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Laufberichte

Trailrunning und Dauerregen

 

Die Laufgemeinschaft Kirchdorf unter der Leitung von Herbert Hufnagel veranstaltet am Christi Himmelfahrtstag seit Jahren diesen infolge seines Streckenprofils recht anspruchsvollen Marathon mit ca. 1300 Höhenmeter auf 2 Runden. Voriges Jahr lief der österreichische Rekordhalter bei den Marathonsammlern, Gerhard Wally, hier seinen 500. Marathon bei herrlichem Sommerwetter.

Diesmal spielt das Wetter nicht mit. Als ich mit dem Auto von Wien aus über die A1 und beim Knoten Voralpenkreuz dann weiter über die Phyrnautobahn anreise, regnet es in Strömen. Der Wetterbericht in der Region kündigt Dauerregen an. Es hat kaum mehr als 10 Grad C, viel zu kalt für die Jahreszeit.

Im letzten Jahr waren der Hauptplatz und die Bänke rund um den Start- und Zielbereich mit vielen Zuschauern gefüllt. Diesmal sehe ich nur ein paar Kirchengänger nach der Feiertagsmesse und die Pentek-Betreuer bei der Zeitnehmung. Meine Startnummer samt einem prall gefüllten Sackerl erhalte ich im Gemeindeamt, wo man sich auch nachmelden kann.

Seit 8 Uhr 30 sind die Ultraläufer schon auf dem Kurs. Dem Marathon ist nämlich auch ein Ultralauf über 63,3 km angeschlossen. Die Halbmarathonläufer starten gemeinsam mit den Marathonläufern um 11 Uhr. Die Schlusszeit für den Marathon wurde mit 6 Stunden für 17 Uhr festgesetzt.

 

 
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Bis zum Start verbleiben mir noch rund 45 Minuten. Es regnet noch leicht, doch die Luft ist frisch. Der Stadtplatz von Kirchdorf an der Krems, das im Traunviertel im hügeligen Alpenvorland im Süden von Oberösterreich liegt, ist das eigentliche Zentrum. Hier befinden sich herrlich renovierte Bürgerhäuser wie z.B. das Rathaus. Unmittelbar daneben die dreischiffige, spätgotische Pfarrkirche des Heiligen Gregor, die zwischen 1471 und 1491 erbaut wurde. Auch das zu einem Kulturzentrum ausgebaute Schloss Neupernstein mit Angeboten im Bereich Kleinkunst und Musik ist zu erwähnen.
 
Kirchdorf ist aber nicht nur wegen seiner Sehenswürdigkeiten und Initiativen bekannt, sondern aus dieser Gegend stammen so berühmte Persönlichkeiten wie z.B. der frühere erfolgreiche Beach Volleyballer Clemens Doppler, die legendäre Josefine Hawelka, Mitbesitzerin des Wiener Kaffeehauses Hawelka, die 2005 einige Jahre vor ihrem ebenso bekannten Gatten Leopold verstorben ist, sowie die Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, die inzwischen alle Achttausender ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff bestiegen hat.

Voriges Jahr hatte ich mich auf die vielen Mehlspeisen gefreut, die auf die Läufer beim ersten Durchlauf sowie nach dem Finish warteten. Doch als bei hochsommerlichem Wetter nach 5:32 Stunden einlief, war davon fast nichts mehr übrig. Da die Teilnehmeranzahl bei den drei Bewerben heuer geringer ist, das sieht man an der Starterliste, könnte es sich vielleicht diesmal für das Kuchenbüffet ausgehen.

 

 
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Schon letztes Jahr war ich von der landschaftlich schönen und abwechslungsreichen Strecke sehr angetan. Rund vier Fünftel des mit 1300 Höhenmeter bei 2 Runden ausgewiesenen Marathonkurses verlaufen auch heuer wieder auf Asphalt, die restlichen 20% auf Schotter, Wiesen- und Wanderwegen und bieten auch für Trail-Runner was. Wegen der äußeren unwirtlichen Bedingungen wird der Marathon aber dieses Mal schwieriger werden. Wer den  Sonnenschein im Herzen trägt, wie so manch abgeklärter Marathonveteran, dem ist jedes Wetter recht.

Ich hingegen bin seit letztem Samstag gezeichnet, dies in doppelter Hinsicht: Beim Schoberstein-Marathon ließ man mich trotz anfänglicher Zusage wegen Zeitüberschreitung nicht mehr auf die 5. Runde. So habe ich 3000 (!) Höhenmeter während der 8:43 Stunden wohl für Trainingszwecke zurückgelegt. Nur erkenne ich keinen Mehrwert, denn mir tun die Oberschenkel immer noch weh, auch den Meniskus im rechten Knie spüre ich weiterhin. Dies war auch ein Grund, warum ich abwärts nicht richtig laufen und so auch keinen Zeitrückstand auf den vier Runden aufholen konnte.

Meine Schongang-Devise für heute lautet: „Schau, dass du die erste Runde mit 2:45 beendest, dann bleiben dir für den zweiten Halben 3:15 Stunden.“ Sollten sich 6 Stunden dennoch nicht ausgehen, kann man auf eine gewisse Toleranz hoffen, wie dies ja so üblich ist.

Nach dem Start pünktlich um 11 Uhr geht es stadtauswärts in östliche Richtung auf der Krankenhaus-straße weiter die Hausmanninger Straße bald leicht ansteigend bergauf. Der Kurs führt nach ca. 2 km von der Asphaltstraße weg auf eine, weil von den Läufern bei Regen stark beansprucht, inzwischen gatschige Grasschneise. Auch meine Schuhe sind inzwischen durchnässt. Wir laufen durch ein Waldstück, bevor nach vier Kilometer die Ortstafel von Schlierbach sichtbar wird.

 

 
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Schlierbach ist vor allem wegen seines gleichnamigen Zisterzienserstiftes weit über die Landesgrenzen OÖ hinaus bekannt. Dieses fungiert als Bildungszentrum u.a. mit einem Gymnasium, betreibt Glasmalerei und -werkstätten, eine Klosterkäserei und verfügt über eine bedeutende Stiftsbibliothek. Als Ort des Glaubens bemüht sich die klösterliche Gemeinschaft im Stift Schlierbach, suchenden Menschen Wege und Impulse zur Lebensgestaltung aufzuzeigen. Ich bin immer sehr angetan, wenn ich ein Kloster sehe. Die Geschichte der Klöster ist faszinierend. Jene, die für gestresste Manager einen Ort der spirituellen Kontemplation an einem langen Wochenende mit Fasteneinheiten anbieten, sind geradezu überlaufen. Mich faszinieren die Bibliotheken unserer Klöster wegen der vielen handschriftlichen Sammlungen oft aus der Zeit des Hochmittelalters.

Zum Verweilen bleibt aber keine Zeit, die Schnappschüsse bei Regen sind fototechnisch meistens schlecht. Am Ortsende von Schlierbach befindet sich nach 5 km die erste Labestelle. Ich habe bei einer Abwärtspassage drei Läufer überholt. So schlecht kann es dem rechten Knie ja gar nicht gehen, sonst hätte es sich schon gemeldet. Während die anderen stehenbleiben und zum Wasser- und/oder Iso-Becher greifen, dazu ein Bananenstück nehmen, versuche ich etwas Boden gut zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt sind aber nur mehr ein halbes Dutzend Läufer knapp hinter mir. Ich rechne damit, dass bei der nun folgenden langen Aufwärtspassage den Käfergraben hinauf nach Oberschlierbach bis zum nächsten Kontrollpunkt sowohl welche nachkommen und mich einholen werden, als auch mit dem Umstand, dass ich einige Marschierer überrunden werde.

Das Erlebnis einer unberührten Naturlandschaft spricht für die Teilnahme am Über Drüber Marathon. Links und rechts der Straße duften die Waldblumen, im Regen können sich die Pflanzen in voller Schönheit entfalten. Imker bieten auf einer Anschlagtafel ihren gesunden Honig aus der Region an. Nebelschwaden steigen am Waldrand auf, der Regen wird andauern. Einzig die vielen Nacktschnecken sind die Leidtragenden, denn auch wir Läufer steigen manchmal auf eine drauf, weil sie zu zahlreich auf den Wegen anzutreffen sind.

 

 
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Die Nummer 763 habe ich schon zweimal überholt, aber der Kollege bleibt dran. Bei der zweiten Labe nach ca. 8 km verweilt er dann wieder, während ich knipse. Aufwärts laufe ich nur auf flacheren Passagen, mit schnellem Gehen komme ich auch gut vorwärts. Um ein weiteres Schockerlebnis nach dem Schoberstein-Desaster zu vermeiden, achte ich heute darauf, mit 2:45 die erste Runde zu beenden.

Bei Oberschlierbach erblicke ich ein überdachtes Tafelgestell, auf dem die Familie Reiter Honig aus der eigenen Imkerei auf einem bemalten Holzbrett bewirbt. Verwandt sind die Leute mit mir nicht, obwohl auch ich sehr gerne Waldhonig esse.

Endlich ist der 10 km-Kontrollpunkt in Oberschlierbach erreicht, schon 1 ½ Stunden sind vergangen. Bei der Labe stehen zwei Halbmarathonläufer, die es weniger eilig als ich haben. Selbst wenn sie noch 2 Stunden unterwegs sein sollten, Pentek bleibt vor Ort und sie kommen in die Wertung.
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Informationen: Über-Drüber-Marathon
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