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Laufberichte

Sonne und gute Laune

 

In letzter Minute erfahre ich von der Premiere des Marathons in Altenmünster. Dort feiert man das 10-jährige Bestehen der Laufveranstaltung. Als Dreingabe soll es zum ersten Mal einen Marathon und einen Hindernislauf geben. 1948 wurde der Sportclub Altenmünster gegründet, der einige Abteilungen aufweist. Und so wie es halt heute auf dem Land üblich ist, bildet die Kickerei den Schwerpunkt der Vereinslebens.

 

Vor dem Start

 

Zusammen mit Stefan Heckl, einem Vereinskollegen, mache ich mich am Sonntag früh auf den Weg in die schwäbische Gemeinde, die im Westteil des Landkreises Augsburg liegt. Die klare Nacht hat nochmal die Wiesen anreifen lassen. Gerade zwei Grad plus zeigt das Thermometer bei der Anfahrt.

Nach einer Stunde Fahrt verlassen wir die Autobahn nach Stuttgart bei Zusmarshausen und sind nach wenigen Minuten im  noch verschlafene Altenmünster. Eine Stunde vor dem ersten Start ist keine Menschenseele auf den Straßen zu sehen. Nur auf dem Sportplatz sind schon erste Läufer an den Anmeldetischen zu sehen.

 
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Was ist denn alles hier geboten? Nun, neben dem traditionellen Lauf über 21,1 Kilometer werden Distanzen über 15 und zehn Kilometer für die Großen und für die Kleinen Strecken von fünf und 2,1 Kilometer angeboten. Wer mit und ohne Stecken gehen will, meldet sich als Walker an. Für Spezialisten wartet der Zusam Cross über zehn Kilometer, bei dem Wasserläufe mehrmals überquert werden müssen und auch weitere Schikanen eingebaut werden. Aber es ist ein Hindernislauf der leichteren Art, denn an allen Stationen sollen Helfer warten, die schon mal die Hand als Überstützung zureichen.

Uns Marathonis wird man auf die Halbmarathonstrecke schicken, die damit zweimal im „Dreieck“ der Landkreise Augsburg, Dillingen und Günzburg belaufen wird. Der Großteil der Strecke wird abseits von Straßen und Ortschaften sein.

„Typisch Schwabe“ kann man denken, wenn man die Höhe des Startgeldes denkt. 10 EUR für die Strecken jenseits der zehn Kilometer. Und ein Essensgutschein ist auch noch enthalten. Zeitmessung sowieso und eine Urkunde erhalten wir auch noch. Eine Kinderbetreuung ist sichergestellt und wer mit seinen Vierbeinern unterwegs sein will, Wasserschalen werden auf den Verpflegungsstellen bereitstehen. Bernd Spring nutzt das Angebot mit seinen Huskies, auch wenn die jetzt noch im Auto schlafen.

Vor dem Sportheimgebäude hängt ein Streckenplan, den schon einige Läufer ausgiebig studieren. Das ist nötig, denn eine Runde wird über 300 Höhenmeter aufweisen. Und genau betrachtet gehört der Lauf in Altenmünster schon zu den knackigen Landschaftsläufen. Hanni Walter als Gesamtleiterin ist an allen Fronten zu finden. Selbst für den Autor hat sie einen Moment Zeit. Ich biete ihr gleich unsere Unterstützung an, denn die zwölf Voranmeldungen auf der Marathonstrecke sind für den betriebenen Aufwand eindeutig zu wenig. Ein paar Nachmeldungen kommen noch hinzu.

 

Erste Kilometer

 

Punkt neun Uhr erfolgt unaufgeregt und ohne große Ansprache der Start. Mit 240 Teilnehmern auf allen Strecken ist man seitens des SCA, so die Kurzbezeichnung, hochzufrieden, auch wenn es „bei euch auf der zweiten Runde sehr einsam wird“, so die Hanni. Bernd stellt sich mit seinen Hunden gleich an das Ende der Läuferschlange: „Ich werde heute zwei betreuen, die machen hier ihren ersten Marathon, und da musst du sie am Anfang ein wenig einbremsen.“

 
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Wir überqueren die von Feuerwehrkameraden abgesperrte Hauptstraße und gewinnen erste Höhenmeter im Neubaugebiet. Altenmünster zählt heute rund 4000 Einwohner. Die erste Erwähnung datiert aus dem 9. Jahrhundert, als der Ort zum Kloster Ellwangen gehörte. Die Pfarrkirche St. Vitus (aus dem 15. Jahrhundert) dominiert das Ortsbild.

Mancher kennt vielleicht das Altenmünster Brauerbier, eine Spezialität in eigens kreierten Flaschen, Hopfig herb und urig würzig, als Winterbier und als Maibock im Angebot. Doch in Altenmünster gibt es schon seit längerer Zeit keine Brauerei mehr. Die Rechte liegen nunmehr beim Allgäuer Brauhaus und das gehört zur Radeberger Gruppe. Lediglich das Bräustüble gibt es noch bei der  Pfarrkirche.

Knapp 100 Höhenmeter haben wir uns erarbeitet, als uns ein befestigter Weg in den Wald führt. Dort ist der zweite Kilometer bereits markiert. Später werde ich feststellen, dass jeder zweite Kilometer ausgeschildert ist. Wir verlassen wieder den kühlen Wald, auf den Feldern merkt man nun schon die wärmenden Strahlen der Sonne. Einige der Läufer haben noch Handschuhe und lange Hosen an. Linkerhand liegt im Talgrund Baiershofen, das zu Altenmünster gehört. Dem St. Leonhard von Limoges wurde das Gotteshaus geweiht. Der Leonhard wird hierzulande als Nothelfer für das Vieh und vor allem für die Pferde verehrt. 21 Höfe (elf nördlich und zehn südlich des Angers) wurden seinerzeit angelegt. Darüber gibt es noch einen Nachweis aus dem Jahr 1350.

Zwei Esel sind neugierig und schauen interessiert dem Geschehen zu. Wir verlassen den Höhenzug und laufen hinunter zur Kreisstraße, die von weiteren Feuerwehrlern abgesperrt wird. Für 500 Meter dürfen wir den Asphalt unter die Sohle nehmen, dann verlassen wir den Landkreis Augsburg am Waldrand.

 

„Mahlzeit“ (km 6 bis 12)

 

Die erste Jause erhalten wie nach ein paar Metern ruppigen Waldweg. Mineralwasser, Leitungswasser, Isogetränk, Apfelschorle und Bananen werden feilgeboten. Die meisten Sportler rennen vorbei. Im Tal der Glött verläuft dann unsere Strecke einige Kilometer lang auf dem Glötttal-Radweg. Linkerhand sehen wir die 800 Einwohner zählende Gemeinde Winterbach, die zum Landkreis Günzburg gehört. Am Horizont können wir die Wasserdampfwolken des AKW Gundremmingen sehen. Die Katholische Pfarrkirche St. Gordianus und Epimachus stammt aus dem 19. Jahrhundert.

 
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Das Profil der Strecke ist trotz weniger kleiner Gegenanstiege gefällig, wir verlieren Höhenmeter um Höhenmeter. Kurz vor dem Eisingerhof überqueren wir die Kreisstraße GZ 22. Den 10. Kilometer haben wir nun abgehakt. Das Glötttal verläuft nun in nördlicher Richtung zur Donau hin, während unser Kurs nach Osten eindreht. Der zweite große Anstieg mit gut 70 Höhenmetern wartet.

Der letzte Schwung reicht gerade noch zum zweiten Verpflegungsstelle, wo ich mir etwas Alkoholisches erbetteln will. Doch die Gurgel bleibt trocken. Dafür verspricht mir der Helfer auf  einer zweiten Runde die  Erfüllung meines Wunsches. Das Läuferfeld hat sich jetzt schon gehörig auseinandergezogen, denn die Streckentrennung liegt auch schon ein wenig zurück. Bei Kilometer zwölf endet die Steigung.

 

Hügelig durch die Westlichen Wälder

 

Ich bin froh, dass unser Kurs wieder vollständig im Wald ist, denn ab Winterbach mussten wir mit dem kalten Gegenwind fertig werden. An einem Waldweiher stößt der 15 Kilometer-Kurs auf swn unseren, aber die letzten Walker und die Läufer sind längst durch und  kommen uns entgegen. Ich bin ein wenig irritiert, aber Markierungen ein wenig später überzeugen mich: Ich bin richtig.

 
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Kurz vor dem 16. Kilometer nach einer längeren Steigung (rund 50 Höhenmetern) gibt es Süßes. Kleine Nussecken, Kekse und letztes Stollenkonfekt (!) aus der Weihnachtsbäckerei müssen jetzt schleunigst weg.

Habt Ihr etwas über den Naturpark Augsburg – Westliche Wälder gehört? Der ist einer von über 100 Naturparks in Deutschland. Er zieht sich von Augsburg bis zur Mindel und Donau hin und hat eine Größe von 1175 Quadratkilometer. Bekannte Gebiete sind im Naturpark der Holzwinkel, die Reischenau und die Stauden. 43 Prozent sind mit Wald bedeckt.

Etwa bei Kilometer 19 endet der Wald, wir gelangen in die ergrünenden Wiesen westlich von Hennhofen. Am Ende des Gefälles sehe ich eine Marienkapelle. Am Eingang ist zu lesen: „O Maria, du Königin des Hl. Rosenkranzes. Bitte für uns und die Sonntagsschänder.“ Das waren Leute, die früher sonntags das taten, was man am Sonntag nicht tun durfte. Arbeiten statt Kirchgang zum Beispiel.

Ein kleiner Hügel wartet, dann laufen wir nach Hennhofen hinein. „Zum Ziel“ hat jemand mit Kreide auf den Asphalt geschrieben. Ja, die Ausschilderung ist bestens, auch wenn an wenigen Stellen die Augen offengehalten werden müssen.

Wir unterqueren die Staatsstraße 2027 und verlassen den 400 Einwohner zählenden Ort auf einem Grasweg. Der rustikale Weg verläuft über den Hennhofer Bach und dann sehen wir den Sportplatz des SCA schon von weitem. Viele Läufer sind schon fertig mit ihrem Wettkampf und lassen es sich bei Bier, Nudeln, Gegrilltem, Kaffee und Kuchen gut gehen. Ich muss noch warten. Auf in die zweite Runde!

 

Zweite Runde

 

Etwa 1:50 Stunden habe ich für die erste Hälfte benötigt, die gleiche Zeit plus einen kleinen Zuschlag rechne ich mir für die zweite Runde aus. Deutlich unter vier Stunden soll es werden. Ich verlasse Altenmünster auf der langen Steigung, wo man noch Sicht nach vorne und nach hinten hat. Vor mir sehe ich weit entfernt einen Marathoni mit blauem Hemd. Hinter mir glaube ich Stefan Heckl zu sehen. Gestern ist er mir bei einem Lauf über gut zehn Kilometer noch drei Sekunden (!) davongerannt. Und vor einer Woche hat er in Wien beim Marathon auf den letzten zwölf Kilometer drei Halbe Bier abgepumpt. Das ist es jetzt Thema in einem Forum von Rapid Wien, er ist nämlich Anhänger der Fußballer.

 
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Der Blaugekleidete entpuppt sich als der Luzerner Herbert Näf, der in Dillingen wohnt. Bernd Spring berichtet mir, dass er einer der Newcomer ist. An jeder V-Stelle ist er schneller als ich und bei meinen Fotostopps ist er immer ein paar Schritte vorne dran. Aber den Norbert höre ich besser schnaufen als mich. So versuche ich bei Kilometer 30 auf Höhe Winterbach, das Tempo ein wenig zu steigern. Ich kann mich von ihm lösen. Bei der zweiten Tankstelle kommt er heran gelaufen, als ich mich auf den weiteren Weg davonmache. Ich bin dann alleine unterwegs.

An der Steigung zur dritten V-Stelle sehe ich dann einen weiteren Marathoni im Gehen. Langsam komme ich näher. Doch Norbert Schröttle hält sich an der Tankstelle nur kurz auf. Bis ich getrunken und gegessen habe, ist er 100 Meter voraus. Ich hole beim Anlaufen ein Gel aus der Tasche und würge das Zeug hinunter. Entweder es weckt Kräfte oder nicht.

Mit dem Kohlehydratschub kann ich meine Geschwindigkeit halten. Es dauert keinen Kilometer, bis ich an Norbert wieder dran bin. Und dann fliege ich die letzten Kilometer im Wald und anschließend hinunter nach Hennhofen. Weit hinten ist er zu erkennen. Und von Stefan ist auch nichts zu sehen, den konnte ich noch kurz vor der letzten V-Stelle weit hinter mir laufen sehen.

In Hennhofen hat es sich die Feuerwehrjugend schon gemütlich gemacht bei Getränken. Nur ein geistiges Getränk für einen durstigen Marathoni haben sie nicht. Ich verlasse Hennhofen, bringe den Grasweg hinter mich und biege dann auf den Sportplatz ein. Die zwei Helfer an der EDV klatschen und gratulieren zum Finish.

 

Im Ziel

 

 
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3.47 höre ich die Helfer an der Zeitmaschine noch rufen. Es dauert nicht lange, dann erscheinen im Minutenabstand Norbert Schröttle, Stefan Heckl und Herbert Näf. Die folgenden Zieleinläufe ziehen sich hin. Nach dem Duschen lösen wir die Essensmarken gegen ein Nudelgericht ein, wahlweise mit Tomatensauce oder mit Bärlauchpesto. Die Urkunden werden uns von einer Helferin nachgetragen. Und dann ist da  noch das Kuchenbuffet … .

 

Fazit:

Freundliche Helfer, waldreiche Strecke abseits von Verkehr. Zuschauer keine, aber deswegen sind wir ja nicht hier. Großer Service für kleines Geld. Eine gute Trainingsmöglichkeit für spätere Ultraläufe, denn der Stefan möchte in wenigen Wochen in Biel an den Start. Eines möchte ich anbringen: Liebe SCA-Freunde, ihr müsst früher auf euren Marathon aufmerksam machen, dann kommen auch mehr als 13 Marathonis,.

Sieger:
Männer:

1. Markus Spägele 3.04.26
2. Michael Langenmaier 3.11.49
3. Helmut Pfanz 3.18.46
6. Anton Lautner 3.47.02
8. Stefan Heckl 3.49.31

Frauen:
1. Daniela Mayr 5.02.13

 

 

Informationen: Altenmünster Marathon
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