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Laufberichte

Wenn es Nacht wird in Monnem

 

Im Herzen der Metropolregion Rhein-Neckar liegen sich die beiden Großstädte Mannheim und Ludwigshafen gegenüber, nur vom Rhein getrennt. Mannheim, mit 325 000 Einwohnern drittgrößte Stadt von Baden Württemberg und Ludwigshafen mit knapp 164 000 zweitgrößte Stadt von Rheinland Pfalz, wären für sich genommen nichts Besonderes. Gemeinsam bilden sie jedoch einen der wichtigsten Industriestandorte Deutschlands. Zum Beispiel betreibt die BASF hier den weltgrößten Chemiestandort, dazu kommen Roche und Unilever, Daimler, John Deere, Südzucker und Birkel, um nur einige zu nennen. Der Motor dieser Region sind nicht zuletzt auch zahlreiche international renommierte Forschungseinrichtungen und angesehene Universitäten.

Hinter der SRH Holding verbirgt sich eine Stiftung, die als Dachorganisation diverser Gesundheits- und Bildungseinrichtungen dient. Privaten Hochschulen, Berufsfach- und allgemeinbildenden Schulen, Bildungszentren für Weiterbildung und berufliche Rehabilitation, sowie Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken gehören dazu. Der Nutzen von Sport für die  Gesundheit der Menschen ist ja allseits bewiesen, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass sich die SRH nun auch mit ihrem Engagement beim Dämmer Marathon einbringt.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Mannheim und Ludwigshafen bisher nur von der beeindruckenden Aussicht auf die großen Industrieanlagen, die man von der Autobahn aus hat, kenne. Das wollte ich schon lange mal ändern. Was liegt da näher, als hier den Marathon zu laufen?

Start und Ziel des Dämmer Marathons sind am Wasserturm, dem Wahrzeichen der Stadt, der sich in Europas schönster Jugendstilanlage befindet.  Wie vom Veranstalter gewünscht, kommen wir mit der Straßenbahn und sind gleich überwältigt. Der 60 m hohe Turm ist wirklich bemerkenswert; monumental thront er in der Mitte des Friedrichsplatzes. Mit 19 Metern Durchmessern fasst er 2000 Kubikmeter Wasser und ist außen reich verziert. Auf dem Dach steht die Statue der Amphitrite, Gattin des Meeresgottes Poseidon. Vor dem Turm befindet sich ein Wasserbecken mit Nixen aus Bronze und steinernen Zentauren. Mittlerweile dient der Turm jedoch nicht mehr der Wasserversorgung der seit seinem Bau 1886 immer größer gewordenen Stadt. Drumherum reihen sich heute Zelte als Treffpunkt für die großen Mannschaften und diverse Stände mit Fressalien. Es herrscht Kirmesstimmung.

Wir wenden uns zum Rosengarten, der gar kein Garten ist, sondern das Kongresszentrum von Mannheim. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt: die Fassade ist im Jugendstil aus dunkel roten Ziegeln und mit dem Dach aus grün glasierten Tonziegeln ein wahres Schmuckstück. Dahinter gibt es seit 1974 einen modernen Neubau,  wo sich auch Mozart- und Musensaal befinden, Spielstätte für das traditionsreiche Nationaltheater-Orchester der Musikalischen Akademie Mannheim oder für Gastspiele großer Sinfonieorchester aus aller Welt. 2006 wurde der Anbau erneut erweitert und Rolltreppen installiert.

 

 
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Direkt davor auf der gesperrten Straße ist das große Start/Zieltor aufgebaut. Gerade werden die Kinder- und Jugendläufe ausgetragen. Im obersten Stock des Kongresszentrums, durch die Rolltreppen bequem zu erreichen, befinden sich Startnummernausgabe, Pastaparty und Marathonmesse. Sicherheitskräfte passen auf, dass sich niemand in dem großen Gebäude auf Abwege begibt. Im Erdgeschoss wird die After-Race-Massage angeboten und im UG kann man seine Tasche abgeben. Überall stehen oder sitzen Läufer, die sich auf ihren bevorstehenden Lauf vorbereiten. Wir sehen viele Staffeln beim letzten Briefing.

Um 18h15 erfolgt der Start für den erstmals ausgetragenen 10 km-Lauf. Deshalb erfolgt die Startaufstellung für die übrigen Wettbewerbe in der Augustaanlange. Dies ist eine der Hauptverkehrsachsen von Mannheim, eine vierspurige Straße mit Grünanlage. Die eine Seite ist Laufstrecke, die andere Seite Startaufstellung, beides durch ein unübersehbares Banner gekennzeichnet. Da man laut Ausschreibung bis spätestens 18h30 im Startblock sein muss, machen wir uns rechtzeitig auf den Weg. Norbert und ich freuen uns, denn unsere Tochter Laura gibt heute die Startläuferin für eine der zahlreichen Marathonstaffeln der Hochschule Mannheim.

In der Augustaanlage sind erst wenige Läufer versammelt. Eine Startblockeinteilung ist nicht zu erkennen. Auf unserer Startnummer ist der Startblock A5 vermerkt. Wir werden ganz hinten starten. Aber wo ist „ganz hinten“? Weil unsere Tochter die einzige Frau ihrer Staffel ist, die somit als Männerstaffel zählt, will sie eine gute Zeit vorlegen. Dazu muss man aber warmlaufen, was ich mir natürlich gerne schenke. Norbert übernimmt die Rolle des Coaches und beide laufen auf der breiten gesperrten Straße davon.

Während ich es mir auf einem Bänkchen gemütlich mache, kann ich beobachten, dass viele der Läufer suchend umherirren. Keiner weiß, wo er hin muss. Punkt 18h30 gibt es plötzlich Lautsprecherdurchsagen, die ich aber nicht verstehen kann. Ich gehe weiter nach vorne und tatsächlich gibt es nun abgesperrte Bereiche. An den Toren befinden sich Posten, die wohl nicht jeden hineinlassen. Ganz vorne ist das Feld bereits dicht. Ich mache ein paar Bilder von den Cracks; dann begebe ich mich erneut nach hinten. Mit etwas Glück treffe ich wieder auf Laura und Norbert. Kurz vor 19 Uhr reihen wir uns im Startblock ein.

 

 
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Die Zeit vergeht und nichts passiert. Die vielen Staffelläufer um mich herum in kurzem Outfit beginnen zu frieren. Bei Temperaturen um 12 °C kein Wunder. Auch ich bekomme vom böigen,  kalten Wind Gänsehaut. Obwohl die Stimmung unter den Läufern prächtig ist, werden manche ungeduldig. Dann geht es tatsächlich nach vorne Richtung Wasserturm und ein Startschuss ertönt. Langsam können wir aufrücken und relativ schnell erreichen wir bereits das vordere Ende der Startaufstellung. Jeder Block wird getrennt gestartet, das geht nun recht zügig. Bald stehen auch wir vor dem Rosengarten und können auf der Videoleinwand die Führenden beobachten, die längst unterwegs sind. Auf der Tribüne, aber auch davor und dahinter, stehen tausende von Zuschauern und verwandeln den Startbereich in einen Hexenkessel. Nochmal Gänsehaut – diesmal nicht wegen der Kälte. Endlich werden auch wir auf die Strecke geschickt.

Wir laufen nun quasi einmal um den Wasserturm und den Friedrichsplatz herum. Der nach Großherzog Friedrich I. von Baden benannte Platz sollte seinerzeit zu „einem der schönsten Plätze der Welt“ ausgebaut werden. Nachdem der Wasserturm gebaut war, wurde 1901 das Parkhotel, heute „Maritim Hotel Mannheim“, südlich des Turms fertiggestellt. Es folgten der  Rosengarten und die Kunsthalle. Alle Bauwerke wurden zu einem attraktiven und repräsentativen Ensemble vereint. Kurz vor dem erneuten Erreichen der Augustaanlagen passieren wir das Starttor des 10 km Laufs, dann folgt die Weiche für die Finisher. Tatsächlich läuft hier im Feld noch der eine oder andere 10 km Läufer ins Ziel. Wir biegen rechts in die Augustaanlagen ein.

Wo sich normalerweise bis zu 40 000 Autos in die oder aus der Stadt quälen, stehen heute Zuschauer Spalier. Die anlässlich des 300. Stadtjubiläums 1907 entstandene Platanenallee wurde nach der Deutschen Kaiserin und Königin von Preußen, Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach benannt und führt seit 1920 bis zum Europaplatz mit dem Planetarium. Dort geht es weiter  auf der Theodor Heuss Anlage. Links liegt der Luisenpark, Mannheims größter Grünfläche mit dem Carl Benz Stadion des traditionsreichen  SV Waldhof Mannheim.

 

 
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Im Stadtteil Neuostheim geht es auf die Seckenheimer Landstraße und unter der Brücke des Autobahnzubringers hindurch. Wir erreichen die 1. Wechselzone der Staffeln und zugleich erste VP. Hier wartet Laura nach ihrer Staffelübergabe bereits auf mich. Sie hat noch Luft und will die nächste Etappe mit mir weiterlaufen. Die Seckenheimer Landstraße ist breit und gut zu laufen. Hinter der großen Autobahnbrücke der A6 biegen wir rechts auf einen Radweg, der an der Neuostheimer Straße entlang führt. Malerisch kann man kilometerweit die bunten Shirts der Läufer vor uns erkennen.

Immer wieder stehen am Wegrand Gruppen von Schaulustigen und feuern uns an. Im Getümmel geht mir Laura irgendwann verloren. Naja, mit ihren 20 Jahren wird sie wohl wieder nach Hause finden. Im Läuferfeld ist noch keiner untergegangen. Es geht über eine kleine Brücke und dann über Meersburg nach Seckenheim. Hier haben die Anwohner Tische und Bänke nach draußen getragen und verbringen so den Samstagabend mit dem Anfeuern der Läufer (km 10).

 

 
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Vor uns kommt jetzt der Wasserturm von Seckenheim in Sicht. Der 1911 gebaute Hochbehälter wurde 1956 überflüssig und stand einige Zeit leer, bis 1978 die Aufzugfirma Lochbühler das Gebäude übernahm und als Veranstaltungsort ausbaute. Natürlich wurde auch ein Aufzug eingebaut. Am Wasserturm macht die Strecke eine Spitzkehre und führt auf der Badener Straße weiter. Das Fest nimmt kein Ende; hier ist fast noch mehr los als vorhin. Bevor wir in die Hauptstraße einbiegen, gibt es Wasser zur Erfrischung der Läufer. Nach einem guten Stück weiter im Ort geht es zweimal rechts und wir finden uns plötzlich im Grünen wieder. Zwischen den Wiesen, von Bäumen verdeckt, müsste der Neckar fließen. Es geht dem Radweg entlang. Auch hier stehen immer wieder Zuschauergruppen, um die Läufer abzuklatschen und manche LaOla-Welle hilft über die erste Müdigkeit hinweg.

Vor uns liegt erneut die große Brücke, auf der unermüdlich der Verkehr fließt und unter der wir vorhin schon einmal hindurch gelaufen sind. Wir haben die erste große Schleife hinter uns und laufen wieder nach Mannheim zurück. Ich versuche einige Fotos zu machen, aber es ist bereits zu dunkel.  Fast unbemerkt ist die Sonne untergegangen. Schwere Zeiten,  meine Kamera gibt ihr Bestes, aber Langzeitbelichtungen bei bewegten Motiven - das geht nicht. Und Blitz-Aufnahmen werden der Stimmung nicht gerecht. Ich werde versuchen, die Atmosphäre in Worten zu schildern. 

 

 
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Wir sind bei km 15 auf einem Radweg, rechts unter uns fließt der Neckar und links kommt die Wechselzone, wo dann auch Laura die Strecke verlassen wird. Wir laufen direkt an der Stadtbahnhaltestelle Neuostheim vorbei, von wo aus die Läufer die Innenstadt erreichen können. Für uns geht es im Kreisel von einer Brücke hinunter und in gleicher Richtung weiter den Luisenpark entlang. Diesen Park gibt es schon seit 1900. Seine jetzige Größe und sein Aussehen erhielt er aber 1975 anlässlich der Bundesgartenschau. Damals wurde auch der Fernmeldeturm gebaut, Mannheims modernes Wahrzeichen und mit 212 m höchstes Gebäude. Wir laufen direkt darauf zu. Zu seinen Füßen befindet sich km 19 und die nächste VP.

 

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Informationen: Der SRH Dämmer Marathon
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