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Wenn's am Schönsten ist ...

25.04.10
Autor: Klaus Duwe

Und plötzlich ist es Sommer. Bonn gleicht einer Stadt viel weiter im Süden. In den Straßencafés herrscht  Hochbetrieb, die Eisverkäufer haben alle Hände voll zu tun. Die Menschen sind in Kauflaune. Mitten auf dem belebten Münsterplatz steht das große Messezelt des Bonner Marathons. Jetzt verstehe ich, warum man drei Tage für die Verkaufsausstellung und die Ausgabe der Startunterlagen veranschlagt. Neben den über 11.000 Aktiven und ihren Begleitern frequentieren viele Passanten die zahlreichen Stände und umgekehrt nutzen Läuferinnen und Läufer die zentrale Lage für Shopping und Sightseeing. Eine win/win-Situation nennt man so was. Es sind halt Profis, die Macher des Bonner Marathons.

Gespannt ist man bei den Verantwortlichen, ob das neue Konzept, der Verzicht auf die (kostspielige) Verpflichtung sogenannter Topathleten, aufgeht. Das „sogenannt“ habe ich deshalb eingefügt, weil die Läufer (meist kommen sie aus Kenia), die hier und auf vergleichbaren Veranstaltungen ihre Visitenkarte abgeben, ja international zweit- oder gar drittklassig sind.  Ich verstehe bis heute nicht, dass man den lokalen und nationalen Läuferinnen und Läufer bei fast jedem Citylauf solche Konkurrenz vor die Nase setzt.

Das Argument, die Breitensportler würden sich an den gelaufenen Zeiten  orientieren, kann nicht stimmen.  Für sie und ihre Möglichkeiten sind die Strecken in Hamburg, Berlin, Frankfurt oder Bonn ohne Unterschied. Die „schnellste“ Strecke hat der, der das meiste Geld hat. Dass sich Breitensportler und Hobbyläufer auch nicht mit großen Namen locken lassen sieht man daran, dass der Berlin Marathon schon jetzt ausgebucht ist, lange bevor Haile oder irgendeine andere internationale Spitzenkraft eine Startzusage zugegeben hat.

 
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Zwei Läufer frage ich in Bonn, wo der Streckenrekord (2:13:04) steht. Dann lasse ich es sein. Die Frage nach dem  Athleten (Vincent Kipchirchir, 2008) spare ich mir. Dass Mocki hier ist, ist da schon viel interessanter, auch wenn sie nur in der Staffel eine Trainingseinheit absolviert. Hauptsache, sie strahlt mit der Sonne um die Wette und haut ein paar Sprüche raus. Oder Birgit Lennartz, die längst ihren Rücktritt vom Leistungssport verkündet hat, aber dort, wo es ihr gefällt, immer wieder in den Starter- und sogar Siegerlisten auftaucht. Sie hat den ersten Marathon in Bonn gewonnen und gewinnt auch den 10., so viel verrate ich schon.
Es ist also alles gerichtet für ein großes Läuferfest. Um 8.45 Uhr gehen die „Halben“ auf die Strecke, um 10.30 Uhr sind die rund 1200 Marathonis an der Reihe. Das Thermometer nähert sich bereits der 20-Grad-Marke.  Kühl ist es nur in den schattigen Startblocks am rückwärtigen Koblenzer Tor.

Es geht gleich gut los. Brücken haben es ja Läufern und Zuschauern gleichermaßen angetan. Und bei der  Kennedy-Brücke hinüber nach Beuel ist man noch keinen Kilometer gelaufen, aber schon mit vielen Vorschusslorbeeren und Applaus bedacht. Auf der Brücke selbst ist es ruhig, sie ist noch immer eine einzige Baustelle. Schäl Sick, falsche Seite, nennen die Einheimischen das rechtsrheinische Ufer, was mit der religiösen Trennung der beiden Rheinseiten zu tun haben soll. Während sich auf linken Rheinseite im Römischen Reich das Christentum verbreitete, huldigten auf der anderen Seite die heidnischen Germanen Wodan. So ist das heute zwar nicht mehr, aber die Schäl Sick ist es geblieben. Verständlich, dass sich die so Diskriminierten über die 1969 erfolgte Eingemeindung nach Bonn bis heute nicht freuen.

 
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Wüsste ich es nicht, ich würde nicht bemerken, dass ich auf der „falschen Seite“ bin. Schön ist es hier, schmucke Ein- und Mehrfamilienhäuser, gepflegte Vorgärten und schicke Autos in den Einfahrten zeugen vom Wohlstand der Anwohner, die uns mit Applaus begrüßen. Viele von ihnen haben hier in Ramersdorf (km 4) in der Zentrale von T-Mobile ihren Arbeitsplatz. Bestimmt ist es ein Zugeständnis an den Sponsor, den Firmensitz in die Streckenführung zu integrieren. Mit Blick auf’s Siebengebirge wird bei km 4 gewendet und auf gleicher, teils parallel verlaufender Straßen kommt man zurück zur Kennedybrücke (km7).  Sambatrommeln und viele Zuschauer verabschieden uns auf die andere Rheinseite.

Die Brücke ist wegen der Baustelle nach wie vor menschenleer. Alle Fans, es sind hunderte, haben sich bei der Berliner Freiheit versammelt und feiern die Marathonis, als sei schon alles zu Ende. Nach einer weitläufigen Schleife sind wir am Rheinufer (km 9), dem wir nun fast 4 Kilometer folgen. Gleich nach der Brücke kommt die Oper und der Alte Zoll. Was sind das nur für Bäume, die da kunstvoll zugeschnitten aber noch völlig kahl in Reih und Glied die Uferstraße säumen?  Es sind Linden. 

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Informationen: Deutsche Post Marathon Bonn
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