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Laufberichte

Achterbahnfahrt durchs Voralpenland

23.09.12

Zum dritten Mal stehe ich in Kempten am Start. 2009 offiziell gemeldet aber nur als verletzter Begleitradler dabei, blieb erst mal noch eine Rechnung offen. 2010 wurde der Lauf ausgesetzt, die Organisation wechselte unter die Regie von Joachim Saukel ("Laufsport Saukel", Kempten). Zum gelungenen Relaunch 2011 auf der überarbeiteten Route meldeten sich außer mir noch 140 weitere Testpersonen für die Ultrastrecke  und es wurde ein wirklich toller Lauf. Heute gibt es neben den 51,3 km, die auch als Staffel bestritten werden können, und dem 30 km Landschaftslauf, erstmals auch einen 15 km Landschaftslauf.

Versprochen ist uns eine "ausgesprochen schöne, typische Voralpen-Strecke - es geht recht hügelig durch die Wiesen, Wälder und Trails westlich von Kempten. Untergrund: ca. 20% kleine Teerstraßen, ca. 50% Wald- und Forstwege, ca. 20% Trails und Wiesenwege." Und genau das bekommen wir auch. Die rechten Hügel summieren sich auf der Ultrastrecke zu 1.350 Höhenmetern, über 30 km auf 780 und über 15 km auf 420 Höhenmeter. Wie eine Achterbahn schlängelt sich das Profil durchs Land, und so wechseln kurze und lange Anstiege mit rasanten Talfahrten. Durch den in weiten Teilen sehr groben Untergrund ist die Strecke insgesamt eher anspruchsvoll zu laufen, leichte Trailschuhe sind kein Fehler.

 
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Am Start um 9 Uhr ist es noch kühl. Das Wetter soll gut werden, bis über 20 Grad, doch gestern hat es den ganzen Tag geregnet. Einige schwarze Wolken hängen noch in der Luft, die sich nach einem kurzen Schauer dann aber endgültig verziehen. Die ersten 10 Kilometer führen fast stetig ansteigend auf den Blender, den Kemptener Hausberg hinauf. Der große Fernmeldeturm dort passt zwar nicht wirklich in die sanfte Landschaft, bietet aber eine gute Orientierungshilfe. Ich wundere mich, wo der im Verlauf des Tages überall wieder auftauchen wird...

 
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Noch läuft es sich leicht beim Voralpenmarathon, denn Strecke und Untergrund sind abwechslungsreich und die Aussicht ist einfach großartig. Bei km 7 und km 15 biegen die kürzeren Läufe ab, jetzt wird es im hinteren Drittel des Felds doch recht einsam. Schnell kenne ich die anderen Läufer um mich herum mit Namen, alle sind nett und entspannt und an den VPs bleiben wir dann schon auch mal etwas länger stehen. Die Verpflegung lässt keine Wünsche offen.  Alle 5 km (später alle 4) gibt es Wasser, Tee, ISO, Cola, Weißbrot, Bananen, Äpfel, Riegel und manchmal auch Salziges. Manche der Helfer kenne ich noch vom letzten Jahr. Auch Zuschauer gibt es im ersten Streckenabschnitt recht viele, die Stimmung ist ausgesprochen gut.

 
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Axel nutzt mich heute als Bremsläufer  und so vergeht das zweite und etwas weniger attraktive Drittel der Strecke zwar nicht schneller, aber definitiv unterhaltsamer. Der Kurs führt jetzt etwas eintönig durch den Wald, es ist schön aber es zieht sich, die Füße werden durch den sehr groben Untergrund stark beansprucht. Ein wenig ist es auch eine mentale Achterbahnfahrt, denn wir kommen langsamer vorwärts als wir könnten - und wollten. Schon bei km 25 merken wir, dass wir nicht mehr ganz frisch sind. Für die Zeitkontrolle bei km 35 wird es aber gut reichen, sie ist großzügig bemessen.

Deutlich mehr als die Hälfte der Höhenmeter liegen auf der ersten Streckenhälfte, trotzdem stellt der Heimweg noch ganz eigene Herausforderungen. Viele Wege sind vom gestrigen Regen aufgeweicht, kurze Teile stehen unter Wasser. Zum Glück haben wir heute nicht das Wetter von gestern, ganz im Gegenteil, inzwischen ist die Sonne draußen und die Temperaturen steigen deutlich über 20 Grad. Einfach wunderbar. Hinter km 35 verlassen wir dann auch endlich den Wald und können wieder den weiten Blick genießen. Der Rest des Laufs ist nur noch ein Kinderspiel, ein gemütliches Nach-Hause-Laufen durch ländlich besiedeltes Gebiet. Idealerweise hat man hier seine Formtiefs bereits hinter sich gelassen.

Der Marienberg peppt die letzten 5 Kilometer zwar noch einmal ordentlich auf, ist aber für den entspannten Läufer kein ernsthafter Gegner mehr. An der Spitze des Feldes könnten hier aber schon noch Entscheidungen gefallen sein. Der steile Abstieg ins Ziel, der letztes Jahr noch über Wurzeln und Bohlen sehr anspruchsvoll zu laufen war, wurde inzwischen zu einem kleinen, schmalen Teersträßchen eingeebnet. Oben kann man schon die Zielmoderation hören, gleich sind wir da. 161 Finisher im Ultralauf erreichen das Ziel, das sind knapp 15% mehr als im letzten Jahr.

 
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Ein weiterer Teilnehmeranstieg wäre dieser kleinen und feinen Veranstaltung sehr zu wünschen und würde der Strecke nicht schaden. Wer das Allgäu mag, gern um des Laufens willen läuft und keine organisierte Fröhlichkeit sucht, der ist hier genau richtig. Organisation, Verpflegung und Streckenmarkierung, es passt alles. Die Startgebühr von 29 EUR in der ersten und 39 EUR in der letzten Meldewelle (incl. sehr schönem Funktionsshirt) ist zudem erfreulich moderat. Ich war garantiert nicht zum letzten Mal hier.

 

Informationen: Allgäuer Voralpenmarathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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