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Laufberichte

Die Erfinder vom Baukasten-Marathon

13.03.10

Achtung: Teilnehmerbegrenzung! Maximal 1.500 Sportler können starten, keine Nachmeldung möglich, man akzeptiert nur Voranmeldung!

Man glaubt es kaum aber es ist wirklich so. Während sich die meisten Marathonveranstalter freuen, dass Nachmelder das Feld komplettieren,  melden die Salzufler schon manches Mal „ausverkauft“.  Auch ich stand schon vor geschlossenen Meldelisten.  Dieses Jahr war ich  rechtzeitig dran  und so kann ich als „Laufender Reporter“ starten.

Nach Ablauf der Voranmeldefrist am 20.02. hatten sich 1487 Läuferinnen und Läufer angemeldet,  1277 wollen beim Marathon bzw. einem der Blockläufe starten. Für den 10 Km Lauf haben 168 und  für den 10Km Walking + Nordic-Walking haben 42 Personen gemeldet. 5 Tage vor dem Lauf hieß es: „Der diesjährige 18. Marathon-Wettbewerb muss wegen Eisglätte auf der Strecke im Wald auf den 13. März 2010 verlegt werden! Na ok. So habe ich 2 Wochen mehr Zeit, mich auf diesen hügeligen Lauf vorzubereiten. Durch die Verlegung ist er zwar 1 Woche vor meinen Rom-Marathon, aber was soll`s, als Sammler mache ich mir da keine Gedanken. Wenn man die Starterliste einige Tage vorm Lauf sich ansieht, sind doch einige zurückgetreten und haben dafür Nachrückern Platz gemacht. Ausnahmsweise sind heute sogar Nachmelder zugelassen.

Bad Salzuflen, die Bäderstadt im Lippischen Land liegt nur 120 Km von meinem Heimatort entfernt. Das Lippische Land ist mir bekannt durch meine Außendiensttätigkeit in der 80er Jahren. Zur besseren Orientierung, Bad Salzuflen liegt ca. 20km nordöstlich von Bielefeld. Auch Bielefeld steigt in diesem Jahr in den Marathonzirkus mit ein. Der 1. Marathon findet am 10.10.10 statt, wenn alles klappt.

Nun einiges kurz zur Stadt: Die erste Erwähnung als „Uflon“ geht schon auf das 11. Jahrhundert zurück wegen einer in der Nähe befindlichen Salzstätte. Salz ist auch heute noch das Elixier der Stadt, das zwei Gradierwerke mit Sole versorgt. Für mich als Asthmatiker ist ein Bummel entlang der Gradierwerke wie ein Spaziergang am Meer. Schon in 30m Tiefe befinden sich auch geothermische Wärmequellen, die Bad Salzuflen  zu einem der beliebtesten Kurbäder Deutschlands macht.

Nur kurz ein Ausflug zur Gesundheit für des Läufers so wichtigen Atemwege. In Bad Salzuflen rieseln täglich bis zu 600.000 Liter Sole über die Schwarzdornwände. Der dabei entstehende Solenebel gelangt durch das aktive Einatmen mit einer Fülle vitalisierender Mikro-Partikeln in die Atemwege. Dies stimuliert die Durchblutung der Lunge und den Sauerstofftransport ins Blut auf ganz natürliche Weise.

Für den kulturell Interessierten gibt es wunderschöne, kostbar verzierte Fachwerkhäuser aus der Zeit der Weserrenaissance des 16. und 17. Jahrhunderts. Rund um den Marktplatz gibt es aber auch mehrere Massivbauten wie das Rathaus von 1530. Es wurde schon damals als Verwaltung und auch zur Repräsentation genutzt. Trinkstube, Hochzeits-, Tanz- und Zunfthaus, Gerichtszimmer, Parteienstube und Aktenkammer, Feuerwehr-Geräteraum und Munitionszimmer für die Schützen, Lagerräume für Leinen und Zehntkorn, alles war unter einem Dach vereint. Auch ein Teil der alten Stadtmauer ist noch erhalten.

 
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Nach Kultur und Historie nun zum Laufen. Der Bad Salzufler Laufclub 1992 hat ein Baukastensystem für den Marathoneinsteiger kreiert. Das System ist ganz einfach. Vom Start geht es einen Kilometer in den Wald und ab da auf eine 8 Kilometer Runde. Daraus ergeben viele unterschiedliche Laufstrecken, z.B. bei 2 Runden von 18km, bei 3 Runden  26km und  bei 4 Runden 34km als sogenannte Trainingsaufbauläufe für einen ganzen Marathon. Die Ufler nennen diese Läufe auch Blockläufe. Wer 5 Runden läuft , hat seinen Marathon voll. Gelaufen wird rund um das im Norden der Stadt gelegene Waldgebiet, in dem sich auch der Golfplatz befindet.

Da der Marathonstart erst um 12:15 Uhr ist, kann ich noch ausschlafen und mache mich mit meinen Laufkameraden Elisabeth Herms-Lübbe und Helmut Osman so gegen 9 Uhr auf die Piste. Elisabeth kennt die Strecke, sie ist hier schon mehrfach gelaufen und freut sich auf die vielen netten Läufer und Läuferinnen. In der Starterliste habe ich noch zwei Läufer von meiner Laufgemeinschaft aus Vellmar entdeckt. Peter und Christa Orth haben auch für den Marathon bzw. Blocklauf gemeldet.

Über die Autobahn geht es direkt nach Bad Salzuflen zur Grundschule Elkenbrede im Elkenbreder Weg. In der Sporthalle ist die Startunterlagenausgabe. Alles erledigt, noch schnell mal sehen, wo der Start ist und dann schnell in die warme Cafeteria. In der beheizten Cafeteria der Grundschule wird für das leibliche Wohl gesorgt es gibt kalte und warme Getränke sowie Kuchen und auf dem Schulhof ist ein Bratwurststand aufgebaut. Hier treffe ich viele Läufer und Läuferinnen, die ich letztes Jahr schon auf den vielen Veranstaltungen gesehen habe. Es wird noch ein Kaffee getrunken und geschwätzt.

So gegen 12 Uhr ziehen die Marathonis und Blockläufer zur Startlinie,  wo um 12:05 die 10km Läufer die Strecke unter die Füße nehmen. Die knapp 100 Teilnehmer haben Platz auf der Siedlungsstraße und sind schnell hinter der nächsten Biegung verschwunden. Jetzt kommt das Marathonfeld mit den Blockläufern an die Startlinie und es wird jetzt hier richtig eng, obwohl heute nur 811 Teilnehmer auf die Marathonstrecke bzw. die Blockläufe gehen. Es ist 12:15 Uhr und das große Feld setzt sich langsam in Bewegung. Nach einigen Kurven um die Häuser kommen wir an den Waldrand. Jetzt geht es auf einem ansteigenden matschigen Weg in den Wald. Da es so eng ist, müssen wir einige Passagen gehen. Auf diesem ersten Kilometer gilt es 50 Höhenmeter zu überwinden. Dann noch mal rechts und links, dann  beginnt die 8 Kilometerschleife. Nur 5 Minuten nach uns gehen die 23 Walker bzw. Nordic-Walker auf ihre 10km Strecke.

 
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Wir haben die 8km Schleife erreicht und es geht gleich bergab. War der ansteigende Waldweg noch sehr matschig, haben wir  jetzt zumindest am Anfang der Runde als Untergrund festen  Waldboden. Der nächste Kilometer geht bergab von 140m auf 125m, einige wollen jetzt Speed machen, was jedoch bei den vielen Läufern auf dem schmalen Waldweg sehr schwierig ist. Überholen ist fast unmöglich. Die meisten gehen es gemütlich an, denn Bestzeiten werden auf diesem Kurs und diesem Untergrund nicht gelaufen. Die nächsten 2 Kilometer geht es leicht wellig bergauf. An einigen Stellen ist der Weg schon in der 1. Runde matschig und man kommt ins Rutschen. Kurz vor der 1. Verpflegungsstation sind noch Eisreste auf dem Laufweg. Diese wurden größtenteils mit Sägespänen abgestreut und sind bei langsamen Tempo gut zu laufen.

Wir kommen an die 1. Verpflegungsstation, die reichlich bestückt ist mit Orangen, Bananen, Tee, Wasser und Schokolade. Jetzt auf den nächsten 2,5 Kilometern kommt der eigentliche Anstieg. Es geht um 70 Meter bergauf. Eine Steigung, die man in der 1. Runde kaum merkt, denn sie zieht sich wellig nach oben. Die nächsten 1,5 km bringen uns zum Ende der Schleife und damit um 35 Höhenmeter tiefer. Kurz vorm Ende der Runde ist die 2. Verpflegungsstation mit einer ebenfalls großen  Auswahl.  50m vor dem Ende der Schleife steht ein Hinweisschild für die Zielabbieger oder die noch weiteren Rundenläufer.

Wir sind wieder auf Rundenanfangsniveau und haben 9km geschafft. Es geht in die zweiter Runde und weiterhin bergab - der Matsch wird tiefer. Wer will, kann die 8-km-Runde bis zu fünfmal durchlaufen. Die beiden fehlenden Kilometer zum vollen Marathon werden am Anfang und am Ende der Strecke zurückgelegt. Es müssen nicht unbedingt alle 5 Runden gelaufen werden. Jeder kommt in die Wertung, wer mindestens zwei Runden durchläuft.

Wir sind in einer landschaftlich sehr schönen Gegend. Die teilweise schmalen Wege und Pfade durch den herrlichen Laubwald genießen die Läufer weitab von Hektik, Krach und Stress. Nur bei dem Stück entlang der A2 wird es kurzfristig laut durch die sehr stark befahrene Autobahn. Wie schön muss es erst hier sein, wenn die Bäume wieder Grün tragen.

Zum Ende der 2. Runde biegt fast ein Drittel der Teilnehmer ab Richtung Ziel. Sie haben wohl ihr persönliches Ziel erreicht und kommen mit 18 km in die Wertung. 1 ½ Kilometer weiter werden wir per Schild daraufhingewiesen das wir uns einen Strich auf die Startnummer geben lassen sollen, als Rundenkontrolle. Wer drei farbige Striche auf seiner Startnummer im Ziel aufzuweisen hat, der ist den vollen Marathon gelaufen.

Auf den ersten  Runden ist man noch ganz begeistert vom abwechslungsreichen Streckenprofil. Aber dann mit nachlassender Kraft empfindet man die Strecke eintönig und jeder Anstieg wird schwerer. Gleichzeitig ist die Strecke schlechter zu belaufen und immer weniger Läufer und Läuferinnen sind unterwegs.. Der Matsch wird tiefer und man hat das Gefühl, der Sumpf gibt einem nicht wieder her. In der letzten Runde überholt mich Marianne Dahl vom TV Sibbesee. Sie ist amtierende 24 Stunden Weltmeisterin in der W 65. Auch sie lässt es heute sehr locker angehen und schickt durch mich noch viele herzliche Grüße an Klaus.
Wer am Ende der 4. Runde ist und das Zeitziel von unter 5:30 Stunden nicht erreichen kann wird höflich aber bestimment in Richtung  Ziel geschickt. Zum Anfang der 5. Runde sind von den gestarteten Teilnehmern schon 2/3 Drittel mit weniger als 42 km  durchs Ziel. Der für heute langsamste Läufer ist mit 5:32:02 im Ziel. Es bleiben heute vom gesamten Starterfeld nur noch 153 Marathonis (130 Männer und 23 Frauen) übrig.

Jetzt noch den letzten Kilometer bergab in den Ort zur Schule. Direkt auf dem Schulhof ist das Ziel. Linker Hand befindet sich die schöne warme Cafeteria und gleich daneben die Taschenverwahrung. Jetzt entscheiden - zuerst Kaffee und dann Duschen in die Turnhalle, oder erst Duschen und dann Kaffee trinken. Egal wie, es ist geschafft.

 Ein schöner aber schwerer Lauf ist zu Ende. Wenn ich die Höhenmeter von meinem Garmin 305 mit anderen Marathons vom letzten Jahr vergleiche, ist dieser noch 20% schwerer als Monschau oder Rursee. Durch die vielen Höhenmeter ist dieser Lauf das ideale Training für den Hermannslauf oder andere Bergläufe. Danke LC 92 für die gute Betreuung und stets freundlichen und immer hilfsbereiten Helfer im Wald und in der Schule. Danke auch an Elisabeth, die mir einige Bilder überlassen hat. Jetzt heißt es erholen, denn nächsten Sonntag wartet der Rom-Marathon auf mich.

Der 18. Bad Salzuflen-Marathon ist mit 932 Teilnehmern (1.220 in 2009) auf allen Strecken zu Ende. Es kamen ins Ziel bei den 10km 97 Teilnehmer, bei den Blockläufen insgesamt 812 (18km = 273; 26km = 306; 34 km = 80; Marathon = 153).

Marathonsieger:
Männer:
1. Sascha Velten Lüttringhauser TV  2:50:22
2. Rainer König  SG Neukirchen-Hülchrath 2:55:03
3. Leo Schulz  Die Unbestechlichen  3:14:21

 
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Frauen:
1. Anja Bitter  SC Melle 03   3:38:06
2. Hannelore Horst TV Georgsmarienhütte  3:41:08
3. Geertje Tewes ASV Faßbeg   4:03:30

 

 

Informationen: Bad Salzuflen-Marathon
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