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Laufberichte

Klein, aber fein

 

Bereits seit 15 Jahren gibt es ihn nun, den Dreiburgenland Marathon. Und der Veranstalter, Ludwig Schürger, zeigt noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Voller Leidenschaft organisiert er zusammen mit seinen Freunden des LC Dreiburgenland jedes Jahr aufs Neue diesen tollen Landschaftslauf. Im Angebot sind neben dem Marathon, der über zwei Runden führt, natürlich auch ein Halbmarathon, ein 12,5 Kilometerlauf und ein 5 Kilometerlauf. Alle Distanzen können, bis auf den Marathon, auch walkenderweise bewältigt werden. Wie er mir bei meiner Ankunft in Thurmansbang freudig erzählt, kratzt er in diesem Jahr erstmals an der Hundert beim Marathon, was er auch auf die Berichte der M4Y-Reporter in den letzten Jahren zurückführt. Ganz werden die magischen 100 zwar nicht erreicht, trotzdem zählt er so viele Teilnehmer wie schon seit Jahren nicht mehr.

Thurmansbang liegt im südlichen Bayerischen Wald unweit von Passau und Grafenau entfernt im sogenannten Dreiburgenland. Dormannesbanc wurde erstmals 1180 urkundlich erwähnt, als ein gewisser Heinrich de Dormannesbanc beim Kloster Aldersbach als Zeuge erschien. 1252 ging die Vogtei dann an die Wittelsbacher über. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts war von Thurmansbank die Rede, inzwischen verwenden die rund 2400 Bewohner der Gemeinde allerdings die Schreibweise Thurmansbang. 

Im Ortskern findet man das Wellnesshotel Schürger, dessen Besitzer ja auch Veranstalter des Dreiburgenland Marathons ist. Das heißt für uns natürlich kurze Wege. Die Startnummernausgabe findet im Hotel statt, Start und Ziel sind unmittelbar davor auf der Straße. Die Siegerehrung wird später auf dem gegenüberliegenden Parkplatz im Festzelt stattfinden. 

Für mich ist es bereits die dritte Teilnahme in Folge. Ich hatte immer Glück mit dem Wetter, doch schon bei der Anfahrt kommen bei mir für dieses Jahr Zweifel auf. Es regnet und auch diverse Wetterdienste versprechen keine Besserung. Nur Ludwig ist zuversichtlich. Morgen werden wir perfektes Laufwetter haben, verspricht er mir. Na, wenn er sich da mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnst. 

Zusammen mit Sven und Kathrin, die beide ihren ersten Halbmarathon laufen wollen, gehe ich im Hotelpool noch zum Plantschen. Wir drei sind unter uns, bis Ludwig plötzlich unsere Ruhe stört. Nicht nur rumstehen, schwimmt ein paar Bahnen, ein Warm-Up für morgen, auf geht`s, fordert er uns lachend auf. Dem kommen wir natürlich nicht nach und sitzen schon wenig später im Restaurant beim Abendessen. 

 

 
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Nach einer gewohnt unruhigen Nacht werde ich schon frühzeitig wach, ohne dass ich meinen Wecker dafür brauche. Trotz geschlossener Vorhänge ist es in meinem Zimmer taghell. Die Sonne ist aufgegangen und ich staune, als ich die Vorhänge auseinanderschiebe: Ein strahlend blauer Himmel begrüßt mich. Der Ludwig ist schon ein Hund, denke ich mir, wie hat er das nur hinbekommen? 

So verstaue ich nach dem Frühstück meine Regenjacke gleich wieder im Koffer. Die werde ich heute nicht brauchen. Eine halbe Stunde vor dem Start gehe ich schon mal nach unten und schaue nach bekannten Gesichtern. Da sind doch einige zu entdecken und es gibt natürlich viel zu erzählen. Auch Roland Krauss treffe ich. Er dürfte den Teilnehmern des Marathon Supercups ein Begriff sein. Den hat er im vergangenen Jahr gewonnen und steht auch in diesem Jahr schon wieder mit 12 Teilnahmen und 581 km auf Platz 1 der Wertung. Für mich ist es die fünfte Teilnahme in diesem Jahr, ich werde also wieder keine Chance haben.

Nach einer kurzen Einweisung im Startbereich werden die letzten Sekunden heruntergezählt und der Jubiläumslauf geht endlich los. Der 15. Dreiburgenland Marathon ist gestartet.

Ich ordne mich im Feld weit hinten ein, weiß ich doch aus den letzten beiden Jahren, dass hier viele Vereinsläufer am Start sind, die auf gute Platzierungen in den Altersklassenwertungen schielen und dementsprechend engagiert loslaufen. Wir laufen erst mal durch den Ort und ich muss feststellen, dass es einen neuen Friseursalon gibt: Marhaarton heißt der. Unglaublich, Ludwig hat scheinbar sogar seine Friseurin infiziert. 

 

 
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Schon nach ein paar hundert Metern haben wir Thurmansbang hinter uns gelassen und der erste und auch längste Anstieg wartet auf uns. Rund einen Kilometer geht es nach oben und ich freue mich. Nicht unbedingt über den Anstieg, aber auf das was danach kommt. Wir sind in einem großen Waldgebiet, das überwiegend aus Laubbäumen besteht und vor allem um diese Jahreszeit sattgrün leuchtet. Und alles was wir jetzt bergauf laufen, dürfen wir hinterher doppelt so lange bergab laufen. Das macht richtig Spaß und ist für mich der schönste Teil der Strecke. 

Oben angekommen, schaue ich mal kurz nach hinten und sehen, dass ich noch ungefähr zehn Läufer hinter mir habe. Diese werden mich doch nach und nach einholen, da ich gelegentlich einen Fotostopp einlegen werde. Bergab lasse ich es aber so richtig laufen und bremse nur gelegentlich für ein Foto. Nach etwa viereinhalb Kilometern kommt die erste Verpflegungsstation. Cola und Wasser werden angeboten, ich entscheide mich für die braune Brause  und laufe weiter.

Eine kurze Traileinlage führt uns weiter bergab. Hier wird auf einem Hinweisschild angekündigt, dass es sich um die Prager-Schikane handelt. Schon bei den letzten Teilnahmen habe ich mich gefragt, was es damit auf sich hat. Heuer lasse ich mich aufklären: Franz Prager, ein Thurmansbanger, der für die DJK-LG Passau läuft, ist Namensgeber dieser Passage. Bei Franz Prager handelt es sich um den Seniorenweltmeister der Altersklasse 55 im Berglauf und ausgerechnet ihn hat es hier an dieser Stelle mal ordentlich zerlegt. Dies führte natürlich zur allgemeinen Belustigung und seitdem widmet man ihm hier einmal jährlich diese „Gedenktafel“. 

 

 
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Ich tapse auf dem schlammigen Untergrund heute besonders vorsichtig hinab, um es dem Herrn Prager nicht nachzumachen. Schon bald haben wir dieses Waldstück hinter uns gelassen und wir laufen auf Feldwegen zwischen grünen, saftigen Wiesen auf das nächste Waldstück zu. Auch dieser Streckenabschnitt hat ein optisches Highlight. Rechts neben dem Weg stehen ein paar Bäume, die mit ihrer weißen Blütenpracht ein herrliches Bild abgeben. Man hat beinahe den Eindruck, dass man auf einer Allee auf den Wald zuläuft. 

Im Wald wartet der nächste giftige Anstieg auf uns, den ich, wie alle anderen um mich herum, gehend bewältige. Danach werden wir wieder mit einem längeren Bergabstück belohnt und können es mal wieder laufen lassen. Schon wenig später spuckt uns der Wald wieder aus und wir erreichen Altfaltern, eine kleine Ortschaft, die wir durchlaufen. Am Ende wartet ein gigantischer Schrottplatz auf uns. Tausende von Autowracks gammeln hier vor sich hin und warten sehnsüchtig auf die Schrottpresse. Gibt`s eigentlich die Abwrackprämie immer noch? Ich habe keine Ahnung und laufe weiter. 

Nun geht`s nach links weg auf eine Staatsstraße, die uns die nächsten Kilometer begleiten wird. Hier müssen wir am linken Straßenrand laufen, da die Straße für den Autoverkehr nicht gesperrt ist. Wie Ludwig schon vor dem Start erklärte, wurde die Geschwindigkeit in diesem Bereich für heute auf 50 km/h reduziert. In den letzten Jahren waren es noch 30 km/h, doch das Landratsamt wollte in diesem Jahr nicht richtig mitspielen und man hat sich auf die 50 km/h geeinigt. Da kaum Verkehr herrscht und die wenigen Verkehrsteilnehmer wirklich rücksichtsvoll fahren, gibt es keinerlei Probleme. 

Die Staatsstraße schlängelt sich mit ständig bergauf und bergab durch die Landschaft, so dass es hier kaum Erholungsphasen gibt. Ich weiß noch aus den vergangenen Teilnahmen, dass es hier insbesondere auf der zweiten Runde hart wird. Doch noch bin ich ja auf der ersten Runde und freue mich schon auf die nächste Verpflegung. Kurz vor Kollnberg weisen uns zwei Hinweisschilder auf die Englburg und das Schloß Fürstenstein hin. Sie sind in der Ferne zu erkennen und sind zwei der drei namensgebenden Gebäude des Dreiburgenlands. 

Nach einem kurzen Verpflegungsstopp in Kollnberg laufe ich auf eine junge Dame auf, die für ein kurzes Gespräch ihre Ohrenstöpsel herausnimmt. Sie erzählt mir, dass es heute ihr erster Marathon ist und sie schon auf die zweite Runde gespannt sei. Ich bin beeindruckt, dass jemand auf die Idee kommt, sich eine so kleine Veranstaltung für die Premiere auszusuchen. Ich wünsche ihr noch viel Spaß und viel Glück, bevor wir wieder unser eigenes Tempo einschlagen und getrennter Wege gehen. 

 

 
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Ein paar Kilometer später erreichen wir das Museumsdorf Bayerischer Wald. Hierbei handelt es sich um ein Freilichtmuseum, das auf einem rund 25 Hektar großen Gelände über 150 Gebäude aus der Zeit von 1580 bis 1850 zeigt. Zudem beinhaltet es eine volkskundliche Sammlung mit über 60.000 Objekten. Somit zählt es zu den größten Freilichtmuseen in Europa. Für eine Besichtigung ist natürlich keine Zeit. 

Wir unterqueren nun die Staatsstraße und finden uns nach wenigen hundert Metern am Dreiburgensee wieder. Der schön gelegene See wurde schon 1703 erwähnt. Er wurde durch den Feldmarschall-Leutnant Max Josef Graf von Tauffkirchen zu Guttenburg, dem Besitzer der Englburg als Fischzuchtteich angelegt. In den Sommermonaten lädt er vor allem Familien zum Baden ein. Auch ein Barfußpfad ist am Ufer angelegt, den wir aber rechts liegen lassen. Eine erneute Verpflegungsstation ist hier ebenfalls eingerichtet, die ich dankbar annehme. Durch ein angrenzendes Waldstück entfernen wir uns wieder vom Dreiburgensee und machen uns auf den Rückweg in Richtung Thurmansbang. Auch hier ist das Gelände selten eben, so dass wir am Ende unserer Runde auf etwa 430 Höhenmeter kommen werden.

Kurz vor Thurmansbang erreichen wir die letzte Verpflegungsstelle an der Bründl-Kapelle. Der genaue Ursprung der Bründl-Kapelle liegt bis heute noch Dunkeln. Jedenfalls pilgern seit vielen Jahr immer wieder Gläubige hierher, in der Hoffnung, dass das Quellwasser ihre Augenleiden heilt. Da ich gute Augen habe, nutze ich das Quellwasser zum Erfrischen. Vielleicht ist es ja auch gut gegen runzlige Haut. 

Jetzt sind es nur noch etwa drei Kilometer und Thurmansbang ist wieder erreicht. Es geht einmal quer durch den Ort und schon bald kann mich Ludwig ankündigen. Ich durchlaufe den Startbogen und gehe auf die zweite Runde. An der Verpflegungsstation greife ich mir einen Becher Iso und ein Gel, das hier lobenswerterweise bereit liegt. Die Kamera stecke ich nun weg, denn ich habe nun eine andere Aufgabe. Dank meiner zahlreichen Fotostopps habe ich keine Läufer mehr hinter mir, sprich ich bin Letzter und das will ich unbedingt ändern. Ich habe keine Ahnung, wie weit mein Rückstand ist und ich nehme deshhalb auch so manchen Anstieg im Laufschritt. 

 

 

Ich will es kurz machen. Am Ende sind es drei Läufer, die ich dauerhaft hinter mir lassen kann, einige andere muss ich wieder ziehen lassen. Am Ende bleibe ich knapp unter fünf Stunden und bin zufrieden. Sven und Kathrin erwarteten mich schon frisch geduscht im Ziel. Sie hatten ihre Halbmarathonpremiere erfolgreich absolviert und waren ebenfalls happy. 

Wem Landschaftsläufe gefallen, der sollte hier unbedingt mal vorbeischauen. Der Dreiburgenland Marathon ist eine wirklich tolle Veranstaltung, der ich bestimmt noch lange treu bleibe. 

Nur eines ist mir in diesem Jahr negativ aufgefallen und das liegt nicht am Veranstalter, sondern an den Teilnehmern. Es handelt sich ja, wie gesagt, um einen Landschaftslauf. Wir sollen die Natur und die Landschaft nicht nur genießen, sondern auch schützen. Und so habe ich überhaupt kein Verständnis dafür, wenn außerhalb von Verpflegungsstationen Gels benützt werden und deren Verpackungen achtlos auf den Wanderwegen landen. Es ist den Veranstaltern einfach nicht zuzumuten, die komplette Strecke abzugehen und zu reinigen. Auch wirft es bei den zahlreichen Wanderern, die in dieser Region unterwegs sind, kein gutes Bild auf uns Läufer. 

Darauf sollte der Veranstalter bei der nächsten Austragung hinweisen und Läufer, die sich nicht daran halten, disqualifizieren. Bei vielen anderen Natur- und Landschaftsläufen und Trailruns ist das bereits so.

 

Informationen: Dreiburgenland-Marathon
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