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I survived Carmel Highlands

 

Bei meinem 1. Start im Jahr 2011 kam es zu einem ungewöhnlichen Ereignis: Die Straße, die teilweise direkt am Pazifik verläuft, rutschte ein paar Monate vorher auf einem Teilstück ab und stürzte ins Meer. Somit konnte erstmalig nicht der vorgesehene Kurs als Point to Point gelaufen werden, sondern die Veranstalter mussten leider kurzfristig umdisponieren und Start und Ziel nach Carmel mit Hin- und Rücklauf verlegen.

Dadurch fiel auch eine der größten Herausforderungen der Strecke weg (Hurricane Point – der Name ist Begriff), sowie die schönste Brücke und das Markenzeichen des Marathons – Bixby Bridge.

Da war mir schon klar, dass ich wiederkommen musste. Das hört sich einfacher an als gedacht, der Lauf ist auf 4.500 Marathonis incl. Staffeln beschränkt und jedes Jahr ausverkauft. Im Juli 2013 war der 2014er Lauf nach 59 Minuten weg. Deshalb gibt es zusätzlich 21 Miler; 10,6 Miler; 9 Miler und 5 und 3km, um allen Läufern sowie Walkern eine Chance zu geben, einmal auf dem Highway 1 sportlich unterwegs zu sein.

Nachdem ich von dem Lauf in Big Sur zum ersten Mal 2009 beim Regensburg Marathon von Bob und Linda aus den USA hörte und eine Einladung dazu bekam – da diese quasi vor Ort wohnen – konnte das 2011 erstmalig in Anspruch genommen werden. Mittlerweile hat sich daraus eine echte Freundschaft entwickelt, sie besuchen jedes Jahr Europa und kommen auch immer zum Oktoberfest nach München. Für den Lauf 2014 hatte ich glücklicherweise einen Startplatz ergattert und hoffte heuer auf der Originalstrecke laufen zu können.

So ging es am Donnerstag, den 24. April mit Beate nach San Francisco und tags darauf nach Monterey zu Bob und Linda. Da es doch schon etwas später war, verschoben wir den Messebesuch auf den Samstag. Die Messe im Zentrum von Monterey im Conference Center ist übersichtlich, besuchen kann man Vorträge der amerikanischen Laufgurus Jeff Galloway und Bart Yasso (Chief Running Officer von Runners‘ World).

So holte ich mir zügig meine Startunterlagen incl. Busticket ab. Die Messe selbst ist wie in Deutschland gestaltet, es gibt alles Mögliche zu kaufen, aber doch wesentlich kleiner als z.B. in Berlin. Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Streckenbesichtigung per Auto. Da kamen mir doch schon die ersten Zweifel, ob ich mein Vorhaben von einer Zeit unter 3:30 umzusetzen ist, es sind einfach zu viele Höhenmeter und Wellen im Kurs vorhanden. Aber die Chance darauf wollte ich nicht canceln, es probieren und „in-sich-fühlen“ wie es geht, hieß die Devise.


 
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Abends ging es mit Beate zur Pasta Party ins Monterey Marriott. Es gab zwei Essenszeiten und alles wurde als Büffet mit Vor- und Nachspeise aufgetischt (Salat, Gemüse, Pasta, Fleisch, Kuchen, Joghurt, Obst, Kaffee, Wasser etc.). Da mich das schon 2011 beeindruckt hatte, bezahlte ich die 50 Dollar für zwei Personen gerne dafür.

Am Sonntag, dem Starttag, musste ich schon um 3.00 Uhr aufstehen, da mein Bus in den Big Sur State Park bereits um 4.00 Uhr losfuhr. Alle Teilnehmer wurden in den bekannten gelben Schulbussen in einer nicht endenden Schlange zum Startplatz gebracht. Alles war perfekt organisiert. Dort um ca. 5.00 Uhr angekommen, gab es reichlich Tee, sowie Obst und Gebäck zum Frühstück. Ich fand mich gut zurecht und konnte mich auch ein wenig unterhalten.

Die Zeit bis zum Start um 6:45 ging glücklicherweise relativ schnell vorbei. Da es im Gegensatz zu 2011 frühmorgens nicht kalt war, war die Kleiderwahl schnell getroffen. Vor dem Start gab es, wie immer in den USA, die Hymne live gesungen und es war wirklich total ruhig. Dann war ich mit der zweiten Welle am Start, den Startschuss selbst habe ich aber nicht gehört.

Ich lief mein eigenes Tempo ruhig und unspektakulär an, Zeit für viele Fotos unterwegs hatte ich aufgrund meines ambitionierten Zeitziels bereits von Anfang an nicht vorgesehen. So ging es die ersten 5 Meilen vom Start in der Big Sur Station (auf 300ft.) bis zum Andrew Molera St. Park 200ft. abwärts, ungefähr 60 negative Höhenmeter, waren somit problemlos ohne große Mühen zu laufen. Auf den nächsten 4,8 Meilen ging es mal kurz rauf und man sah nach den State Parks zum ersten mal den Pazifik in der Nähe des Point Sur Lighthouse. Dann ging esbis zum tiefsten Punkt der Strecke auf 40ft., an der Little Sur River Bridge, runter.

Dann aber: Das erste Highlight der Strecke stand an, der höchste Punkt Hurricane Point (560ft.), schon von weitem zu sehen. 2,2 Meilen mit 520ft. Höhendifferenz (ca. 160Hm). Die Strecke zog sich „optisch genial“ den Berg hoch, man sah die Läuferschar vor sich und der Anstieg nahm kein Ende. Die Ersten wechseln in Marschtempo. Im langsamen Laufschritt bewegte ich mich vorwärts, aber das Durchschnittstempo fiel konstant ab. Durch das Abwärtslaufen zuvor hatte ich aber planmäßig ein gutes Polster. Irgendwann war ich oben, aber frisch fühlte ich mich nicht. Die Aussicht auf das 2. Highlight, die nur 1,1 Meilen entfernte Bixby Bridge bei der Hälfte der Strecke bei 13,1 Meilen, sowie das wieder Runterlaufen auf 275ft. gab mir aber Kraft und Zuversicht. Richtig schnell war ich aber trotzdem nicht (hatte mir dabei etwas mehr erhofft).

Der Kurs war weiterhin permanent wellig, man kam am Rocky Point sowie der nächsten historischen Brücke bei 17,1 Meilen – Garrapata Bridge – vorbei. Da war mir klar, dass mein nur noch geringer Zeitpuffer für mein ehrgeiziges Ziel nicht ausreichen würde, denn es stand das dritte sportliche Highlight an, die berühmten Carmel Highlands. Für diesen Teil der Strecke gab es sogar extra T-Shirts zu kaufen „I survived Carmel Highlands“.

Ich kann es in Worten nur so beschreiben: Es ging die ganze Zeit auf längeren Teilstücken auf und ab, du hast das Gefühl, du bleibst stehen. Nicht wenige Läufer mussten gehen. Ein paar ganz gut trainierte  zogen langsam an mir vorbei, aber auch für die rechte es für 3:30 nicht mehr. Ist war es mittlerweile ohnehin egal, ich konzentrierte mich darauf, nicht gehen zu müssen. Ich musste  mich dazu wirklich anstrengen und war ziemlich fertig. Aber ich wusste, es gibt kurz vor Ende gleich leckere, riesige Strawberrys, das war fantastisch und motivierend in dieser herrlichen, grünen Landschaft kurz vor dem Ziel in Carmel.


 
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Bei Meile 24 zweigte man in den Point Lobos State Park ab, in dem musste ich 2011 eine Runde laufen, um auf die notwendige Distanz zu kommen. Jetzt waren es nur noch 2,2 Meilen und, ich wusste es schon, ein langer Anstieg vor dem Ziel. Die letzte Meile führte dann wieder abwärts zum Ziel in Carmel auf 25ft. Ich freute mich schon auf das Bier und entsprechend feierte ich auch den Zieleinlauf mit exakt 3:42:00. Beate, Linda und Bob erwarteten mich.

Der Sieger benötigte heuer 2:27:45 und kommt wie immer aus den USA. Ausländische Spitzenläufer sind aufgrund fehlender Preisgelder nicht am Start. Das ist auch so gewollt. Bei den Frauen benötigte die Siegerin 2:53:15. Erst beim Studieren der Ergebnisse wurde mir klar, dass ich eigentlich ganz gut unterwegs war mit Platz 24 in der AK, ich hatte das nicht erwartet. Nach Auswertung meiner GPS Daten sind 604 Hm zu bewältigen.

Fazit: Highland-Training wäre dringend notwendig. Aber völlig egal, der Lauf ist landschaftlich ein Hammer, obwohl fast keine Zuschauer an der Strecke sind.  Klar, der riesige Landstreifen Big Sur hat nur 25.000 Einwohner und an der Marathonstrecke liegt keine Ortschaft.

Ein kleines Schmankerl gab es noch am Nachmittag: Bob und Linda gehen jeden Sonntag in die „beer church“. Was das ist? Ganz einfach, es gibt wie bei uns Kneipen, die eine Vielzahl diverser Biere anbieten. Da treffen sich Freunde, bringen Essen (riesige Pizzas) und Knabbereien mit und genießen das Leben. Der Zweitplatzierte des Marathons, Lokalmatador Adam Roach aus Monterey (Vorjahresgewinner) mit einer Zeit von 2:29:31 kam plötzlich auch dazu und ich konnte mich mit ihm locker unterhalten. Er war überhaupt nicht unglücklich, da er die Strecke kennt, laufend dort trainiert, nur exakt nach seiner eigenen Uhr läuft und bis zuletzt gehofft hatte, den Sieger  spätestens in den Highlands überholen zu können. Der aber war an diesem Tag zu stark.


 
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Für 2015 gibt es eine Veränderung in den Anmeldeformalitäten. Da bei der first-come, first-served registration in den USA viele Interessenten keine Chance haben (auch wegen den extremen Zeitverschiebungen), gibt es jetzt im Juli 2014 vier verschiedene Anmeldemöglichkeiten zu unterschiedlichen US-Zeiten für jeweils 625 Teilnehmer zu einem Preis von 150$. Danach kommen 500 Interessenten mit einer einwöchigen Anmeldefrist in eine Lotterie.

Jetzt werden sich viele fragen, wie man da auf 4.500 Teilnehmer kommt. Der Rest teilt sich auf in 300 Charity Teilnehmer (300$), 400 Doppelstarter Boston und Big Sur, 300 Runner´s World Spezialpackages (kostet einiges mehr), Local Monterey Teilnehmer und Monterey County Militärangehörige sowie special charity und Tour Groups.

Es ist zukünftig extrem schwierig einen Startplatz zu ergattern, denn ich kam 2013 erst nach 40 Minuten überhaupt in das System. Am Einfachsten ist es über den Doppelstart Boston-Big Sur.

Ich hoffe trotzdem, vielleicht noch eine 3. Startchance zu bekommen. Ich empfehle jedem, das einmal zu probieren und mit einem kleinen Urlaub zu verbinden.

 


 

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