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Laufberichte

Euros statt Eulen

31.10.10
Autor: Magic

Obwohl ich in der Schule mal Alt-Griechisch lernen durfte und obwohl der Marathon ein wichtiger Teil meines Lebens ist, hatte es mich irgendwie nie gereizt , einmal die „originale“ Strecke von Marathon nach Athen zu laufen.

Alle Berichte von Lauffreunden hatten mich nicht wirklich motiviert. Da war von sehr wenig Publikum, schlechter Organisation und einer völlig langweiligen Strecke an der Autobahn die Rede. Als meinem Freund Georg und mir bei der Planung für 2010 vor knapp einem Jahr allerdings auffiel, dass die legendäre Schlacht von Marathon heuer das 2500-jährige Jubiläum feiert, stand der Entschluss schnell fest. Athen, wenn nicht jetzt, wann dann?

Am Freitag ging es direkt von München nach Athen. Nach 2 Stunden Flugzeit machten wir uns vom Flughafen mit der S-Bahn in die Innenstadt von Athen auf. Unser Hotel, das Hilton Athen, lag direkt an der Strecke bei KM 40,5 und zählt zu den besten Adressen der Stadt. Die Bar auf dem Dach des Gebäudes wird unter den Top-Ten Bars der Welt geführt und auch was die Preise angeht, ist das Hilton sicher absolute Spitze. Eine 58 Gramm Toblerone kostet beispielsweise 7,50 EUR in der Minibar! Die Startgebühr von stolzen 90 Euro hat mich auf den ersten Blick ganz schön erschreckt und auch sonst ist Athen nicht gerade günstig. Nun, in der aktuellen Lage der Griechen helfen wohl eher Euro, denn Eulen.

Mal sehen, ob die Organisation auch den Preis für das Rennen rechtfertigt. Zugegeben, ich war etwas skeptisch, waren es doch in der Vergangenheit zwischen 2.000-4.000 Starter beim Athen Marathon und diesmal, beim Jubiläum, war das Teilnehmerlimit von 12.500 Startern (nur für den Marathon, es gab auch 5KM und 10KM) schon weit im Vorfeld ausgebucht. Die Marathon Expo liegt gegenüber des legendären Panathenaikos Stadions, in dem auch der Zieleinlauf stattfindet und wo 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit stattfanden.

 
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Auf der Messe angekommen, begaben wir uns zur Startnummernausgabe. Es lief alles reibungslos und nach etwas Suchen, hatten wir T-Shirt, 6-Tages-S-Bahn-Pass, Startnummer, Trinkflasche und Chip beisammen. Tipp: Für internationale Starter gibt es den S-Bahn Pass sogar schon am Flughafen: Ein super Service, denn eine einfache Fahrt vom Airport in die Stadt kostet bereits 6 Euro. Anschließend an eine recht kleine Marathonmesse, gab es eine spezielle Ausstellung zur Geschichte des Marathons, die ebenfalls für alle Messebesucher kostenlos war. Der Titel: Demokratie & die Schlacht von Marathon.

Ich möchte diesen Bericht jetzt nicht mit einer historischen Abhandlung über die Schlacht von Marathon und die Diskussion, ob es diesen legendären Lauf so in dieser Form wirklich gegeben hat, führen, aber eines bleibt Fakt: Wahrheit oder nur Geschichte: Der Mythos Marathon begann 490 v.Chr. und hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Marathonlauf das größte Massensportereignis weltweit ist und nicht umsonst als „der Mount Everest des kleinen Mannes“ bezeichnet wird. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter und so verbrachten wir den Samstag mit etwas Sightseeing und Georg machte sich auf zum Hafen von Piräus.

 
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Etwas Sorge machte uns der Bustransfer von Athen zum Start in die historische Stadt Marathon. 12.000 Läufer und Athener Organisation, wir waren leicht nervös und beschlossen bereits die ersten Shuttles am Sonntagmorgen um 5:30 Uhr zu nehmen. Der letzte Bus, es gibt im Übrigen drei Haltestellen in Athen für die Läufer, war auf 6:30 Uhr terminiert. Tatsache ist, die Busse waren topp ausgestattet (keine Schulbusse wie in Boston) und es lief alles reibungslos ab. Bereits während der Fahrt wurden die Läufer über den Ablauf bei Start und Ziel informiert.

Nach knapp einer Stunde Fahrzeit kamen wir in der Dämmerung in Marathon an, wo schon das Feuer, das am Grabhügel auf dem Schlachtfeld von Marathon entzündet wurde, loderte. Am Start traf ich noch auf Brandy Mycle, der mit seinem Gehstock und über 150 Kilo heuer bereits 3.000 Meilen quer durch die USA gelaufen ist …und ich dachte immer ich bin ein Verrückter. Im Stadion von Marathon war die Organisation einmalig. Kurze Wege zu den Gepäck-LKWs, klare zeitliche Vorgaben für die Abgabe der Kleiderbeutel, Toiletten waren sauber und in ausreichender Anzahl vorhanden und auch die Startaufstellung wurde ideal gelöst. Es gab 7 Startblöcke, die in 7 Wellen ins Rennen gingen. Jeder Chip war auf den entsprechenden Korridor codiert und wer sich nicht daran hielt, der hatte am Ende auch keine gültige Zeit. Der Blockstart erfolgte im Abstand von 2,3,4,5 und 6 Minuten und es war bereits nach einem Kilometer ein freies und rhythmisches Laufen möglich.

Leider ist allerdings die Strecke nicht für besonders guten Laufrhythmus ausgelegt. Sind die ersten 7,5 KM noch flach, so geht es danach bis KM 17 stetig leicht bergauf. Sehr gefährlich, denn wer hier bereits beim Versuch die geplanten Kilometersplits zu laufen, überzieht, der wird am Ende sicher seine Probleme bekommen. Die Strecke verläuft in der Tat über Land, auf einer mehrspurigen Verkehrsstraße, aber besonders in den kleinen Dörfern herrscht eine tolle Stimmung. Die Verpflegungsstellen sind auf beiden Seiten der Strecke und topp bestückt.  Wasser gibt es alle 2,5 KM und immer in Flaschen. Für Umweltschützer ein Alptraum, für den Marathoni ein Traum!

Ab KM 17 geht es dann endlich mal ein kleines Stück bergab, ehe es dann ab KM 19 richtig anspruchsvoll wird. Die nächsten 13 KM gehen wirklich stetig hoch und spätestens jetzt wird einem klar, warum der Streckenrekord hier auch mit 2:10:55 Std. knapp 7 Minuten über dem aktuellen Weltrekord liegt. Auch ich hatte jetzt schwer zu kämpfen und immer wieder nur zwei Gedanken in meinem Kopf. Erstens: Ich muss es bis KM 32 schaffen, ab da geht es bis zum Ziel nur noch bergab. Zweitens: Warum war diese blöde Schlacht damals nicht in Athen, dann wäre es sicher einfacher zu laufen und der Bote mit dem Namen Pheidippides hätte sicher auch überlebt. Endlich bei KM 32 angekommen, ging es dann wirklich super leicht abfallend mit großen Schritten dem Ziel entgegen. Jetzt zahlt sich aus, wenn man am Anstieg nicht zu viele Körner liegen lässt, denn nur mit etwas Restenergie kann man die letzten 10 KM nutzen um Tempo zu machen.

Erschöpft, glücklich und mit einem extrem mystischen Gänsehautgefühl lief ich in 3:10 Std. ins Ziel im historischen Olympiastadion ein. Auch im Zielbereich war die Organisation perfekt und ich muss zugeben, die Griechen haben mich Lügen gestraft. Auch mein Freund Georg bestätigte meine Wahrnehmung und war ebenfalls mit der Organisation und seiner Zeit von 3:39 Std. sehr zufrieden.

 
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Ja, es ist was Besonderes, die historische Strecke von Marathon nach Athen zu laufen. Ich denke, jeder, der dem Mythos Marathon erlegen ist, sollte das einmal machen.

 


 

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