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Warum ich 100 Kilometer laufe

 

Einmal musst Du nach Biel. Dieser Satz stammt von Werner Sonntag, einer Koryphäe im Ultralangstreckenlauf. Für mich ist es bereits das zweite Mal. Verletzungsbedingt konnte Norbert letztes Jahr nur auf dem Fahrrad dabei sein. Ehrensache, dass ich noch einmal mitlaufe. Natürlich laufen wir nicht zusammen. Aber das Erlebnis soll ein Gemeinsames sein.

Wir reisen bereits am Donnerstag an. Unsere winzige Bed und Breakfast Unterkunft ist nur wenige hundert Meter vom Kongresshaus entfernt. Weil in Biel Parkplätze Mangelware sind, gibt es auch am Hotel keine. So machen wir uns auf den Weg zur Startunterlagenausgabe. Auf dem Platz vor dem Kongresshaus  gibt es kostenfreie Parkmöglichkeiten. Das nehmen wir gerne an. Nachdem wir die Startunterlagen samt Startertasche bekommen haben, verschaffen wir uns einen Überblick über das Gelände: Vor dem Kongresshaus ist der Starterbogen aufgebaut und die Schülerläufe sind in vollem Gange. Auf der anderen Straßenseite, auf dem großen Platz gibt es ein Festzelt und ein zusätzliches Barzelt. Die Sporthalle Esplanade, wo im letzten Jahr das Massenlager für die Läufer war, ist abgeschlossen. Die Kollektiv-Unterkunft ist in diesem Jahr in der Zivielschutzanlage Sahligut ca. 3 km vom Start entfernt. Laut Veranstalter werden Shuttlebusse eingesetzt.

Der nächste Tag beginnt mit einem späten Frühstück. Gegen Mittag wandern wir zum Auto, um uns dort nochmals abzulegen, denn die Nacht wird lang. Hier heißt es, bitte die Tiefgarage nutzen. Hier gibt es laut Ausschreibung Sondertarife für das Laufwochenende. Nach einiger Verwirrung am Infoschalter erhalten wir ein blaues Parkticket, das uns für 15 Franken, 24 h Parkzeit  gewährt. Dort steht das Auto zwar sicher, aber wir bekommen vom Leben über uns nichts mit. Gegen 21 Uhr machen sich an den Nachbarfahrzeugen die Fahrradbegleiter bereit. Nach einem Briefing werden sie um 21 Uhr 30 mit Polizeischutz nach Lyss eskortiert.

 

 
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Dann wird es auch für uns Zeit. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und taucht den Startbereich in die typische Biel-Atmosphäre: Vorstart-Spannung im Abendrot. Der abgesperrte Startbereich vor dem Kongresshaus ist leer. Dafür sind die Straße und die Treppe vor dem Kongresshaus mit Läufern bevölkert. Mittendrin im Getümmel erfolgt die Ehrung diverser Jubilare. Vermutlich sind die meisten Läufer gerade mit sich selbst beschäftigt, so dass die Zeremonie etwas untergeht. Zusätzlich zu der traditionsreichen 100 km Strecke wird zum ersten Mal auch ein Ultramarathon über 56 km ausgetragen.

Langsam füllt sich der Startbereich. Die Musik puscht die Läufer und die Sprecherin tut ein Übriges. Endlich ist der ersehnte Moment gekommen. Ein lauter Knall ertönt und es geht los. Die „Toten Hosen“ verabschieden uns mit ihren „Tage wie dieser“ und wir laufen an Hunderten von kräftig jubelnden Zuschauern vorbei. Die Straße ist taghell erleuchtet, so dass man ganz gut sehen kann. Natürlich muss man im dichten Feld aufpassen: immer wieder kommen unvermittelt Mittelpfosten, kleine Verkehrsinseln oder einfach nur der Laufnachbar, der dringend überholen muss.

Schnell erreichen wir den Zentralplatz, dann geht es ein Stück am Kanal entlang. Die erste Brücke bringt uns auf die andere Seite des Kanals. Zweimal links und wir laufen auf der General-Dufour Straße richtungsmäßig wieder zurück. Biel ist die einzige Stadt der Schweiz, in der es eine gesetzliche Zweisprachigkeit von Behördenseite gibt. So sind auch alle Straßenschilder in Deutsch und Französisch. Es geht rechts, links und wieder rechts; so kommen wir wieder auf den Zentralplatz zurück, aber diesmal von der anderen Seite. Auf diesem optimaler Platz für Zuschauer ist entsprechend viel los. Eine erste Wasserstelle nutze ich, um mir Wasser über den Kopf zu kippen. Mir ist schon richtig warm geworden. Obwohl wir uns noch in der Stadt befinden, wird es jetzt ruhiger. Die Ansammlungen von Fans werden weniger. Es sind aber immer noch genug da, die einen aufputschen und anfeuern.

 

 
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Das erste Schild zeigt km 5. Dahinter folgt eine Steigung, an der sich die Anwohner eingefunden haben, um die Läufer abzuklatschen. Die meisten meiner Mitstreiter laufen hier herauf. Mir ist das zu steil und so gibt es die erste Gehpause. Schon von weitem hört man die dunklen Klänge eines Alphorns. Tatsächlich steht oben an der höchsten Stelle ein junger Mann, ganz in sein Spiel vertieft. Die Läufer quittieren das mit anerkennenden Worten. Bald geht es wieder bergab. Hier steht ein weiterer Musikenthusiast mit Akkordeon - welch nette Idee.

In Port geht es auf der großen Wehrbrücke über den Nidau-Büren-Kanal mit seiner Schiffsschleuse. Der Nidau-Büren-Kanal verbindet den Bielersee mit der Aare und dient der Wasserregulierung der drei Juraseeen Bielersee, Neuenburgersee, Murtensee und der Aare. In Jens gibt es die erste Vollverpflegung und wir kommen auf die Felder.

Der Wind frischt jetzt kräftig auf und wird zu einem regelrechten Sturm. Schon seit einiger Zeit wird der nächtliche Himmel von hellen Blitzen erleuchtet. Für 2 Uhr ist Regen angekündigt. Das ist noch eine Weile hin; wir haben ja noch nicht einmal Mitternacht. Gerade denke ich noch daran, da spüre ich schon die ersten Tropfen. Kein Problem, ein bisschen Regen macht mir nichts aus. Immer mehr Läufer bleiben stehen und holen Jacken aus ihren Rucksäcken. Soll ich, oder soll ich nicht? Dann wird mir die Entscheidung abgenommen. Ein Schauer geht nieder und binnen einer Minute bin ich vollständig durchnässt. Da ein Ende des Regens nicht absehbar scheint, fummle ich aus meinem Rucksack meinen Notfallregenumhang, eine dünne Folie mit Arm- und Kopflöchern. Leider kann ich in der Dunkelheit und dem böigen Wind nicht die richtigen Öffnungen finden und stülpe mir daher das Teil über, wie es gerade kommt. Es ist nicht optimal und so suche ich Schutz unter einem Partyzelt. Als ich gerade meinen Umhang zurecht rücken will, fangen die Zuschauer an, das Zelt abzubauen. Der Wind ist so stark und könnte das Zelt beschädigen. Bevor mir das Dach über dem Kopf weggezogen wird, habe ich aber mein Ziel erreicht. Mein Umhang sitzt jetzt wenigstens einigermaßen richtig.

Der Regen lässt nicht nach und schnell ist aus dem Weg eine einzige Pfütze geworden. Ein Radler klingelt hinter mir und kündigt den Führenden des Halbmarathon an. Der Start vom Halbmarathon war um 23.30 und der der Militär-und Zivilstaffel war eine Stunde nach unserem. Durch den Regen hindurch, versuche ich einen Blick auf die Läufer zu werfen. Sie sind schnell unterwegs und alle leicht gekleidet. Ab jetzt kommen immer öfters schnelle Läufer von hinten, die sich im Slalom durch das Ultrafeld bewegen.

Ich bin froh, als wir die überdachte Holzbrücke von Aarberg bei km 18 erreichen. Die Brücke ist aus dem 16. Jahrhundert, führt über die alte Aare und ist natürlich nur für Fußgänger und Radler. Hier stehen immer viele Zuschauer Spalier - ein erstes Highlight für uns Läufer. Weiter geht es in den Ort. Vom mittelalterlichen Stadtbild bekommen wir nicht viel zu sehen. Es regnet immer noch in Strömen und es ist dunkel. Auf dem Marktplatz ist das Halbmarathonziel und deshalb relativ viel los. Kein Vergleich allerdings zum letzten Jahr, als es warm und trocken war. Außerhalb des Ortes kommt die zweite VP.

 

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Informationen: Bieler Lauftage
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

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