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Laufberichte

Spaß im Woid

 

Vor zwei Jahren hat mich Klaus in Bad Füssing darauf hingewiesen, dass es in Niederbayern neben dem bekannten Thermen-Marathon auch noch einen weiteren, den Dreiburgenland Marathon gibt. Ich hatte noch nie was von ihm gehört, dabei wird die Veranstaltung heuer bereits zum 13. Mal durchgeführt. Nach etwas Recherche war mir damals aber schnell klar, dort im südlichen Bayerischen Wald, in der ursprünglichen Heimat meiner Mutter und Schwiegermutter will ich unbedingt einmal starten. Greppi hat ihn auf seine Agenda 2014 gesetzt und so sind wir heute unterwegs, weit runter in den Südosten von Bayern.

Obwohl unser Ziel eigentlich ziemlich abgelegen ist, können wir unsere Anreise fast komplett auf Autobahnen zurücklegen. Greppi, Jan und ich haben es daher vorgezogen, uns erst am Morgen auf den Weg zu machen. Auf der wie immer nur schwach frequentierten A92 verläuft unsere Route vorbei an Erding.

Am letzten Sonntag fiel hier drei Frauen ein hundeähnliches Tier mit markanten Gesicht und Streifen im Fell auf einem Feldweg auf. Es lief nicht wie ein Hund, sondern trabte wie ein Pferd. Die Handy-Fotos wurden an das Bayerische Landesamt für Umwelt geschickt und als Wolf identifiziert. Vor ein paar Tagen ist seine Existenz im Landkreis Rosenheim entdeckt worden. Dort hatte er eine Hirschkuh gerissen. Für einen Wolf sei die Strecke bis in den Landkreis Erding nicht groß, meinte ein Experte. 70 Kilometer Luftlinie, so etwas läuft ein Wolf ohne Probleme. In der Nacht können die Tiere 50 km zurücklegen. Wohin zieht der Wolf weiter? Eine Prognose über den weiteren Weg des Tieres abzugeben, ist schwierig. Aber es ist denkbar, dass er Richtung Bayerischer Wald zieht, so die Expertenprognose. Ja, da wollen wir auch hin, das erhöht die Spannung für unseren Marathon.

30 km entfernt von Passau liegt Thurmansbang, Start- und Zielort der Veranstaltung. Die wenigsten werden schon mal davon gehört haben. Bekanntere Orte in der Umgebung sind eigentlich Fehlanzeige, aber vielleicht habt ihr schon mal was von der Westernstadt Pullman City gehört, die liegt um die Ecke. Bis zum Grenzübergang Philippsreut nach Tschechien sind es auch nur 45 km.

Ein großes Gebiet entlang der tschechischen Grenze wurde 1970 zum Nationalpark Bayerischer Wald erklärt und entwickelt sich seither zum Urwald. Zusammen mit dem Böhmerwald in Tschechien bildet er die größte zusammenhängende Waldfläche Zentraleuropas. Im Nationalpark konnte sich so eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt erhalten. Darunter befinden sich vom Aussterben bedrohte Arten wie Luchs, Wanderfalke, Wildkatze, Bär oder der Fischotter. Und …Wolf, da wäre unser neu entdecktes Exemplar ja gut aufgehoben und sogar willkommen. Ich kann ja nur hoffen, dass er nicht dasselbe Schicksal erlebt, wie seiner Zeit Bär Bruno.

Die Einheimischen bezeichnen ihren Bayerischen Wald schlicht als „Woid“ und nennen sich selbst „Waidler“. Meine Schwiegermama hat hier ganz in der Nähe ihre Jugend verbracht und mir noch einen Tipp mit auf die Reise gegeben: „Falls du dich verfährst, frag nach „Duameschbeng“, so wird das von den Einheimischen ausgesprochen. Wir sind glücklicherweise mit Navi bestückt, so dass wir nicht in einen Verständigungskonflikt geraten. Ohne unsere Orientierungshilfe hätten wir aber vielleicht schon eine Wegbeschreibung benötigt. Durch eine Straßensperrung wegen Bauarbeiten ist ein kleiner Umweg nötig, ansonsten ist die Anfahrt aber problemlos, und auch nur für die letzten 16 km geht es runter von der Autobahn und durch den Woid, der hier auch noch gar nicht so dicht ist.

Parkplätze finden sich auf einer Wiese direkt am Startplatz, wir sind die ersten Parker und werden sogar persönlich vom Chef der Veranstaltung eingewiesen. Ludwig Schürger ist mit seinem Vital & Wellnesshotel Schürger Organisator und Veranstalter. Praktisch, so kann er Läufern auch preisgünstige Zimmer am Veranstaltungswochenende anbieten. Dusch- und Massagemöglichkeit für unseren Lauf sind ebenfalls im direkt neben dem Startplatz gelegenen Hotel untergebracht. Überhaupt ist der Ludwig Schürger ein ziemlich umtriebiger Geschäftsmann, neben Marathon veranstaltet er u. a. noch Gesundheitswochen, Laufkurse, Ballonfahrten, Rutengeher-Kurse und Schneeschuh-Tage. Wer im Bayerischen Wald ein paar aktive Urlaubstage verbringen will, ist hier also gut untergebracht.

Neben der Marathonstrecke, bei der ein Rundkurs zweimal durchlaufen werden muss, kann man sich noch für Halbmarathon, 12,45 km oder 5 km entscheiden. Außer Marathon können alle Strecken auch im Nordic Walking absolviert werden. 25 € bei Voranmeldung löhnt man für den Marathon, da gibt’s nix zu meckern. In der Startertüte mit einigen Werbegeschenken befindet sich auch ein „Kurzer“ zum Aufwärmen mit Veranstaltungsbranding. Heute haben wir aber wunderbares Laufwetter, ohne sich überhaupt schon bewegt zu haben, kann man es locker im Shirt aushalten. Da benötigen wir keinen Warmmacher.

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Informationen: Dreiburgenland-Marathon
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