mir zu schnell. Einigen von ihnen sieht man allerdings an, dass sie auch für sich zu schnell sind: kurz vor Halbzeit sehen sie aus, wie ich beim Zieleinlauf eines Marathons lieber nicht aussehen würde. Ziemlich ausgelaugt, gequält und kaputt. Diesen Eindruck haben mir meine Freunde nicht gemacht, welche ich auf der Begegnungsstrecke abgeklatscht habe. Nicht schnell, dafür entspannt und mit Genuss.

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Informationen: ebm-papst Marathon
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