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Laufberichte

Nach Sonnenuntergang bei Goethe

 

Mit diesen Worten habe ich mich von meinen vielen Lauffreunden verabschiedet. Die gehören sämtlichst zu den schnelleren Ultras und sind demzufolge auch Stunden vor mir im Ziel. Sauber, satt und hochzufrieden. Diesmal bei Goethe, genauer: im Goethesaal beim Brockenwirt. DEM Finish der Brockenchallenge. Wer hier durch die Tür kommt, wird stürmisch begrüßt, von der kompletten Ultrafamilie! Allein diese Begrüßung macht alle Mühe wett...

Mühen gibt es reichlich. Erstmal muss man überhaupt mal zugelassen zu werden, dann Transport und Unterkunft regeln, Gepäck im voraus packen, an alles Mögliche denken. Ach was, irgendwie regelt sich alles zur Zufriedenheit, dafür sorgt auch das perfekt eingespielte Orgateam. Das geht schon los in der Uni, im Hörsaal, mit einer tollen Bildershow der letzten Jahre bei passender, irgendwie meditativer Musik von einem Trio gespielt. Spitzenklasse! Die Teams und Helfer werden vorgestellt, die Strecke mit ihren Tücken, ein bisschen vom Wetter geredet und die Ehrung der Veteranen vorgenommen.

Aber vorher- einfach sagenhaft - das Familientreffen der Ultras. Begrüßung links und Begrüßung rechts - wo haben wir uns zuletzt nochmal getroffen? Eine einmalig schöne Atmosphäre. Es lohnt sich, schon deswegen wenigstens eine Stunde früher zu erscheinen. Und wenn man wen verpasst hat, nicht schlimm. Beim Frühstück geht’s genauso weiter. In fast ausgelassener Hochstimmung startet das Feld pünktlich um 6.

 

 
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Den vielen begeisterten Berichten kann ich nicht viel mehr hinzufügen, ich habe fast alles genauso erlebt. Es stimmt: hart- kalt - schön. Vom ersten bis zum letzten Meter. Der Start ins Finstere, leicht- aber spürbar aufwärts, macht uns schnell warm. Kleine Fackeln auf den ersten km weisen die Richtung. So allmählich verstummen die Gespräche, wir laufen auf gefrorenem Boden, es knirscht leise. Kein Eis diesmal. Mackenrode schläft noch, bis Landolfshausen bleibt es dunkel und ruhig. Erst am VP geht es rund. Heißer Tee, ach wie köstlich, kleine Leckerchen und aufmunternde Worte. Und weiter, von nun an wird‘s wellig.

Das Gelände hier hat durchaus Höhen und Tiefen. Wenn wir den Harz erreichen, haben wir schon so 700 Höhenmeterchen in den Beinen. Und das noch vor dem Entsafter. Quasi erste Kaltpressung. Lange, offene Abschnitte, dann wieder eine Ortschaft, sogar ein See, bewaldete Hügel mit Trailpassagen, Rhumequelle und Barbis. Tolle Teams an den VP sorgen für Wohlbefinden und Stimmung. So manche Begleiter tun da mit und feuern alle Läufer an. Einfach toll.

Trotzdem komme ich irgendwie nicht so recht voran. Das habe ich mir vorher etwas anders ausgerechnet, aber egal. In Barbis sind nur noch 15 hinter mir. Na, dann mal los jetzt. Der Brocken ruft, laut und deutlich. Die Herausforderung beginnt.

Kaum habe ich die 42196 m passiert, bin durch einen Tunnel unter der Bahn durch, steigt es an. Aber ordentlich. Die ersten von noch so 900 Höhenmeterchen. Brutto.  Kalt ist es, Schnee fehlt noch. Aber der kommt. Hat man den Wald erstmal erreicht, in dem es stetig aufwärts geht, liegt auch Schnee. Erste Yaktrax kommen an die Schuhe. Aber mit grobem Profil geht‘s auch.

 

 
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Hinter der Wasserscheide noch kurz, wie zur Erholung, abwärts, am Teich dann hoch. Der Entsafter, Teil 1. Auf guter Straße, im allmählich tiefer werdenden Schnee stetig hoch, etwa 6 km. Endlos, jedenfalls im Wanderschritt. Jetzt beim Schreiben wird mir klar, dass Florian, Geburtstagskind und Sieger, schon längst im Ziel gewesen sein muss, während für mich die Herausforderung erst beginnt ... was für ein Tempo kann ein Mensch erreichen, Hut ab.

Nee, besser nicht, es ist kalt hier und die Haare sind nass. Besser die Mütze tiefer ziehen. Dem Berg, und vor allem den Schauergeschichten zum Trotz hoch. Es geht eigentlich ganz gut, zieht sich aber hin. Bis Jagdkopf, bis zum VP. Was Heißes. Plätzchen. Lehnstuhl. Jawohl, das alte Eisen macht es sich gern mal bequem. Natürlich werde ich immer dabei erwischt. Später sind dann wissende Blicke die Belohnung dafür, wenn ich so am Schluss ankomme...

Nun aber wird gelaufen! Das geht hier, frisch gestärkt, auf ebenem Weg. Schnee liegt, aber nicht so tief, und unregelmäßiges Einbrechen hält sich in Grenzen. Der Wald ist toll, verschneit, still, im Nebel. Weit voraus oder weit hinten mal ein Farbtupfer, manchmal neben mir.

Einer meiner Lieblingssachsen begleitet mich. Das Gespräch zieht Kreise, man glaubt es ja nicht. Aber so tiefenentspannt, da ist fast alles möglich. Bis die Hunde kommen. Zwei Dalmatiner, weiß-braun (selten) mit Wintermantel im Galopp auf Herrchen zu. Kurz vor der Lausebuche lauerten sie uns auf. Riesenfreude, gleich haben wir‘s. Und wirklich, das Paradies am Brocken. Juliette serviert mir persönlich die Minestrone, heiß aus dem Kessel über dem Feuer. Was für eine Wohltat. Und hier soll ich wieder weg?

Naja, das Gepäck ist oben, das sollte ich schon holen. Und die Freunde warten, ich habe ja den Autoschlüssel. Es muss sein, schweren Herzens ziehe ich los. Ab hier ist nichts mehr speziell markiert. Die kleinen BC- Schildchen, die uns bisher geholfen haben, wenn auch oft ziemlich diskret, dürfen im Nationalpark nicht sein. Hier stehen große, präzise Wegweiser mit km-Angaben. Kopfrechnen, falls noch möglich, vertreibt die Zeit. Immerhin fehlen  Höhenangaben, die finden wir ja im Roadbook. Und an der Strecke ändert das ja nichts.

Komischerweise komme ich immer besser vom Fleck. Mein Tief liegt hinter mir. Das Tempo zieht an, der Schnee wird tiefer, der Weg kurviger. Später verläuft er parallel zur B4, bis Königskrug können wir den Verkehr hören. Vorsicht bei der Querung - am Besten die Verkehrsinsel vor dem Wirtshaus nutzen. Und bloß nicht ins Haus und die Riesenwindbeutel antesten. Später ja, unbedingt. Aber jetzt, so ein Trumm im Bauch, das kommt vielleicht nicht so gut...

 

 
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Unser VP ist gut bestückt und nur noch 12 km vom Ziel entfernt. Das bringt‘s irgendwie. Vorsicht, nun betreten wir die Loipen und begegnen den Skiläufern. Manche kriegen es gut hin, andere geraten außer Kontrolle, wenn wir im Weg sind. Wacker zur Seite, in Deckung, und alles geht gut. Es dämmert inzwischen und alle wollen nach Haus. Der Nebel wird dichter, und ab VP Oderbrück geht es im Finstern weiter. Keine Fotos mehr. Stramm aufwärts. Nein, doch noch nicht. Die ersten 2 km verlaufen relativ flach, bis, ja bis die Pistenraupe kommt mit dem Loipenspurer dahinter, quer über den Weg. Fluchend muss man da runter. Der Schnee ist nicht mehr so fest, das Laufen wird nun endgültig zum Wandern. Tja, und nun geht‘s aufwärts. Ein paar hundert Höhenmeterchen noch.

Da war noch die Rampe. Von einer Wegekreuzung direkt zur Brockenbahn hoch. Steil, aber wie. Und dann an der Bahn lang. Links davon, immer ansteigend, im festen Schnee. Das geht unerwartet gut. Und dann am Bahnübergang endlich die Brockenstraße. Links hoch, da lang, wo die Wanderer uns entgegenkommen. Die meisten sind Finisher und wünschen uns Glück, Günter erkennt mich trotz meiner Vermummung. Ich erkenne niemand, die Stirnlampen blenden fürchterlich. Von diversen Brockenmarathons weiß ich: ein, zwei Kurven noch, und ... Zieeel!!! Fast nicht zu erkennen, es ist stockfinster, sehr neblig, Schneefall setzt ein.
Aber die Begrüßung, der Jubel draußen,- es ist geschafft!

Nur noch die Wendeltreppe hoch, zu Goethe, wo die Familie wartet. Dusche, Toilette und Futter, ein Bierchen, die Urkunde, die Medaille und das Gepäck. Alles da. Wer sich nun entspannt zurücklehnt, hat hier wahrscheinlich ein Zimmer gebucht. Alle anderen dürfen sich wieder wetterfest aufrödeln und vom Gipfel runter. Zu Fuß natürlich,  Ziel Schierke. Dort fährt dann der Bus nach Göttingen ab. Wie man nun hört, gab das auch reichlich Anlass zur Freude. Die BC ist eben eine Herausforderung bis zum letzten Meter!

 

Fazit

Es war mir eine Ehre und eine Riesenfreude, an diesem Lauf teilnehmen zu dürfen. Niemand soll sich was vormachen, das ist ein Harter! Die Kälte ist das größte Problem dabei, da muss man sehr gut vorbereitet sein. Die Bedingungen wechseln von Jahr zu Jahr, daher lest alle Erfahrungsberichte gut durch. Dann kommt ihr auch heile da oben an und heile wieder runter.

Also: nach Sonnenuntergang, na, ihr wisst schon.

Übrigens: herzliches Dankeschön an meine wunderbare Ultrafamilie

 

Informationen: Brocken-Challenge
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