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Laufberichte

Jeder Euro zählt

 

Es ist Sonntag und um das Schulzentrum Glemsaue im Baden-Württembergischen Ditzingen herrscht Ausnahmezustand. Bereits in den frühen Morgenstunden werden Zelte aufgebaut und Biertische aufgestellt. Gott sei Dank hat der Regen der Nacht aufgehört.

Auf der großen Bühne findet zur Einstimmung um 8 Uhr ein Gottesdienst statt. Der erste Start erfolgt um 8 Uhr 30. Langsam füllt sich das Gelände. Die Voranmeldezahlen sprechen eine deutliche Sprache. Viele Schulen, Vereine und Betriebe aus der Region haben Gruppen gemeldet. Zahlenmäßig größte wird die Stuttgarter Börse mit 150 angemeldeten Läufern sein. Im 10-Minuten-Takt ertönt der Startschuss. Natürlich kann man auch als Einzelläufer seinen Spaß haben. Spontane Nachmeldungen sind bis kurz vor Ende der Veranstaltung möglich.

Und Spaß macht es auf alle Fälle. Vom Kleinkind bis zum Ultramarathonläufer ist hier alles vertreten, was Beine hat. Ab 10 Uhr herrscht „Land unter“ auf der Strecke. Verbissene Rundenknautscher haben nun einen schweren Stand. Es hilft, sein Tempo anzupassen und die lockere Atmosphäre zu genießen. Schon zu Mittag wird die Bahn wieder leerer. Dafür füllt sich die weitläufige Wiese. Livemusik bringt Festivalstimmung.

Um 11 Uhr kommt hoher Besuch: Michael Makurat, Oberbürgermeister von Ditzingen, gibt sich die Ehre. Mit zwei Anstandsrunden bringt er seine Hochachtung für die Läufer und die tolle Veranstaltung zum Ausdruck.

 
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13 Uhr: am Start stehen jetzt Dr. rer. nat Julia Gajer und Diplom Physiker Stephan Kruip. Rein optisch unterscheiden sich die beiden nicht vom Gros der anwesenden Läufer. Und doch gibt es entscheidende Unterschiede. Die in Ditzingen lebende Julia Gajer wurde 2012 Triathlon-Europameisterin auf der Mitteldistanz und 2013 deutsche Meisterin auf der Mittel- und Langdistanz. In Arizona gewann sie im November erstmals auf der Ironman-Distanz.

Stephan Kruip ist 2. stellvertretender Bundesvorsitzender des Mukoviszidose e.V. und lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. Früher war es für einen an Mukoviszidose Erkrankten undenkbar, Sport zu treiben. Im Selbstversuch hat Stephan Kruip mit Treppensteigen angefangen, um dann durch Zufall beim Laufen zu landen. Bis zum Halbmarathon hat er es inzwischen gebracht.

Mittlerweile ist der Auswirkung von Ausdauersport auf Mukoviszidose erforscht: positiven Effekte entstehen dabei auf Grund der mechanischen Reinigung der Atemwege durch die vertiefte Atmung und die Erschütterungen, sowie durch eine direkte Wirkung von Sport auf die Ionenkanäle in der Schleimhaut der Atemwege. Sobald ein Patient 10 Minuten vor Anstrengung schwitzt, nähert sich seine krankhafte Potentialdifferenz fast der eines Gesunden; solange, bis er wieder aufhört. Bei Sport handelt es sich also um eine (zeitlich begrenzte) kausale Therapie!

Heute haben sich Julia und Stephan hier getroffen, um mit ihrem gemeinsamen Lauf der Guten Sache ein noch größeres Gewicht zu verleihen. Die Botschaft lautet: jeder Schritt zählt. Und das sehen auch die anderen Läufer so. Viele wachsen heute über sich hinaus. Nicht nur die kleine 2-km-Runde ist gefragt. Ich sehe viele Kinder auf der langen und durch einen Anstieg anstrengende 3,5-km-Runde. Der Ehrgeiz, mit der hier Sport betrieben wird, ist ansteckend. Man bekommt ja unterwegs auch die begehrten Gummiringe, die später für die Rundenzählung benötigt werden. Stolz wird der hart erarbeitete Armschmuck den Freunden präsentiert und verglichen.

Das Wetter ist ideal - fast schon wieder zu warm. Die Marke von 20 °C wird locker geknackt. Kein Wunder, dass das Verpflegun, diversen Riegeln und Schokolade können die verlorenen Kalorien direkt ersetzt werden. Die Helfer kommen vor allem zur Mittagszeit ganz schön ins Schwitzen.

Um 16 Uhr treffen sich dann die letzten Unentwegten für die Schlussrunde. Als die froh gelaunte Gruppe im Ziel ankommt, wird der Lauf offiziell beendet. Die letzten Gummibänder werden ausgezählt und das Ergebnis auf der Urkunde festgehalten. Am Krombacher-Stand im Ziel ist nichts mehr los. Eine letzte Thüringer Bratwurst wird noch verzehrt. Die Musik spielt den Schlusssong. Dann können die Helfer wieder zusammenpacken. Schön war es; also bis zum nächsten Jahr.

Die rund 3 800 Läufer sind zusammen 51 224 Kilometer gelaufen. In den nächsten Wochen werden die Spendengelder der Sponsoren eintrudeln. Das Geld kommt direkt der Mukoviszidose e.V. und damit den Kranken zu Gute. Die Einnahmen aus dem Lebenslauf machen mittlerweile ein Drittel des Vereinsetats aus. Speziell in diesem Jahr geht es um die Finanzierung einer Arztstelle im Olgahospital, einer Fachkrankenschwester für die Lungenfachklinik Schillerhöhe und einer Physiotherapeutin für Mukoviszidose Patienten zu Hause. Mukoviszidose ist noch immer unheilbar. Durch aufwendige Therapien und vielen Medikamenten hat sich die Prognose der Betroffenen in den letzten Jahren aber erheblich verbessert. Mit dem medizinischen Fortschritt steigt die Lebenserwartung der Betroffenen. Jeder Euro zählt.

 

 

Informationen: Ditzinger Lebenslauf
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