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Laufberichte

Auf neuer Strecke durchs Donautal

 

Die Große Kreisstadt Tuttlingen liegt im südlichen Baden-Württemberg und hat fast 35.000 Einwohner. Als Veranstaltungszentrum dient der Festplatz, zentral auf der linken Donauseite auf Höhe des Zentrums gelegen. Samstagnachmittag holen wir unsere Startunterlagen ab und finden uns mitten in den Kinder- und Jugendläufen wieder. Die vielen Stände auf der Marathon-Messe entpuppen sich als Vertretungen der Firmen für den ebenfalls am Samstag ausgetragenen Businesslauf.

„Welthauptstadt der Medizintechnik“ wird Tuttlingen auch genannt, denn 600 Unternehmen produzieren hier technisches Gerät für Ärzte. Marathon-Hauptsponsor Aesculap ist einer der größten davon. 3.500 Mitarbeiter arbeiten hier am Hauptsitz. Das markante rote Backsteingebäude haben wir bei der Umrundung des großen Straßenkreisels öfter gesehen.

Der riesige weiße EnBW-Schirm vor der Haupttribüne schützt uns beim Mittagessen vor einem kurzen Regenschauer. Dann geht es zum Sightseeing ins Zentrum. Schon zu römischer Zeit gab es hier ein Kastell. Markantestes Ereignis war wohl der Brand von 1803, bei dem die komplette Stadt vernichtet wurde. Die neue Bebauung wurde rechtwinklig angelegt. Die evangelische Stadtkirche mit ihrer Jugendstilfassade gilt als eine der schönsten Süddeutschlands. Der Brunnen auf dem zentralen Rathausplatz macht den Kindern viel Spaß. Eine schöne Stadt. Nur die spätmittelalterliche Burg Hohnberg, die im Dreißigjährigen Krieg bis auf die Grundmauern zerstört und im 19. Jahrhundert teilweise wieder aufgebaut wurde, entgeht vorerst unserem Blick.

Der Veranstalter des Donautalmarathons, run & fun, ist eine Initiative des Stadtverbands für Sport, des Schneeschuhvereins (!) Tuttlingen, der TG (Turngemeinde) Tuttlingen sowie der Tuttlinger Sportfreunde (TSF).  Run & fun bietet auch dieses Jahr wieder ein günstiges Paket aus Startgebühr und Übernachtung im Vier-Sterne-Hotel im Zentrum an. Natürlich mit sehr frühem Frühstück und spätem Check-out. Ich höre, dass dies auch für nächstes Jahr so geplant ist.

 

Marathontag

 

Früh aufstehen ist angesagt. Der Marathon startet um 8:15 Uhr. Wer mit dem Auto anreist, wird auf den vielen Parkplätzen in der Umgebung des Festplatzes sicher eine Abstellmöglichkeit für den fahrbaren Untersatz finden. Pünktlich mit dem Glockenschlag um 8:00 Uhr gehen die Halbmarathonis auf die Strecke. Dann nehmen wir Aufstellung. Jeder Teilnehmer bekommt einen Luftballon, der mit dem Startschuss auf eine weite Reise geschickt wird. So wie wir auch. Judith hängt sich an den 3:45-Pace-Maker. Ich wie immer hinterher. Es geht donauaufwärts. Im großen Freibad sind schon einige Schwimmer unterwegs. Für uns herrschen bei 16 Grad und bedecktem Himmel recht gute Wetterbedingungen.

 

 
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Rechter Hand sehe ich einige Rohre, sieht aus wie eine Pumpstation. Die Donau kann hier bei Hochwasser ziemlich anschwellen, anscheinend müssen dann die tieferen Gebiete leergepumpt werden. Bei Kilometer 3 verlassen wir die Stadt und kommen auf einen frisch hergerichteten Waldweg. Die Pacer-Gruppe ist doch etwas zu schnell und entschwindet, sodass wir mit Hubert ins Gespräch kommen, der in einem pinkfarbenen Team-Magenta-Hemd der Telekom unterwegs ist. Er hat bisher alle zehn Donautal-Marathons mitgemacht und ist auch auf die neue Strecke gespannt.

Während früher ein Punkt-zu-Punkt-Kurs an der Donau gelaufen wurde, haben sich die Veranstalter dieses Jahr für eine schnelle Strecke in Tuttlingen entschieden. Wir laufen zwei Schleifen: Zuerst donauaufwärts bis Möhringen, dann zurück zum Start und eine 11-km-Schleife nach Nendingen und zurück. Für Halbmarathonis war's das dann, Marathonis legen das Ganze zweimal zurück. Wir bleiben damit immer auf Tuttlinger Gebiet, denn die zwei genannten Nachbarorte wurden 1973 eingemeindet.

 

 
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Einige Seen gibt es an der Laufstrecke. Aber irgendwie bemerkt man sie kaum, so grün ist hier alles. „Renaturierung Nagelesee“ steht an einem Aussichtspunkt. An der Anton-Braun-Schule am Ortsbeginn von Möhringen dann schon die Wendestelle, mit großem Verpflegungspunkt und viel Stimmung. Die Straße ist nach Battaglia Terme benannt, einem Kurort in der Nähe von Padua und Partnerstadt Möhringens seit 1956. So kann ich nun einen Bogen zwischen den noch vorhandenen Ponton-Brücken in der italienischen Po-Ebene zu dem nun - wenigstens für mich - nächsten Highlight spannen: Neben der Eisenbahnbrücke überqueren die Läuferinnen und Läufer die Donau über schwimmende Plastikelemente, gesichert von der DLRG und eigens für den heutigen Tag montiert. Leider nicht so schwankend, wie ich gehofft hatte: Da wackelt nichts.

Die Donau, nach der Wolga zweitlängster Fluss Europas, beginnt in Donaueschingen durch den Zusammenfluss von Brigach und Breg. Das ist keine 70 Fluss-km entfernt. Wir kommen jetzt erst einmal an einem Bahnhaltepunkt mit dem Namen „Gänsäcker“ vorbei, bevor eine Sehenswürdigkeit speziell für Eisenbahnfreunde ansteht: Im Bahnbetriebswerk Tuttlingen befindet sich das Deutschen Dampflok- und Modelleisenbahnmuseum. Ein Verein hat hier einige Dampflokomotiven, hauptsächlich von der DDR-Reichsbahn, vor der Verschrottung gerettet. Vor dem Lokschuppen kann man mehrere Lokomotivbaureihen vor sich hinrosten sehen. Da wäre viel Geld nötig, um die wieder zum Laufen zu bringen.

 

 
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Auf einen schönen Weg geht es an der Donau entlang. Rechts kann man hinter dem Bahnhof das rote Backsteingebäude der Aesculap-Werke aus dem Jahr 1899 sehen. Bei km 9 sind wir am Zentrum und folgen auf der Weimarstraße dem Fluss. Schade, dass wir nicht wenigstens bei der ersten Runde über die parallele Bahnhofstraße direkt durchs Zentrum laufen. Dafür gibt es hier außer einer Staffelwechselstelle viel Musik. Die Kapellen stehen regen- und leider auch sichtgeschützt unter Dächern.

 

 
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Über Kopfsteinpflaster an der Scala vorbei, ein modernes Kino-Center mit fünf Sälen. Weiter über die Donau und dann durch die Hermannstraße mit einem Flair von Stadtmarathon. Für gut zwei Kilometer befinden wir uns nun auf einer Begegnungsstrecke: Die schnellsten Halbmarathonis kommen uns entgegen. Auf unserer Seite können Judith und ich einige der langsameren 21-km-Läufer einsammeln. So ist Spannung garantiert und der Ehrgeiz geweckt. Die Holzfassade des Bahnhofsgebäudes Tuttlingen Nord verströmt Retro-Charme. Durch eine Fußgängerunterführung geht es nun unter den Gleisen hindurch, gut gesichert von drei Ordnern. Immerhin mit Gegenverkehr. Ein Kilometer Industrie, Verpflegungsstelle und dann ab ins Grüne. Entlang der Trasse der Hohenzollerischen Landesbahn laufen wir donauabwärts. Am Rande von Nendingen führt der Weg dann spürbar 20 Meter bergauf. Ulrich spricht uns an: Er ist treuer M4Y-Leser und absolviert heute mit seiner Begleiterin den "Halben".

 

 
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Am höchsten Punkt der Strecke haben die Bewohner Nendingens eine Partyzone eingerichtet. Der Grill wird gerade angeworfen. Kurz danach bei km 16 Verpflegung für uns. Wunderschön zieht sich das farbige Band der Sportler durch die Wiesen. Es geht sanft bergab und wir können richtig Speed machen. Am Wegesrand einige Zelte. Radler haben hier campiert und frühstücken gerade am Brotzeittisch. Judith rast dahin, sammelt Läufer um Läufer ein. Mein Hinweis, dass wir heute zwei Runden laufen müssen, wird nicht kommentiert. In der Hermannstraße ein alter Kiosk: Das Bananen-Schtändle wartet auf eine Wiedereröffnung. Kurz vor dem Start- und Zielbereich tauchen Nordic Walker auf, wie so oft breit über den ganzen Weg verteilt. Wir schlängeln uns durch. Nach 1:52 Stunden passieren wir die HM-Marke. Keine schlechte Zeit für Judith und mich. Ich bin gespannt, was uns auf der zweiten Runde blühen wird. Eine Läuferin wird von Judith überholt, ich muss ein bisschen mit meiner Kraft haushalten und bleibe hinter den beiden.

 

 
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Am VP in Möhringen das volle Programm. Ich genehmige mir ein paar Bananenstücke, laufe zur Pontonbrücke und lasse die Mädels ziehen. Judith kämpft sich weiter vorne an den österreichischen Top-Marathonsammler Gerhard Wally heran. Noch 13 Kilometer. Bin ich fertig! Nun beginnt die Phase des Herumrechnens: Wie stark darf ich einbrechen, um noch unter vier Stunden zu bleiben? Puffer haben wir ja genug herausgearbeitet. Viele Brücken der Eisenbahnstrecken und Straßen sind zu unterqueren. Am Start gibt eine Stele die Donaukilometer bis zur Mündung ins Schwarze Meer an: Es sind genau 2743,62. Die Musikanten sind immer noch aktiv bei der Sache.  

Und es ist noch viel los: Überall sieht man Läufer. Das ist ganz gut gemacht, man ist nie alleine. Am Verpflegungspunkt km 33 frage ich nach Bananen. Gibt es natürlich auch, außerdem stets Wasser, Apfelschorle und Iso, persönlich von den Helfern angereicht. Ich ziehe mein Projekt weiter durch. Jeder Kilometer mit 6:00-Minuten-Schnitt bringt mir einen Zeitpuffer für später.

Ich denke an die Donauversickerungen weiter flussabwärts. Durch den Karstboden fließt ein Teil, manchmal das ganze Wasser der Donau unterirdisch Richtung Bodensee und zum Rhein. Könnte man sich auch mal ansehen.

Die Party in Nendingen ist inzwischen in vollem Gange. Ich habe den Anstieg ganz gut gemeistert. An der VP werde ich auf den bereitgestellten Mülleimer hingewiesen. Das Gefälle danach, bei der ersten Runde in 4:58 min gelaufen, bringt mir nur eine 6:00 min. Was ist das wichtigste Utensil des Streckenpostens? Ein bequemer Liegestuhl. Nach sechs Kilometern ist die schöne Wiesenrunde vorbei und zum Abschied wartet eine Herde aus pechschwarzen Kühen samt Nachwuchs auf uns. Gegenverkehr gibt es jetzt keinen mehr. Trotz Sechs-Stunden-Limit kommt die letzte Marathonläuferin bereits nach 5:09:47 ins Ziel.

An der Verpflegungsstelle bei km 40 weiß ich, dass nichts mehr schief gehen kann. Ich genehmige mir zwei Cola und trödle vor mich hin. Ich bin ratzeputz fertig. Ein Blick auf die Uhr spornt mich noch einmal an. Auf dieser Donauseite nochmals zwei Guggen-Gruppen. Die letzten stehen bei km 42 auf einer Treppe und legen sich noch mal richtig ins Zeug. Nach 3:57:44 laufe ich unter großem Beifall ins Ziel. Glücklich, aber total fertig. Judith und Gerhard warten schon. Mit 3:52:41 darf Judith bei der Siegerehrung mal wieder aufs Podest und bekommt einige nette Sachpreise. Sogar eine eigene fetzige Donautal-Marathon-Hymne wird gespielt.

Gute Zielverpflegung erwartet uns: unter anderem Cola, Apfelsaft, Iso, Wasser, Obst. Besonders das alkoholfreie Weißbier der lokalen Hirsch-Brauerei schmeckt ausgezeichnet. Für den Kuchen bin ich heute leider zu schwach. Außerhalb des Zelts prasselt inzwischen der Regen. Da haben wir es trockenen Fußes gerade rechtzeitig ins Ziel geschafft und freuen uns jetzt auf  Entspannung im nahen Freizeit- und Thermalbad TuWass. Mit der Startnummer ist der Eintritt kostenlos.

 

 

Der Donautalmarathon in Tuttlingen konnte diesmal aufgrund des geringen Höhenunterschieds von ca. 60 m mit einer schnellen Strecke aufwarten. Abwechslungsreich geht es durchs Grüne und durch die Stadt. Dank der Kombination mit einem Firmenlauf am Samstag erwartet den Läufer ein Start-Zielbereich samt Streckenorga, die auch für viel mehr Läuferinnen passen würde. Angeboten werden am Samstag neben den Kinderläufen und Schüler- sowie Firmenstaffeln auch Wettbewerbe über 5 und 10 km. Sonntags finden neben dem Marathon auch ein Halbmarathon, ein Staffelmarathon sowie ein Walking-Wettbewerb statt.

Fazit: Für jeden ist etwas dabei. Setzt Tuttlingen auf eure Liste!

 

Ergebnisse Marathon


Männer:

1.    1.Maxim Fuchs (LG Passau): 2:37,51
2.    Michael Sommer (Stuttgart): 2:46,33
3.    Ralf Heim (Spaichingen): 2:49,55


Frauen:

1.    Katja Gallasch (Salem): 3:22,55
2.    Judith Hertell (Klinikum Tuttlingen): 3:24,18
3.    Nina Kallabis (LG Baar): 3:29,26

Finisher:
Marathon:75
M-Staffeln: 70
Halbmarathon: 317

 

 

 

 

 

 

 

 
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Informationen: Donautal-Marathon
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