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Laufberichte

Der Heilige Berg ruft

20.04.13

Wer nach Genuss für Leib und Seele sucht, dem sei ein Ausflug auf den Heiligen Berg empfohlen. Hoch über dem Ostufer des bayerischen Ammersees thront die Anlage von Kloster Andechs. Mit angegliederter Brauerei, samt Bräustüberl und einem umfangreichen kulturellen Programm ist das Kloster jedes Jahr Anziehungspunkt für über eine Million Besucher aus der ganzen Welt.

Freilich, eine Vielzahl kommt nicht mehr, um nur die kulturellen Schätze und die barocke Fassade zu bewundern, sondern eher um die kulinarischen Schätze zu genießen. Wie zum Beispiel das süffige Kloster-Bier oder die knusprigen Schweinshaxn mit Knödel im mittlerweile nicht weniger bekannten Klostergasthof. So ist die Klosterbrauerei Andechs auch größtes Wirtschaftsunternehmen des Klosters und dafür verantwortlich, den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Die Zahl der wirklich organisierten Pilger beläuft sich auf über 30.000 po Jahr, wobei die etwa 130 Pilger-Gruppen in der Spitze bis zu 50 km zurücklegen, um nach Andechs zu kommen. Seit dem Vorjahr folgen dem Lockruf des Heiligen Bergs noch ein paar hundert Fans des rustikalen Landschaftslaufs. Bereits auf Anhieb war die Trail-Premiere 2012 im Großraum München ein voller Erfolg. Alle Startplätze waren noch vor dem Stichtag ausgebucht. Ich war auch dabei und nach der Durchführung auch rundum begeistert. Klar, dass ich mich frühzeitig um einen Startplatz gekümmert habe.

Der Run war auch heuer wieder gewaltig und bereits am 1. Februar wurde die Schließung der Anmeldung auf Facebook gepostet. Nach nur knapp einen Monat waren alle 400 Startplätze für den Andechs Trail 2013 vergeben. Angeboten werden wieder zwei Varianten: Für Einsteiger der Beginner Trail mit 8,4 und 100 Höhenmetern, wer es etwas länger mag, dem wird der Expert Trail mit 15 km und rund 300 Höhenmetern eher entgegenkommen.

Die Begeisterung für die Strecke bringt dem Veranstalter aber auch hin und wieder ziemlichen Ärger ein, was bis zu einer nicht mehr erteilten Genehmigung für den Wettbewerb reichen könnte. Da Wege teilweise über Privatgrund verlaufen, dürfen bestimmte Abschnitte nicht zu Trainingszwecken durchlaufen werden. Immer wieder missachten einige Unbelehrbare dieses Verbot. Der Eigentümer dieser Abschnitte möchte nicht, dass er während seiner Arbeit als Landwirt auf querende Läufer achten muss.

Auf dem großen Besucherparkplatz unterhalb des Klosters sind ein paar Stände aufgebaut und hier werden auch die Startunterlagen ausgegeben. Leider haben wir nach dem kurzen Sommereinbruch unter der Woche heute wieder richtiges Aprilwetter mit Nieselregen und kühlen Temperaturen. Übermäßig lange vor Startbeginn muss man nicht anwesend sein, nach ein paar Minuten Anstellzeit ist die Abholung der Startnummer erledigt. Rennleiter Stefan Paternoster ist geschäftig unterwegs, dirigiert hier und da und hat so alles im Griff.

 
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Für beide Trails gibt es unterschiedlich Startzeiten. Die „Experten“ werden um 10 Uhr losgelassen, 10 Minuten später folgen die „Beginner“. Den ersten Kilometer müssen wir bis zur Waldgrenze auf Teer zurücklegen mit einem ätzend nasskalten Gegenwind. Dann geht’s rein in den Wald und sofort ändern sich die Bedingungen. Der Wind hat keine Chance mehr und wir bekommen endlich auch superweiche Trails unter die Füße. In einem stetigen Wechsel zwischen leichten und gefälligen Steigungen und Gefällen durchqueren wir diesen ersten Waldabschnitt.

Nach knapp 5 Kilometern geht’s wieder raus aus dem bewaldeten Segment. Bis zum Getränkeposten an einem Bauernhof bei km 7 ziehen wir über Feld- und Wirtschaftswege. Zwischendrin ist der Zusammenschluss von Expert- und Beginner-Trail, der einen anderen Einstieg aufweist.

 
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Nach Durchqueren des Anwesens erreichen wir die Waldgrenze des Andechser Höhenweges. Bei klarem Wetter könnte man einige wunderschöne Ausblicke auf den Ammersee erhaschen. Heute müssen wir leider darauf verzichten. Die Pfade durch den Forst sind dafür heute fast optimal, weich und schlammig, also wie gemacht für uns Trailer.

Optischer und sportlicher Höhepunkt ist sicherlich die Passage durch den Ochsengraben. Eine Senke führt uns mit einem kurzen steilen Ab- und sofortigen Wiederaufstieg über einen schmalen Bach. Für die „Experten“ folgt eine fast zwei Kilometer lange Downhill-Passage auf einem gut zu laufenden Waldweg. 70 Höhenmeter verlieren wir dabei, hinunter zum tiefsten Punkt des Kurses, fast bis an den Ortsrand von Herrsching. Zwischendrin bei etwa km 9 erfolgt die Streckentrennung. Die Läufer auf dem kürzeren Trail haben ab hier noch ein guten Kilometer bis ins Ziel.

Ganz unten angekommen, führt uns eine Spitzkehre sofort wieder den Berg hinauf. Richtig steil beginnt der Aufstieg, unsere eben verlorenen Höhenmeter müssen wir dabei unverzüglich zurück erobern. Das war’s aber noch nicht für uns, das gleiche Spiel beginnt nochmals von vorne. Auf wechselhaften Bodenbelägen geht’s wieder runter fast bis zum Ammerseeufer. Die Aussicht auf den See bleibt uns aber immer noch verwehrt.

 
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Noch fehlen uns 2,5 km bis zum Zielbogen im Klosterhof. Der letzte Aufstieg beinhaltet nochmals 120 Höhenmeter. Stetig ansteigend führt dabei der Weg, oft recht wurzelig und matschig, nach oben. Ein paar Asphaltmeter und ein erneutes kurzes Gefälle müssen am Ortsrand von Andechs hinter uns gebracht werden. Mit Blick auf die Wallfahrtskirche St. Nikolaus und Elisabeth beginnt das furiose Finale über steile Treppen hinauf auf den Heiligen Berg.

 
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Warum spricht man eigentlich vom Heiligen Berg? Bereits im Altertum befand sich hier eine religiöse Kultstätte. Somit ist die Wallfahrt nach Andechs älter als das Kloster selbst und war auch eine der bedeutendsten im Spätmittelalter. Die Grafen von Dießen und Andechs-Meran gehörten zu den einflussreichsten Geschlechtern im Mittelalter. Auf ihrer um das Jahr 1100 errichteten Burg horteten sie einen Schatz an Reliquien und Heiligtümern, die teilweise noch aus den Kreuzzügen stammten.

Anfangs des 12. Jahrhunderts verloren sie alle Besitzungen an die verfeindeten Wittelsbacher, die die Burg wahrscheinlich auch 1246 zerstörten. Die Grafen von Andechs starben bald darauf aus und der Reliquienschatz war zunächst verschollen, wurde dann aber im Zuge von Wiederaufbauarbeiten in einem Versteck unter dem Altar der Kapelle wiederentdeckt. Daraufhin erhielt Andechs im Jahre 1388 den Ehrentitel „Heiliger Berg“ und die Wallfahrt wurde wiederbelebt. Im 15. Jahrhundert wurde an gleicher Stelle Kloster Andechs gebaut und von Mönchen besiedelt. Damit wurde die Grundlage für eine dauerhafte Betreuung der Wallfahrt gewährleistet. 1755 erhielt es seine jetzige barocke Form.

Direkt unter den Klostermauern und gegenüber des Bräustüberls ist der Trail beendet. Die Aussicht hat heute gefehlt, die Strecke war aber wieder ohne Fehl und Tadel. Der stetige Wechsel von auf und hat wieder riesen Spaß bereitet. Leider kann man sich bei dem garstigen Wetter nicht besonders lange im Zielbereich aufhalten. Obst, Kuchen, warme Getränke und auch eine Auswahl der Klosterbrauerei stehen zur Verfügung. Besser schmeckt’s uns nach einem Kleiderwechsel direkt im warmen Bräustüberl, denn der Besuch gehört selbstverständlich auch dazu.

 
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Informationen: Andechs Trail
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