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Laufberichte

Deutschlands ältester Berglauf

06.09.14

Ilsenburg ist ein feines, von Fachwerkhäusern geprägtes Städtchen am Fuße des Brockens. Zwischen Wernigerode und Bad Harzburg gelegen, gehört es zu Sachsen-Anhalt. Hier organisiert der Brockenlaufverein von 1927 Deutschlands ältesten Berglauf. In der Tat fand 1927 auf Initiative des erfolgreichen Ilsenburger Athleten Otto Schulze der erste Brockenlauf statt.

17 Läufer gingen damals auf das als waghalsig angesehene Unterfangen ein, den Brocken auf einer 20 Kilometer langen Strecke zu überwinden. Schulze gewann das Rennen und noch 1939 folgte der 13. Brockenlauf. Dann gab es eine langjährige kriegsbedingte Pause, bevor der Brockenlauf 1954 als „Otto-Schulze-Gedächtnislauf“ wiederbelebt wurde. Mit der Grenzschließung 1961 fand die längste politisch bedingte Zwangspause des Brockenlaufs statt. Im September 1990 erfolgte nach Überwindung bürokratischer Hürden und der Erfüllung von Forderungen seitens der Naturschützer die erfolgreiche Wiederbelebung der Veranstaltung.     

 
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Wir parken direkt vor der Grundschule Prinzess Ilse, wo es heute die Startunterlagen gibt. Der Fluss Ilse entspringt am Brocken und fließt durch das Ilsetal durch Ilsenburg. Und der Namensgeber für die Schule Prinzess Ilse ist eine in Stein gefasste Quelle aus der ein Mineralbrunnen entspringt.

Am ersten Samstag des September 2014 verspricht die morgendlich aufsteigende Sonne einen herrlichen Spätsommertag.  Der städtische Forellenteich glitzert im sonnigen Licht, welches auch die Enten und Schwäne erfreut. Wir kommen zum Marktplatz, wo bereits emsiges Treiben herrscht. Denn hier ist das Start-Zielgebiet, wo neben Zeiterfassung  und Podesten auch einige Marktstände, welche Harzer Raritäten feilbieten, aufgebaut werden. Als auffälligste Werbeträger treten die Hauptsponsoren eon mit grünem Strom, die Volkstimme mit der Auflagenstärksten Tageszeitung und die Brauerei Hasseröder mit ihrer regionalen Biermarke in Erscheinung.

Bereits bei einem Rundgang durch die Straßen fällt uns auf, dass die Bürger der Stadt hinter dem Lauf stehen und als zahlreiche Helfer zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Diese bietet heute nicht nur den 26,2 km langen Brockenlauf an, sondern auch Wanderungen und Nachwuchsläufe, sowie Läufe über die 9,6 km und die 3,9 km Distanz. Als Teilnehmer gesamt stehen 766 in der Statistik. Und heute, bei der insgesamt 44. Auflage, wird ein besonderes Jubiläum begangen:  der 25. Brockenlauf nach der Wiedervereinigung!

Es wird ansprechend moderiert und auch musiziert. Obwohl einiger Trubel herrscht, kommt keinerlei Hektik auf. Wir reißen unsere Namenszettel von der Startnummer ab und werfen sie in eine bereit stehende Box, um an der nachstehenden Tombola teilzunehmen. Dann sind wir in der umzäunten Startgasse und warten in der Marienhöfer Straße auf den Start. Zuvor wird das volksliedartige Brockenlauflied mit Akkordeon und Gitarre angestimmt und wir singen den Refrain locker mit: „Jaja der Brockenlauf, den hohen Berg hinauf. Wir haben in Ilsenburg den schönsten Lauf der Welt…“

 
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Pünktlich 9:45 Uhr werden die 481 Teilnehmer am 26,2 km langen Brockenlauf durch ein echt städtisches Zuschauerspalier auf den Weg geschickt. Es geht über Pflasterstein und die über die Ilse führende Krugbrücke Richtung Stadtausgang und nur angenehm mäßig hinauf. Die Sonne wärmt ordentlich, aber bald sind wir auf Schatten spendendem Waldweg und laufen an der plätschernden Ilse entlang weiter hinauf. Es gilt, die Kräfte gut einzuteilen, denn der Anstieg auf den Brocken ist 12 km lang und wird zuletzt 20% steil. Im Mittelfeld wird locker gelaufen, einige Teilnehmer gehen bereits die ein oder andere steile Passage.

Nach ca. 5 km lichtet sich der Wald und wir bekommen weitere Einblicke in die Landschaft des Mittelgebirges. Da tut sich zum ersten Mal der Anblick auf den Brocken auf. Es sieht noch verdammt weit und hoch bis dahin aus. Doch jetzt erreichen wir den ersten Verpflegungspunkt. Es gibt Äpfel, Bananen und Zitronen, sowie Wasser, Iso und Tee. Wir sind an einer Weggabelung. Die Strecke weißt uns den steilen Anstieg zum Brocken aus: noch 5,4 km bis zum Gipfel.

Tatsächlich wird es gleich ordentlich steil und einige Läufer mehr verfallen in den Wanderschritt. Die Landschaft bietet durch lichten Wald weiter herrliche Ausblicke. Die Sonne scheint angenehm, doch dann, als wir auf den Betonplattenweg anlangen, wird es diesig und spürbar kühler. Nur noch ein paar Meter laufen, dann verfallen fast alle im Mittelfeld der Steile wegen ins Wandern. Da trieft trotz der Höhenkühle der Schweiß und es sind noch 3 km bis zum Gipfel. Zeit zu einigen Smalltalks und Landschaftsblicken. Das Wetterglück ist uns holt, denn wie oft hängt der Brockengipfel doch in dichten Wolken.

 
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Im Schnitt von 11 Minuten den Kilometer geht es mühsam hinauf. Wir überqueren die Bahnschienen der Brockenbahn und endlich begrüßt uns die Brockenhexe mit einem Besenschlag auf den Allerwertesten. Hurra, wir sind angelangt auf dem 1142 m hohen Gipfel! Ein wenig Umgucken erlauben sich die meisten, bevor es an den Ablauf geht – noch 14 km bis Ilsenburg.

Ein paar km geht es auf Asphaltstraße bergab. Mountainbiker kreuzen unseren Weg und ein Schild fordert diese zu Rücksichtnahme auf uns Läufer auf. Noch dreimal ist uns eine Verpflegungsstelle willkommen. Bald geht es wieder in den schattigen Wald, aber das permanente Bergablaufen lässt die Oberschenkel brennen. Das Läuferfeld hat sich jetzt richtig auseinander gezogen. Einige fliegen förmlich hinab, da bleiben der ein oder andere Sturz und ein lädiertes Knie nicht aus.

Im Feld sind neben vielen Wiederholungstätern und einigen erfahrenen Ultraläufern auch ein paar Novizen, die sich zum ersten Mal überhaupt an einen Berglauf wagen. Es muss ja auch wirklich nicht gleich ein ganzer Bergmarathon sein.

Bei km 20 sind wir zurück an der Weggabelung beim ersten und auch letzten Verpflegungspunkt. Hier wird jetzt auch Bier ausgeschenkt. Aber auch das ist kein Muss, denn es sind ja noch über 6 lange Kilometer. Diese verlaufen auf entgegengesetzt dem Hinweg zurück durch den Wald, an der Ilse entlang, durchs Ilsental, nach Ilsenburg. Nur geht es jetzt bergab und bergab und bergab...

 
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Unter der warmen Mittagssonne erreichen wir Ilsenburg und müssen noch einen guten km durch städtisches Terrain laufen. Doch dann werden die Teilnehmer im Ziel persönlich begrüßt. Tatsächlich haben wir heute 890 Meter Höhendifferenz bezwungen. Frohgemut und erleichtert holen wir uns unseren persönlichen Zeitlaufzettel von der Firma Sportident, dann lassen wir uns unsere Urkunden ausdrucken. Freilich genießen wir neben den üblichen Erfrischungen auch das sogleich eingeschenkte Finisherbier. 

Nach dem Duschen in einer Turnhalle kehren wir zurück auf den Marktplatz und nehmen Teil am Getümmel. Die Tombola findet statt und es werden drei Gewinner aus der Box gezogen.

Dann aber fällt die Siegerehrung des 26,2 km langen Brockenlaufs ins Wasser. Mit den Läufen hatte die Brockenhexe noch ein gutes Einsehen gehabt. Nun aber zeigt sie uns berüchtigt, dass sie auch anders kann. Das von drei Bergen eingekesselte Ilsenburg wird von einem Gewitter heimgesucht, das sich zwar mit leisem Grollen angekündigt hat, aber nun mit urplötzlichem Regenerguss über die Stadt und den Marktplatz herfällt. Die Menschen flüchten ins angrenzende Café oder sie drängen sich unter die Markisen der Imbissbuden. Dort lässt es sich der freundlichen Gastfreundschaft der Ilsenburger wegen anheimelnd aushalten, bei Kuchen und Kaffee, bei Gegrilltem und Erbsensuppe sowie beim Bier.                       
     
Sieger des 26,2 km Brockenlaufs:

Luisa MERKEL Frauen  NSV Wernigerode 02:05:45 
Thomas KÜHLMANN Männer  NSV Wernigerode  01:38:33 

 

 

Informationen: Brockenlauf
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