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Laufberichte

Wir wandern aus!

 

Nachdem ich zuletzt von den heimatverbundenen Lippern berichtet habe, zieht es mich heuer in die weite Welt. Beziehungsweise an deren Ausgangspunkt, zumindest seit 1858. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine regelmäßige Schiffsverbindung von Bremerhaven nach Amerika. Zahlreiche Deutsche wanderten von hier in die vereinigten Staaten aus, um politischen Repressionen oder der Armut zu entfliehen. Mich treibt heute die Sehnsucht, den finalen Marathon für mein Jubiläum in Münster, in Deutschlands kleinstes Bundesland.

Um meinen Marathon erfolgreich zu bestreiten, habe ich in den letzten Wochen Energie auf Langeoog getankt. Am Samstag komme ich entsprechend ausgeruht mit meiner Familie in Bremerhaven an. Von meinem Lauffieber angesteckt, werden Silke und Nikita die Gelegenheit nutzen, am 5-Kilometer-Lauf teilzunehmen, der an diesem Wochenende angeboten wird. Er ist einer von zahlreichen Läufen, die hier zwischen 400 m und der Marathondistanz über die Bühne gehen. Für jeden Geschmack das Passende. Und wem es allein zu langweilig ist, kann die Marathonstrecke gemeinsam mit drei Mitläufern und oder Mitläuferinnen als Staffel bewältigen.

Entsprechend ausgeruht begeben wir uns am Sonntagmorgen frühzeitig zum Start. Die Startzeit um 9:30 Uhr ist nicht zu spät, um einen der zahlreichen Parkplätze im Bereich des Hafenbereiches zu ergattern. Ein Vorteil für die Marathonläufer. Gut, deren Feld ist leider sehr überschaubar. Am Ende werden 69 Teilnehmer in der Liste stehen. Bei knapp 1.000 Teilnehmern für alle Distanzen sind wir heut stark unterreptäsentiert. Da ist noch Luft nach oben. Die Sonne lacht schon jetzt, da kann mich das nicht stören.

 

 
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Die Zeit bis zum Start vergeht kurzweilig, auch wenn mir ein Blick in die Kirche verwehrt bleibt. Selbst am Sonntag ist sie zu dieser Zeit noch geschlossen. Vielleicht soll ich mich ja auch nur auf meinen Lauf, den letzten zweistelligen in meiner Liste,  konzentrieren. Pünktlich werden wir auf die Strecke geschickt. Die ersten Meter folgen wir der Bürgermeister-Schidt-Straße um kurz darauf in Richtung alte Geestebrücke abzubiegen. Hier gibt uns nicht nur besagter Bürgermeister von seinem Sockel blickend seine Reverenz, sondern auch zahlreiche Bürger, die sich heute hier zu einem Freiluftfrühstück eingefunden haben. Wie bei einem Picknick kann alles selbst mitgebracht werden.

Das kleine Feld hat sich schon jetzt stark auseinander gezogen. Da wird es Zeit für mich, eine Gruppe mit meiner gewünschten Zielzeit von 4:00 Stunden zu finden. Die ist auch schnell ausgemacht. Kurz vor der Geestebrücke bin ich in Begleitung von Jochen und Max unterwegs. Deren Lauf wird sogar für das Fernsehen dokumentiert, denn Jochen ist auf Protesen unterwegs. Es ist heute seine Premiere auf der Marathonstrecke. Ich bin immer wieder erstaunt und erfreut, zu was Menschen fähig sind. Da komme ich mir klein und unbedeutend vor. Sympathisch sind die beiden zudem, so daß wir plaudernd kurz darauf der Rheinstraße in Richtung Norden folgen. Bereits einen knappen Kilometer später biege ich von hier in die Mozartstraße ab. Sie ist ein reines Wohngebiet. Die Anwohner haben sichtlich Spaß an unserem Lauf und feuern uns frenetisch an. Die abgehenden Seitenstraßen haben nicht nur malerische Namen, wie beispielsweise „Auf der Karavelle“, sondern auch die Schilder sind entsprechend gestaltet. Eine Zierde für die Seestadt Bremerhaven.

Sehr abwechslungsreich, die ersten 2,5 Kilometer, denke ich mir, da biege ich am Ende der Straße auch schon in Richtung Bürgerpark ab. Diesen werde ich auf den nächsten Kilometern umrunden. Ich verlasse kurzfristig den Asphalt. Links verläuft eine Finnbahn und verspricht komfortables Laufen. Ich verzichte darauf, denn ich möchte auf Nummer sicher gehen und nicht zuviel Kraft verschwenden. Lieber noch ein wenig Luft beim Gespräch mit Martin und Klaus. Letzterer hat sich doch tatsächlich auch den diesjährigen Münster Marathon für seinen 100. Marathonlauf ausgesucht. Zufälle gibt es …  

 

 
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Wir verlassen den innerstädtischen Wald und bekommen noch einige Winräder zu sehen. Nur einige der Flügel sind in Bewegung. Zu wenig Wind? Auf dem freien Feld kann ich das nicht  bestätigen, denn es weht eine stärkere Brise von vorn links - Westwind halt, was sonst.

Bei KM 5 tauche ich erneut in den Wald des Bürgerparkes ein, um kurz darauf meine Runde hier zu beenden. Bis etwa KM 7 folge ich der bekannten Strecke in Richtung alter Geestebrücke. Im Anschluß an die Brückenquerung folge ich bis KM 8 der Deichstraße. Gefällig folgt die Straße dem Bogen der Geeste, nur vom Fluß bekomme ich noch nicht viel zu sehen. Das soll sich aber schnell ändern, denn der nächste Kilometer führt mich über die Geestepromenade. Früher stand hier einmal die Rickmerswerft. Nur der Kran zeugt noch von der einstigen Werft, auf der die Windjammern gebaut wurden und den Ruhm Bremerhavens in alle Welt trugen. Hier ist auch das Kapitänsviertel zu bestaunen. Die farbenfrohen Häuser wurden im traditionellen Stil errichtet.

Dann erreiche ich bereits die vierte Verpflegungsstation. Gereicht werden heute neben Wasser, Iso und Cola auch Bananen und Orangen. Fein portioniert. Da fällt das Zugreifen leicht. Über einen kurzen Steg erreiche ich meinen Wendepunkt, um jetzt das Kapitänsviertel auf der anderen Seite zu umrunden. Rechts grüßen Schrebergärten, die Bäume am Weg spenden Schatten. Aber nicht lange, denn biegen wir ab. Rechts sieht man das Arbeitsamt, ein ziemlich großer Kasten. Da wirkt der Rickmerskran, der jetzt ebenfalls auftaucht, fast schon klein. Geradeaus schaut man auf ein Hotel auf, das mit seiner Form jedem Kreuzfahrtschiff Ehre machen würde. Mich erinnert es daran, daß ich die erste von heute vier Runden fast geschafft habe. Nur noch kurz die Keilstraße hinunter und ich kann wieder links in die Bürgermeister-Smidt-Straße einbiegen.

Im Bereich der Kirche trägt mich die große Zuschauermenge und nicht zuletzt der Zuspruch meiner Lieben auf die zweite Runde. Die Kirche ist übrigens auch dem ersten Bürger Bremerhavens gewidmet. Und das ist diesmal sogar wörtlich gemeint, denn er hat im Jahre 1827 dem Königreich Hannover das Gebiet um die Geestemünde abgekauft, um darauf einen neuen Hafen für die Bremer zu bauen. Da die Weser immer mehr versandete, hat der vorausschauende Kaufmann und Bürgermeister für die Bremer so den Zugang zur Nordsee gesichert. Mit Erfolg, wie sich heute noch zeigt, denn Bremehaven ist in der Fischzubereitung führend in der Welt.

 

 
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Mich zieht es derweil nicht in die Welt sondern erneut über die Geestebrücke. Die Beine sind immer noch frisch und die Strecke belebt sich auch. Vor mir tauchen die ersten Halbmarathonis auf. Sie sind kurz vor Beendigung meiner ersten Runde auf die Strecke gegangen. Da kann ich motivierend zum Überholen ansetzen, während mir der Führende im Marathon bereits entgegen kommt. Es folgen die bekannten Kilometer. Alles ist dabei, Gesprächspartner das Feld und aufmunternde Zuschauer. Läuferherz, was willst Du mehr? Vielleicht etwas Wald? Kommt sofort, als ich wieder auf die Bürgerparkrunde einschwenkte. Immer noch bin ich locker unterwegs. Nur freudige Gesichter um mich herum, so macht das Laufen Spaß. Nach KM 16 verlasse ich erneut den Bürgerpark. Nur die Sonne macht mir langsam zu schaffen, aber der Wind kühlt ja. Die Geestebrücke, die Deichstraße und das Kapitänsviertel fliegen nur so vorbei. Da treffe ich bei den Schrebergärten auf Nikita. Er ist heute nicht ganz so gut drauf, da gebe ich ihm auf seinen letzten 1,5 Kilometern noch Geleit. Wir können die Strecke sogar laufend bewältigen. Silke wartet bereits im Ziel. So kann ich von meinen beiden stolzen Finishern noch schnell ein Foto machen, bevor ich die Kamera für heute abgebe.

Hinaus geht es über den Theodor-Heuß-Platz. Die Zuschauer lassen sich von den Läuferinnen und Läufern immer noch vom Frühstück ablenken und spenden wohltuenden Beifall. Der ist bei mir jetzt auch dringend nötig, denn ich habe mir heute zeitlich wohl doch etwas zuviel vorgenommen. Also nehme ich mir das Motto von Bernds letztem Bremerhaven-Bericht zu Herzen und stelle mir die Frage: Geeste oder läufste? Ich entscheide mich für beides im Wechsel. Da ist es auch egal, daß ich vom Führenden Marathoni überholt werde. Ich bin schließlich nicht auf der Flucht und komme auch so noch gut voran. Die Halbmarathonis sind auch noch mit mir unterwegs und sprechen mir Mut zu. Trotzdem lande ich nach den Zusatzmetern im Bürgerpark wieder hinter ihnen. Aber ich schaffe es trotzdem noch, wieder zum Überholen anzusetzen.

Auf der Mozartstraße nehme ich neben den Anfeuerung jetzt auch gerne die improvisierte Dusche mit. Dann sind wir wieder in der prallen Sonne. Die Steigung zur alten Geestebrücke war vorher auch nicht so schwer. Dafür gefällt mir der Weg hinunter zur Geeste schon wieder besser. Die Stimmung wird n der Verpflegungsstelle am Kapitänsviertel noch getoppt, denn jetzt liegen nur noch schlappe 2 KM vor Vollendung der dritten Runde. Das Hotel in Form eines Schiffsturms erinnert mich jetzt daran, daß zu seinen Füßen das Klimahaus liegt. Hier kann man bequem eine Reise in 8 verschiedene Länder in 5 Klimazonen machen. Riesige Entfernungen lassen sich also deutlich bequemer zurücklegen. Das ist heute aber nicht mein Ziel, sondern lediglich die im Vergleich dazu bescheidene Marathonstrecke.

Vorbei an der großen Kirche begebe ich mich auf die finale Runde. Hier steht jetzt das große Feld der 10 Kilometerläufer in den Startlöchern. Ich bin noch vor ihnen und der Applaus der picknickenden Bürger gehört mir allein. Über die Geestebrücke muß ich mich dann schon beeilen, denn jetzt ist die schnelle Meute losgelassen. Keine 33 KM habe ich zurückgelegt, da verschluckt mich das Feld der Kurzstreckler. Auf der einen Seite ist es zwar ganz schön, die letzte Runde nicht so allein unterwegs zu sein, auf der anderen ist es jedoch etwas demotivierend, wenn die frischen Läufer nur so vorbei fliegen. Ich lasse mich heute davon nicht sonderlich beeindrucken, die nächsten Kilometer ziehen sich so oder so wie Kaugummi.

Eva und Markus lächeln mir immer wieder zu. Sie sind etwas langsamer unterwegs als ich, dafür sieht ihr Laufstil bedeutend frischer aus als meiner. Trotzdem muss ich kaum noch einen Platz einbüßen. Oder doch? Wilfried läuft auf mich auf. Da packt mich ein Rest Ehrgeiz und ich laufe wieder an. Die Steigung an der alten Geestebrücke scheint mir fasst unüberwindbar. Ein letztes Mal komme ich zur Geestepromenade, da ist der Wilfried schon wieder hinter mir. Also wieder anlaufen. Ich freue mich auf die Getränkestelle am Kapitänsviertel. Doch die ist leider schon abgebaut, alle Getränke sind ausgeschenkt. Zum Glück liegen jetzt nur noch knapp 2 Kilometer vor mir. Das werde ich wohl auch noch schaffen. Und das sogar laufend.

Ich biege auf die Zielgerade, wo Silke auf mich wartet. Geschafft. Die Voraussetzungen  für meinen ganz persönlichen Jubiläums-Marathon in Münster sind erfüllt.

 

 

Weitere Impressionen

 

 

 
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Ergebnisse:

 

Männer:
1. Jonas Rumpelt, 2:51:10
2. Yuriy Bezsonov, 2:55:51
3. Frank Sandker, 3:07:24
 

Frauen:
1. Birgit Schönherr-Hölscher, 3:17:52
2. Carina Rinke, 3:44:26
3. Chritina Mohr, 3:45:46

 

Informationen: City Marathon Bremerhaven
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