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Laufberichte

Auf allen Vieren auf der schwarzer Piste

31.05.09

Dieses Mal kein Marathon, dafür ein knüppelharter Berglauf mit amtierenden Berglaufmeistern. Von Meran auf Meran 2000, der Wintersportdestination in Südtirol. Da dieser Lauf gerade in meinen jährlichen Wanderurlaub fällt, will ich teilnehmen und auch Euch an diesem Erlebnis teilhaben lassen.

Zum vierten Mal gibt es diesen Berglauf von Meran hinauf nach Meran 2000, für die erfahrenen Bergziegen wohl eine erste Startgelegenheit nach der langen Winterpause.

Wo liegt denn eigentlich Meran? Nun, im deutschsprachigen Südtirol. Gut und schnell über den Brennerpass und der Brennerautobahn zu erreichen. In Bozen Süd fährt man von der Autobahn A22 ab und biegt nach zahlreichen Kurven und der Mautstelle auf die MeBo ein. Das ist die Superstrada Meran Bozen und die führt uns schnell nach Meran.

Die Stadt hat gut 35000 Einwohner und ist damit nach der Landeshauptstadt Bozen die zweitgrößte Stadt in Südtirol. Sie liegt inmitten eines Talkessels, umgeben von teilweise über 3000 m hohen Bergen. Täler zweigen ab in das Vinschgau (Richtung Reschenpass), Passeiertal und Ultental.

Bereits zu römischen Zeiten befand sich hier eine befestigte Siedlung mit dem Namen castrum maiense, die heute auf den Stadtteil Mais hinweist. 857 wurde die Stadt als Mairania erstmals erwähnt. Hier in der landesfürstlichen Burg verstarb der Minnesänger Oswald von Wolkenstein.

Durch die Lage der Texelgruppe wird Meran gut vor Regen und kalten Winden geschützt. Das mediterrane Klima sorgt für rund 300 Sonnentage im Jahr. Nachdem der Winter Südtirol ausgiebig mit Schnee versorgt hat, ist jetzt im Spätfrühling vom daraus resultierenden Wasserreichtum fast nichts mehr zu sehen. Die umgebenden Wälder sind trocken und der Schnee hat sich in die Hochregionen zurückgezogen. Die Obstgärten müssen jetzt schon laufend beregnet werden.

Womit wir beim Laufen angekommen sind. Die Kurve habe ich gerade noch bekommen. Was ist denn alles beim Berglauf möglich. Nun, es gibt nur eine kleine Auswahl, die es aber in sich hat. Die Männer können ihre Kräfte auf dem 14 Kilometer langen Weg nach Meran 2000 testen. 1700 Höhenmeter gilt es zu bezwingen. Frauen, Junioren und Hobbyläufer steigen in Schenna ein, sparen vier Kilometer und 300 Höhenmeter, und der Kurs ist auch nicht viel einfacher.

Die Startgebühren sind günstig. So nimmt man 15 EUR von Frühmeldern und 25 EUR bei Nachmeldungen. Dafür gibt es die übliche Versorgung mit Wasser, Iso, Cola und Bananen auf der Strecke, im Ziel finden wir dann zusätzlich warmen Tee, Karamellbonbons, Joghurt, Käse und Schüttelbrot. Da freu ich mich schon vor dem Start drauf. Ach ja, ein funktionelles Shirt erhält jeder bereits bei der Startnummernausgabe. Wer sein Shirt zu Hause vergessen hat, kann das neue neonfarbene bereits „einweihen“.

Gesorgt ist auch für den Gepäcktransport zum Ziel auf dem Piffing und für die Rückfahrt mit der Bergbahn. Alles im Startgeld enthalten. Und wer schnell genug ist, der kann sich noch einen Geldpreis oder wertvollen Sachpreis sichern.

Start für den Berglauf ist direkt an der Kurpromenade. Das Auto stelle ich in der Parkgarage der Therme ab. Ein „wildes“ Parken wird nicht empfohlen, da die Meraner Exekutive rigoros abschleppen lässt. Die paar EUR sind fürs Parken gut angelegt.

Nachdem ich meine Unterlagen empfangen habe, finde ich noch ein wenig Zeit mich umzusehen. Das Kurhaus deutet auf eine lange Tradition als Kur- und Fremdenverkehrsort hin und so ist es auch noch heute. Um die Ecke ist das Denkmal von Elisabeth von Österreich-Ungarn, ja das ist die bekannte Sissi. Wo ist na der Franzl?

 
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Von der Kurpromenade beginnen wir unser Unterfangen und wer noch Zeit hat, der kann sich ja noch die Laubengasse, den Tappeinerweg oder die Gärten von Schloss Trautmannsdorff ansehen. Für einen Urlaub gäbe es genug zu besichtigen.

Die Zeit vergeht wie immer viel zu schnell, denn wir werden schon aufgerufen. Zuvor werden noch die bekannten Geheimfavoriten vorgestellt. Und das sind der mehrfache Berglaufweltmeister Jonathan Wyatt, Inhaber des Streckenrekordes und momentaner Dominator der Berglauf-Szene und der Tscheche Robert Krupicka. Mitspielen um den Gesamtsieg wollen die Südtiroler Cracks Hannes Rungger und Gerd Frick. Letzterer hilft noch beim Veranstalter, dem ASV Telmekom Team Südtirol, beim Organisieren. Der Tourismusverein Schenna gehört ebenfalls noch dem OK an.

 
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Bei den Frauen ist das Feld nicht minder stark besetzt. Antonella Confortola sowie Liudmila Di Bert und Edeltraud Thaler dürften Siegchancen haben. Ja, und eine Neuigkeit erfahre ich so nebenbei. So hat der charmante Jonathan die Antonella erst vor kurzem geheiratet. Na wenn das keine gute Ausgangslage für die beiden ist.

Punkt 09.45 Uhr werden wir dann von Haflings Bürgermeister Josef Reiterer per Pistolenschuss auf die Reise geschickt. Die Spitze ist dann nach wenigen Minuten nicht mehr zu sehen.

 
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Die Strecke führt zunächst auf der Kurpromenade, dann überqueren wir die Passer auf einer Brücke. Ich lasse mit Zeit auf den ersten Metern, denn die auf mich wartenden 1700 Höhenmeter sind halt kein Pappenstiel. Ja, wer für einen Bergmarathon im Sommer schon mal die Höhendifferenz üben will, dem kann ich Meran nur empfehlen.

Wir verlassen die Kurstadt und laufen jetzt auf Sandwegen entlang der Passer und durch Apfelgärten. Bei Kilometer drei verlassen wir dann das flache Terrain, der Untergrund wird jetzt asphaltiert. Oberhalb von mir sehe ich bereits Schenna.

Schenna mit fast 3000 Einwohnern hat sich in den letzten vier Jahrzehnten zu einem bedeutenden Tourismusort entwickelt. Es geht jetzt schon steil bergauf, noch läuft alles im Laufschritt, auch wenn meinen beiden Verfolgern ein Sanitäter im Genick sitzt.

 
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Kilometer vier, rechts sehe ich das Schloss Schenna, eines der bedeutendsten Schlösser in Sürtirol. Eine Besichtigung der Prunkräume ist möglich. Wenn wir nach links schauen, sehen wir auf der anderen Bergseite Dorf Tirol mit seinem Schloss.

Auffallend viele Zuschauer, Touristen und Bewohner haben sich jetzt versammelt, denn die Damen starten in wenigen Minuten. So kann ich noch den Applaus genießen. Nach einem kurzen Wegstück verlassen wir Schenna, es geht weiter durch Apfelgärten. Die Steigung hat ein wenig nachgelassen.

Ja, der Veranstalter hat den Parcours gut ausgeschildert. Es sind Kilometerschilder vorhanden, zahlreiche Posten und Helfer von Bergrettung, Feuerwehr und Polizei sorgen für die Absperrung. Kreidestriche auf dem Boden markieren unsere Richtung und lassen ein Verlaufen nicht zu.

Etwa bei Kilometer sieben ist es dann soweit. Die führenden zwei Frauen kommen von hinten herangebraust. Die höre ich gar nicht schnaufen. So schnell ich kann, mache ich meinen Fotoapparat betriebsbereit und kann daher wenigstens ein Bild mit Rückenansicht der beiden schiessen.

 
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Wir verlassen das offene Gelände und tauchen in den Wald ein. Jetzt nehmen die Steigungsprozente zu. Bis Kilometer zehn im Schnitt über 20 Prozent. In Zahlen ausgedrückt: Auf drei Kilometer über 600 Höhenmeter. Mir scheint, dass das der alte befestigte Weg nach Meran 2000 ist.

Auf alle Fälle rasseln die Lungen. Es kommt zwar immer wieder eine kleine Asphaltstraße zum Überqueren, aber wirkliche Entlastung bringt das nicht, da wir immer wieder auf die „Diretissima“ einbiegen.

Ich komme mit Cesare D’Eredita ins Reden. Er kommt vom AS Merano und ist Veranstalter des Merano Running Cup. Später empfiehlt er Redepausen, da wir die Luft anders brauchen.

An einer Kapelle warten zwei Zuschauer und feuern uns an. Ja, auf dem Anstieg sind fast keine zu sehen. Lediglich ein paar verirrte Wanderer und Zuschauer bei den Bergalmen sprechen uns an.

Kurz nach dem Gasthaus Gsteier (1377 Meter) besagt ein Wegweiser, dass nach Meran 2000 noch eine Wanderzeit von 100 Minuten zu veranschlagen ist. Für vier Kilometer!

 
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Der Weg wird etwas weniger steil, dafür aber ein wenig schmaler. Ein MountainBiker hat sich verlaufen oder verfahren. Nein, beide Worte stimmen nicht. Ein Biker läuft nicht und fürs Verfahren ist’s zu steil und steinig. Er ist halt in der Irre. Er wird schon wieder auf den rechten Weg kommen. Noch zwei Kilometer.

Jetzt geht es ein kurzes Stück durch grobe Felssteine. Aufpassen. Dann auf einer kleinen Wiese abermals eine V-Stelle. Den Kindern macht es einen Heidenspaß, die Läufer mit Trinkbarem zu versorgen.

Kilometer 13. Da bleibe ich mit meinem Schlendrian an einer Wurzel oder ähnlichem hängen und mich haut’s fast auf die Schnauze. Gut, dass ich nicht schnell unterwegs bin und gut, dass der Boden hier weich ist. Lediglich dreckige Finger sind die Quittung. Keiner hat meinen Lapsus gesehen, also aufgerappelt und weiter.

Dann höre ich bereits Lautsprecher. Das Ziel ist somit nicht mehr weit. Ich verlasse den Wald, sehe links die Zuegghütte (1758 Meter) und vor mir die ganze Chose. Es geht schnurstracks einen Abfahrtshang hinauf. Sausteil. Aber nicht gerade, sondern immer wieder seitlich ausweichend, wie beim Slalom.

 
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Noch ein schnelles Getränk bei der Hütte gegriffen und abgepumpt. Man spielt Schlagerschmarrn wie „Komm hol das Lasso raus“. Und mit Anlauf gehe ich an die Steigung heran. Hat aber nichts geholfen, höchsten für die ersten zwei Meter.

Vor mir sehe ich eine Dame. Eigentlich in Schlagdistanz, aber hier an diesem Hang meilenweit entfernt. Mein Ziel von zwei Stunden sehe ich schwinden.

Auf halber Strecke zum Ziel stehen links zwei Burschen mit Glocken, die mir weiterhelfen. Und dann eine bekannte Stimme. Zuerst kann ich sie nicht zuordnen, dann aber doch. Der Hartmann Stampfer ist’s, der müsste doch eigentlich in Florenz beim Passadore sein. Letzte Anfeuerung von ihm und seiner Frau. Letzte Meter.

Dann kommt wieder der Schalk in mir durch. Ich krabble die letzten Meter auf allen Vieren durchs Ziel und setze mich dann auf den Allerwertesten. Zum Fotografieren der Verfolger. Jemand hängt mir eine Alufolie über.

Hat’s Spass gemacht? Ja, auf alle Fälle. Vielleicht kann der eine oder andere noch einen Sportler mitbringen im nächsten Jahr. Dann haben wir noch mehr Freude und Freunde am Berg. Wie wär’s?

 
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Ergebnisse:
Männer, 14 Kilometer, 1700 Höhenmeter
1. Wyatt Jonathan Craig, Atletica Trento CMB, 01:16:15.73
2. Krupicka Robert, CZE, 01:17:50.97
3. Rungger Hannes, Atletica Brugnera Fr, 01:19:03.53
4. Frick Gerd, Telmekom Team Südt., 01:21:54.12
5. Brunner Rudi, SC Meran Marathon, 01:22:47.95
6. Mamleev Mikhail, Atletica Brugnera Fr, 01:23:27.39

Frauen/Junioren, 10 Kilometer, 1400 Höhenmeter
1. Confortola Antonella, G.S. Forestale, 01:12:53.64
2. Thaler Edeltraud, Telmekom Team Südt., 01:15:21.01
3. Di Bert Ljudmila, G.S. Gabbi, 01:16:24.12
4. Ungericht Hannes, Telmekom Team Südt., 01:17:42.93
5. Schmitz Sylke, GER Team Skinfit, 01:19:59.01
6. Theiner Petra, SCM Forst Volksbank, 01:21:31.22

Zeitnahme:
Manuell

Logistik:
Stadtnummernausgabe auf der Kurpromenade in Meran oder in Schenna.

Verpflegung:
Fünf, sechs Stellen mit Wasser, Iso, Cola, Bananen. Im Ziel zusätzlich warmer Tee, Schüttelbrot, Käse.

Zuschauer:
Wenig, hauptsächlich in Meran und Schenna und natürlich im Ziel.

Strecke:
Die ersten drei Kilometer zum Einrollen auf breiter Piste. Erster Steigungstest nach Schenna hoch. Durch den Ort auf Asphalt weiter ansteigend, noch laufend. Erholungsphase durch die Apfelgärten bis Kilometer 7. Dann schwere Steigung bis Gsteier (600 Höhenmeter auf drei Kilometer). Etwas weniger steil auf den folgenden vier Kilometer bis zur Zuegghütte. Endspurt auf dem Slalomhang hoch zum Piffinger Köpfl (etwa 30 Grad Steigung, nicht Prozent!).

Fazit:
Für Bergmarathonis fast ein Muss. Wo kann man so zeitig im Jahr einen Berglauf mit 1700 Höhenmetern machen. Für Teilnehmer an Graubünden, Liechtenstein oder Davos ein erster Test. Der Lauf hat auf alle Fälle mehr Teilnehmer verdient, denn die Sollzeit beträgt 3.30 Stunden. Nächster Termin: Ende Mai/Anfang Juni 2010.

 

Informationen: Berglauf Meran 2000
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