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Laufberichte

In der Guten wohlgefühlt

26.04.09

Als persönlicher Zugläufer durch Bon(n)a, die Gute.

Jaja, es ist doch immer das gleiche: Kaum steht da etwas vermeintlich Eindeutig/Zweideutiges, schon wird’s angeklickt. Dabei ist es doch ganz natürlich: In der Guten kann man(n) sich wirklich wohlfühlen, auch wenn es mit Anstrengung verbunden ist. Man entkleidet sich zunächst, beginnt, wenn auch der Partner so weit ist, eher verhalten, legt dann an Tempo zu, vergießt dabei zunehmend jede Menge Schweiß, gibt den einen oder anderen Stöhner von sich, wird zwischendurch auch mal angefeuert und steigert dann die Geschwindigkeit, bis man abschließend, das Letzte gebend, unter großem Beifall förmlich explodiert und nach getaner Arbeit in sich zusammenfällt. So ist das halt beim - Marathon.

Die Gute, lateinisch: Bon(n)a, also das heutige Bonn, bietet zum neunten Mal den Schauplatz – nein, nicht für das, was Ihr jetzt denkt – für ein Großereignis besonderen Kalibers. Die Gute rief und viele sind zum ersten der vier in diesem Jahr veranstalteten rheinischen Großmarathons gekommen. Eigentlich wollte ich ja keinen mehr doppelt laufen, um an möglichst vielen Orten neue Eindrücke sammeln zu können. Aber mein lieber Kollege und Fast-Nachbar Eugen, ein Radfahrer, nein, neudeutsch „Biker“ vor dem Herren fragte an, er würde gerne mal einen Marathon laufen und wie das denn ginge und überhaupt. Natürlich war es für mich Ehrensache, ihn nicht alleine seinem Schicksal zu überlassen.

Versehen mit ein paar grundsätzlichen Tipps trainierte er wie ein Wilder („Bin am Wochenende mal gelaufen, wollte eigentlich gar nicht so weit, gute vier Stunden, ich bin die Strecke anschließend zum Messen mit dem Rad abgefahren, es waren schließlich rund 35 km“). Einige gemeinsame Trainingsläufe überzeugten mich dann endgültig, daß er es mehr als drauf hat. Denn wer mit dem Rad nach Rom fahren kann, ist grundsätzlich auch in der Lage, 42 km zu laufen. Und da bietet sich Bonn mit seinem zweimal zu durchmessenden 21 km-Kurs (bei meiner ersten Teilnahme 2005 war es noch ein Rundkurs) mit gutem Publikum und kaum eine Dreiviertelstunde von zuhause entfernt, geradezu an. Eugen muß sogar deutlich gebremst werden: Nur durch intensives Zureden lässt er sich davon abbringen, noch am Freitag per Rad zwei mal 40 km zum Büro und nach Hause zu fahren. Ja, kennt der Mann kein Tapering? Ich könnte das, ganz nach Achim Achilles, die ganze Woche tun...

Neben dem Marathon werden hier noch Halbmarathon, Firmenlauf, Schulmarathon, Walking, Inline-Skating und  Handbiking angeboten. Wie in den vergangenen Jahren genießt der Halbmarathon den größten Zulauf. 10.104 Läuferinnen und Läufer haben sich für die verschiedenen Disziplinen vorangemeldet und damit die ersehnte Schallmauer von 10.000 Voranmeldungen durchbrochen (davon 1.787 Marathonis und 6.598 Halbmarathonis). Hierzu werden aufgrund der guten Witterungsbedingungen ganz sicher noch etliche Nachmelder gekommen sein. Letztlich werden knapp 9.000 Läuferinnen und Läufer heute im Ziel registriert, beim Marathon 1.361. Da freut sich die Kasse des Veranstalters, aber viele Ausfälle sind das schon. War es 2005, damals noch Anfang April, sehr frisch, genießen wir heute geradezu ideales Wetter, eigentlich fast ein schon ein wenig zu warm. Hoffentlich geht’s dem Joe (Kelbel) in Hamburg genau so gut.

 
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Schon am Donnerstag bin ich auf der gerade eröffneten Marathonmesse, die wieder in einem großen Zelt auf dem Münsterplatz durchgeführt wird und ihrem Namen auch tatsächlich gerecht wird. Etliche Aussteller bieten ihre Produkte an und haben an diesem idealen Ort mitten im Haupt-Einkaufsbereich der Stadt - deshalb ist dort auch jede Menge „normale“ Laufkundschaft (welch ein Wortwitz!)- regen Zuspruch. Tja, und wie so häufig findet die Marathonfamilie schnell zusammen: Lauftrainer und Leistungsdiagnostiker Andreas Butz ist mit seiner Frau und einem Stand vor Ort, noch vor drei Tagen düste er von Hopkinton nach Boston. Udo Lohrengel ist sowieso immer da und erzählt mir, daß er nächstes Jahr in der M 60 laufen wird. Man kann es kaum glauben, wenn man in sein Gesicht sieht. Das kann nur an Biggis guter Pflege liegen... M4y-Autor Klaus Klein ist auch da, schwärmt vom Messina-Marathon (selbstverständlich habe ich seinen Bericht gelesen und kann glänzen), wird am Freitag nach Hamburg reisen und hört sich noch schnell ein paar wohlmeinende Tipps an, bevor unser beider Mittagspause beendet ist.

Den blinden Marathonläufer Henry Wanyoike („Mein langer Lauf ins Licht“, lesenswert) suche ich vergebens. Er ist Weltrekordhalter der Blinden u. a. im Halbmarathon, wo er am Sonntag auch antreten wird und sollte eine Autogrammstunde geben, hat sich aber wohl schon wieder verdünnisiert. Unsere Startunterlagen hole ich bereits heute ab, damit wir am Lauftag nicht zu früh anfahren müssen. Die Starttüte enthält neben einiger Werbung einen Gutschein für ein schönes Funktionshemd, das in der Startgebühr enthalten ist. Genau so wie ein Essen- und zwei Getränkegutscheine, die man nach dem Lauf einlösen kann. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist am Veranstaltungstag übrigens auch im Preis inbegriffen, ein Service, den ich sehr schätze und auch nutzen werde.

 
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Entsprechend gelassen reisen wir am Sonntag an und schauen erst einmal dem Zieleinlauf der Halbmarathonis im strahlenden Sonnenschein zu. Der Erste hat zwar die passende Hautfarbe, ist aber Niederländer. Orphan van Faassen siegt mit großem Vorsprung in 1:08:38 Std. Henry Wanyoike läuft unter großem Applaus in knapp 1:15 Std. ein und die Siegerin Luminita Zaituc kann ich nicht leider nicht ablichten, weil genau beim Abdrücken ein männlicher Dödel meint, sie noch überspurten zu müssen und läuft genau vor die Linse. Eugen saugt so schon mal etwas Atmosphäre auf. Für ihn ist das ja alles neu und ein wenig Aufregung kann er nicht verleugnen. Aber froh ist er, daß es nach den Wochen und Monaten der Vorbereitung endlich losgeht. Nach ihm hätte der Lauf schon vor 14 Tagen oder drei Wochen stattfinden können. Wer von uns Erfahrenen könnte das nicht nachvollziehen?

Wir deponieren unsere Wechselkleidung in einem Zelt nahe dem Viktoria-Hallenbad, das mir aus 2005 durch warme Duschen und geheizte Räume noch in allerbester Erinnerung ist. Hier darf, wer möchte und dann noch kann, nach dem Lauf kostenlos schwimmen gehen. Nach einem letzten Dixi-Gang mit angenehm kurzen Schlangen Wartender schlendern wir zur  Startaufstellung, die sich nicht mehr wie früher auf dem Marktplatz befindet, sondern in Rheinnähe am Belderberg/Stadtgarten, das Ziel vor dem alten Rathaus ist aber geblieben. Das Koblenzer Tor strahlt in der Sonne mit den erwartungsfrohen Marathonis um die Wette. Wir plazieren uns im Bereich des offiziellen 4 Stunden-Brems-/Zugläufers, wollen aber versuchen, immer knapp vor ihm zu bleiben. Erfahrungsgemäß ist dieser Pulk wegen der für viele magischen 4 Stunden-Schallmauer besonders groß und bedingt entsprechende Staus an den Verpflegungspunkten. Das hatte mich 2006 beim Oberelbe-Marathon die 3:30 Std. gekostet.

Alles klatscht rhythmisch („Da simmer dabei, das ist prihima...“) und um 10.30 Uhr geht es los. Ich habe mich mit Eugen natürlich in seinen, den magentafarbenen Startblock (keine Zugangskontrolle), aufgestellt. Wir nehmen eine Rechtskurve und schon sind wir über die Brückenrampe auf der Kennedybrücke, der mittleren der drei großen Bonner Brücken. Dies ist aber auch die einzige wirklich nennenswerte Steigung der gesamten Strecke. An der Brücke wird zurzeit gearbeitet, glücklicherweise ist sie gesperrt, so daß wir nicht den engen Durchlaß im Fußgängerbereich nutzen müssen. Vorsicht ist allerdings bei den Straßenbahnschienen geboten, in denen man sich herrlich die Haxen verdrehen kann.

 
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Der heutige Bonner Stadtteil Beuel, den wir über die Brücke erreichen, war bis 1969 eigenständig und leidet immer noch ein wenig an dieser Vereinnahmung. Folgerichtig ist vorübergehend an der Hochwasserschutzmauer am Rheinufer ein sog. Bröckenmännche (Brückenmännchen) eingebaut, das quasi als nachbarlichen Gruß seinen nackten Hintern in Richtung Bonn hält und damit seiner besonderen Wertschätzung für die ehemalige Bundeshauptstadt Ausdruck verleiht. Nach Beendigung der Brückenbauarbeiten wird es, wie schon seit alters her, wieder am Beueler Brückenkopf seinen angestammten Platz einnehmen.

Den ersten km nehmen wir in 5:40 min., das liegt genau im Plan und ist eigentlich schon zu schnell, da sich das Feld ja erst einmal ein wenig entzerren muß und wir noch nicht frei laufen konnten. Eugen ist gut drauf.

Beuel bietet uns, parallel zum Rhein, über zwei mal 3 km Hin- und Rückweg fast schnurgerade Laufwege, davon zwei mal rund 800 m als Begegnungsstrecke. Wie immer ist es kurzweilig, den Gegenverkehr, und zwar sowohl den schnelleren als auch den langsameren, zu beobachten. Km 2 und 3 liegen mit 5:33 bzw. 5:45 im Soll, das Tempo ist also gefunden. Bei km 3 steht meine Kollegin Ramona zum Anfeuern, wir beide freuen uns über das Treffen und die bekennende Nichtsportlerin lässt es sich nicht nehmen, sogar noch eine kleine Strecke mitzulaufen. Et Ramönche hätt ooch extra en Banan für misch mitjehollt, was soll da heute noch schief gehen?

Kurz vor der Wende gibt’s beim wohl größten mittlerweile privaten Arbeitgeber der Stadt, der Telekom (hier residiert die Tochter T-Mobile, die Ausgangspunkt des beliebten Rheinsteig-Extremlaufs ist, keine Spur mehr vom mehrstündigen Totalausfall des D1-Netzes am Dienstag), das erste mal Atzung. Man reicht uns, wie auch an den anderen Verpflegungsstellen, Wasser, Zitronentee, Iso, Cola und Bananen. Hier laufen wir auch auf den 4:00 Std.-Zugläufer auf, der mit seinen Schützlingen recht flott unterwegs ist. Bei seiner augenblicklichen Geschwindigkeit von 5:25 min/km beschließen wir, zunächst dahinter zu bleiben.

Bei Kilometer 5 stehen Woldemar Eisrich, Laird of Glencairn/Schottland und ein Freund von ihm, sie machen uns mit ihren Dudelsäcken Beine. Wer hier nicht vor Vergnügen schneller wird, der wird schnell, weil er sich der Gefahr aufrollender Fußnägel durch Flucht entzieht. Nützt aber nichts, denn hier, wie überall, werden wir nochmals vorbeikommen. Und auch auf der zweiten Runde machen sie noch dicke Backen und blasen uns einen. Dagegen gefeit sind nur iPod-Träger. Da fällt mir zum zweiten Mal der Joe ein: der hätte sie mit seinem AC/DC-Gewumme wie untertage in Sondershausen überhaupt nicht gehört. Die zweite Verpflegungsstelle erwartet uns noch vor dem Rückweg über die Kennedybrücke kurz hinter km sieben. Wir müssen überhaupt keine Hektik machen, denn der 4 Stunden-Pulk ist kleiner als von mir erwartet und die Verpflegungstische so lang und reichlich bestückt, daß jeder sofort das findet, was er möchte.

Schon hier fällt mir auf, wie unterschiedlich stark der Schulstaffelmarathon besetzt ist. Eher wenige laufen locker, etliche Kinder, die häufig stark am Schnaufen sind, überholen wir schon hier und das bei unserem Tempo. Wenn das die Läufer von morgen sind, dann Gute Nacht. Klar, wo soll es auch herkommen, wenn sie den ganzen Tag nicht aus der Bude kommen, weil die PS 3 interessanter ist als Bewegung im Freien?

In Bonn zurück laufen wir, wie auch auf der Beueler Seite, einmal ums Karree und wieder am Rhein, dieses Mal aber direkt am Ufer, weiter. Hier kann, wer meint, das zu brauchen, sich Wettrennen mit den flußaufwärts fahrenden Frachtkähnen und Ausflugsschiffen – Moby Dick grüßt - liefern. Der Weg führt weiter vorbei an der Rückseite der Villa Hammerschmidt (Residenz des Bundespräsidenten), dem zeitweisen Ersatzparlament Wasserwerk und dem ehem. Bundeshaus, genannt „Langer Eugen“. Wer weiß, woher der Name stammt? Benannt wurde es nach dem damaligen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmeier, der im Gegensatz zum langen Bundeshaus gerade eben kein langer Eugen war. Meinem Eugen geht es prima, er läuft brav an meiner Seite und erträgt tapfer meinen Redeschwall. Bei km 10 liegt eine Zeitmessmatte, die wir nach 55:26 min. überlaufen, alles im Lot.

Die dritte Verpflegung erfolgt schon bei km 11 und vor dem Postturm, an dem ich arbeitstäglich zweimal vorbeifahre, biegen wir – leider nicht in die äußerst attraktiven und laufgünstigen Rheinauen – ab und wechseln auf eine zwei mal 2 km lange Begegnungsstrecke, in deren Mitte wir nach km 14 zum vierten mal verpflegt werden. Ein lauter Gruß kommt von der Gegenseite und ich erkenne meinen Kollegen Alexander, der mit mir beim Mittelrheinmarathon vor zwei Jahren seinen ersten, damals noch erfolglosen Angriff auf die vier Stunden wagte. Zwischen km 17 und 20 passieren wir eine schattenlose, aber durchaus geschichtsträchtige Passage: Palais Schaumburg, Bundeskanzleramt mit dem markanten Adenauerkopf auf dem Bürgersteig und das Auswärtige Amt. Das ehem. Kanzleramt kann übrigens nach erfolgter Renovierung seit kurzem in Teilen besichtigt werden. Schön ist auch das Museum König, in dem 1948 der Parlamentarische Rat tagte, der unser Grundgesetz ausfertigte und verabschiedete. Einige Monate war es auch das erste Kanzleramt der jungen Bonner Republik.

Auf den fünften Verpflegungspunkt freue ich mich besonders. Diesen betreibt die Bundeswehr unter der Leitung von Hauptfeldwebel Knut Kistner. Kaum sind 18 Jahre vergangen, schon werde ich meinen ehemaligen Panzerkommandanten wiedersehen! Leider klappt das nicht, denn keiner weiß wirklich, wo er steht und für eine umfangreiche Suche fehlt dann doch die Zeit, denn ich muß mich sputen, um Eugen wieder einzuholen, der unterdessen auftragsgemäß weiterlaufen ist. Bei km 20 wieder am Koblenzer Tor biegen wir links in den Hofgarten ein, nutzen die sechste und letzte Verpflegungsstelle, überqueren die Bonngasse, grüßen das Beethovenhaus sowie die zahlreichen Zuschauer und sind nach einigen hundert Metern auf unangenehmem Kopfsteinpflaster schon auf der zweiten Runde. Auf unser Ziel, unter vier Stunden zu bleiben, haben wir mittlerweile rund drei Minuten herausgelaufen und den Tempomacher zwischendurch dann doch vorsichtig überholt.

Ich mache mir insgeheim Gedanken, ob ich Eugens ständigem Vorwärtstrieb, dem ich immer wieder Einhalt bieten muß, nachgeben soll. Er ist ein harter Bursche, auf der anderen Seite ist es aber auch sein erster Marathon und er hat logischerweise keine Erfahrung auf den letzten 10 km. Kann sein, daß das gut geht. Geht es aber nicht gut, wird er sich ärgern, also bremse ich weiter. Die km-Zeiten liegen tadellos um die 5:30 min, das ist ja auch schon schneller als die notwendigen 5:40 und überzogen hat man schnell. Und dann ist das Polster schneller weg, als man sich umgeschaut hat.

Die zweite Runde durch Beuel ist, wie die erste, durchaus zuschauerarm. Der Zuschauerzuspruch, das muß an dieser Stelle auch mal gesagt werden, wird vom Veranstalter doch ein wenig übertrieben. Offensichtlich und verständlicherweise ist hier der Wunsch Vater des Gedankens. Außer +/- 1 km im Bereich des Ziels, also in der Innenstadt, ist er nicht so dolle und durchaus noch steigerungsfähig. Umso mehr freut man sich dann über Stimmungsnester wie die Moderatorin von einem Bonner Lauftreff, die bekannte Läufer/innen mit Namen anspricht. Ich bin beleidigt und weise auf meinen Namensaufdruck auf dem m4y-Shirt. „Und da haben wir den Wolfgang!“ verkündet sie unvorsichtigerweise und wird zum Dank direkt jebützt, schließlich ist am Rhein, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, 365 Tage im Jahr Karneval. Solchermaßen gestärkt geht es wieder über die Brücke zurück nach Bonn, die, wie halt immer, in der Höhe gewachsen zu sein scheint.

Zum zweiten Mal entlang des Rheins ist das Feld doch deutlich ruhiger als beim ersten mal und ab Mitte der 20er km beginnen wir einzusammeln, ohne unsere Geschwindigkeit dabei zu überholen. Ich freue mich, daß Eugen das erleben kann, hatte ich ihm das doch prophezeit und so etwas motiviert ja, wenn man beginnt, auf dem Zahnfleisch zu gehen. Noch aber geht’s bei ihm. Es gelingt uns bis km 36 unseren Schnitt der letzten km von knapp 5:40 zu halten. Dann kommt, was ich befürchtet habe: Er beginnt abzufallen und fordert mich auf, ihn zurückzulassen. Die Quittung: der erste km über 6 min. Ich weiß, daß auch das vermutlich reicht, wenn er nicht noch langsamer wird, weiß aber auch, wie ätzend und demotivierend es ist, auf den letzten km ständig überholt zu werden.

Ich versuche immer wieder, ihn zu loben, male ihm aus, wie kurz es nur noch ist. Wohl wissend, daß fünf letzte km scheißlang sein können... „Los, Beine hoch, größere Schritte!“ fahre ich ihn an. Und was macht der Typ? Ist direkt fünf Meter vor mir und ich habe Mühe zu beschleunigen. Sagenhaft, was der Mann noch aus sich herausholt.

Bei einer verhältnismäßig kleinen Steigung nach dem Postturm (aber was ist schon verhältnismäßig zu diesem Zeitpunkt?) fällt Eugen wieder leicht ab. Ein leichter Anschiss an deren Ende und er nimmt wieder Fahrt auf. 5:39, 5:38, „jetzt nur noch die Dir bekannte Strecke von ... bis ...“, 5:42 und nach km 40 gibt es kein Halten mehr: 5:25 für den 41. km und dann: „Eugen, jetzt kommt das Schaulaufen, genieße es, die stehen alle nur wegen Dir hier!“. Und es funktioniert. Eugen, der wahrlich keiner ist, der zu Gefühlsausbrüchen neigt, reißt die Arme hoch, ein Schrei der Befreiung entfährt seinem Mund, wir laufen Hand in Hand über die Ziellinie und fallen uns um den Hals. Geschafft! 3:55:22 Std. für den ersten Marathon eines Zweiundfünfzigjährigen, ich bin wirklich beeindruckt und zolle ihm größten Respekt. Vermutlich wird es Tage brauchen, um das breite Grinsen aus seinem Gesicht wieder verschwinden zu lassen.

 
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Dummerweise wirft mich die Ergebnisliste vor ihm aus. Wir haben zwar die Ziellinie gemeinsam überschritten, aber offensichtlich war er am Start einen Meter voraus. Wir erhalten die verdiente Medaille und stärken uns im reichhaltig bestückten Verpflegungsdorf. Der Lebensretter aus Erding vollführt an uns beiden wahre Wunder. Wie immer erfolgt ein gemeinsames Wundenlecken mit netten Mitläufer/innen und Wissensaustausch. „Wo ist der Klaus heute? Ich kenne den Joe, mach mal ein Bild von uns!“ und so weiter. Die heiße Dusche im Viktoriabad genießen wir in vollen Zügen und lösen dann noch unsere Essen- und Getränkegutscheine im Zelt der ehem. Marathonmesse ein. Ein erfolgreicher Tag hat einen schönen Abschluss gefunden und mit einem stolzen neuen Marathonläufer an der Seite mache ich mich auf den Heimweg. Jetzt versteht Ihr auch, warum ich mich in der Guten so wohlgefühlt habe. Und das auch noch gemeinsam mit einem Kerl.

Sieger
Frauen
1. Rosina Kiboino (Kenia) 2:42:24 h
2. Valentina Delion (Moldawien)  2:46:25 h
3. Christina Gomez (Spanien) 2:57:57 h

Männer
1. Joash Mutai (Kenia)  2:15:18 h
2. Michael Kasitit (Kenia)  2:19:57 h
3. Onesmus Nyerere (Kenia) 2:21:12 h

Streckenbeschreibung:
Zweimal zu durchlaufender Halbmarathonrundkurs ohne größere Steigungen, zu 100 % befestigte Wege.

Rahmenprogramm:
Marathonmesse mit Startunterlagenausgabe im Zelt auf dem Münsterplatz. Sonntags dort After-Run-Party, Auszeichnungen der Erstplatzierten und zusätzliche Verpflegung für Läufer (Bon für ein warmes Nudelgericht und zwei Getränke).

Auszeichnung:
Medaille, Funktionshemd, Urkunde und Ergebnis-CD per Post, Schnellausdruck der Urkunde am Lauftag über das Internet ab 18 Uhr möglich.

Logistik:
Zielgelände 300 Fußmeter fußläufig zum Hauptbahnhof, Startaufstellung rund 500m. Kleiderdepot in unmittelbarer Zielnähe. Duschen und kostenloses Schwimmen im Viktoriabad im Zielgelände. Kostenlose Pendelbusse zu offiziellen Teilnehmerparkplätzen in Bonn-Graurheindorf an der A 565.

Verpflegung:
6 Verpflegungsstände und zusätzliche 2 Wasserstellen an der Strecke auf jeder Halbmarathonrunde. Es gibt Wasser, Tee, Cola, Isogetränk und Bananen als feste Nahrung. In der Ziel-Verpflegungszone stehen für die Finisher Berliner, Schnittbrote mit Fleischwurst und Schmalz sowie Getränke bereit. Obst, Gebäck, Brot, Wurst, warme Brühe und verschiedene kalte und warme Getränke und natürlich auch der Lebensretter aus Erding.

Zuschauer:
Im Bonner Stadtzentrum und in den Stadtteilzentren ordentliches Interesse.

 

Informationen: Deutsche Post Marathon Bonn
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