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Asklepieion XXL

17.06.12

Freitagabend, genauer Freitagnacht. Kurz vor Mitternacht mache ich mich nach Beendigung einer Woche intensiver aber befriedigender Projektarbeit auf den Heimweg. Genauer: Will mich auf den Weg machen. Ich betätige den Anlasser und es tut sich kein Wank. So habe ich mir den Beginn des Wochenendes nicht vorgestellt.

Der Pannenhelfer ist ratlos. Für mich tönt es mehr nach Fluchen über Autos gallischer Provenienz, für die Kutsche sind es offensichtlich Beschwörungsformeln.  Ein Einfall nach dem Motto „Nützt es nicht, so schadet es nicht“ bringt die Heilung. Ganzes System stromlos gemacht und die Elektronenkäferchen marschieren anschließend wieder in den vorgesehenen Bahnen. Eine wundersame Heilung.

Nach der anstrengenden Woche brauche ich Erholung  und zum Glück steht nach der Entpannung einer Fahrt zur Kur meiner Wahl am Sonntag automobilistisch nichts mehr im Weg. Ich fahre nach Tuttlingen, Hauptstadt der Medizintechnik, und steuere das TuWass an, die Tuttlinger Wasserwelt, eine staatlich anerkannte Heilquelle. Dies ist vorerst nur der Ausgangspunkt für meinen Kuraufenthalt. Von hier aus mache ich mich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof. Wie überall abseits der Ballungszentren wirkt der am frühen Sonntagmorgen provinziell. Genauer gesagt, er würde so wirken, wenn da nicht eine bunte Truppe mit sportlichen Absichten wäre, die auf den Extrazug um 06.45 Uhr nach Hausen im Tal wartet.

 
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Die Landschaft des Naturparks Oberes Donautal zieht vor den Fenstern vorbei. Irgendwie dauert es recht lange, bis wir ankommen. Diese ganze Strecke werden wir bald zu Fuß in Angriff nehmen. Wie einem die Marathondistanz auf diese Weise vor Augen geführt wird, beeindruckt auch einen alten Hasen wie mich. Wer alle Energie fürs Laufen aufsparen will, entert den Shuttlebus, die anderen gehen den knappen Kilometer von der Bahnstation zum Tobelhaus.

In diesem Vereinshaus werden Kaffee, Brezel und Startunterlagen ausgegeben; wer will, kann – so lange Vorrat -noch ein Funktions-Shirt für 12 Euro erwerben, und vor dem Haus stehen ein paar blaue Kabäuschen bereit, um den erwartungsvollen Läufern den Druck wegzunehmen. Was es halt für diese Art von Kur so braucht.

Der Aesculap Donautal Marathon ist nur ein Bewerb aus dem Potpourri des run & fun –Anlasses, einer Initiative des Stadtverbands für Sport, des Schneeschuhvereins Tuttlingen, der TG Tuttlingen sowie des TSF Tuttlingen.

Ist die Bezeichnung  Aesculap Marathon nicht ein Pleonasmus? Irgendwie schon. Asklepios (lat. Aesculapius), der Gott der Heilkunde,  und Marathon haben doch die gleiche Wirkung. Das sehe ich durchaus so, darum bin ich hier, doch in diesem Fall gibt es eine andere Erklärung. Aesculap, führender Anbieter von Medizintechnik und in Tuttlingen verankert, ist Titelsponsor der Königsdisziplin und des samstäglichen Halbmarathons mit Start und Ziel in Tuttlingen.

Leider gibt es die Wertung für den Goldenen Schuh nur für die Halbdistanz, denn sonst hätte ich mir bei meinem heutigen Kuraufenthalt auch die Kombinationstherapie angedeihen lassen. Doch der Goldene Schuh, die gemeinsame Wertung vom Bad Waldseer Lauffieber und von run & fun in Tuttlingen, ist tatsächlich auf den Halbmarathon beschränkt. Liegt es daran, dass es bei Spitzenläufern unüblich ist, mehr als zwei bis drei Marathons im Jahr zu laufen und davon auf alle Marathonis geschlossen wird? Nun, ich bin Gesundheitsläufer, da gelten andere Maßstäbe…

Vom Tobelhaus geht es runter auf die Hauptstraße, wo die Busse warten, die das Gepäck zum Ziel befördern. Von hier sind es ein paar Schritte zum Startbereich, wo die örtliche Kapelle für musikalische Untermalung besorgt ist.  Das Teilnehmerfeld für den langen Kanten ist überschaubar, trotzdem geht es zu und her wie bei einer Großveranstaltung. Das Führungsfahrzeug mit aufgebauter Uhr steht bereit, Landrat, OB und der Vertreter des Titelsponsors werden begrüßt und interviewt und die Teilnehmer erhalten bunte Luftballons. Wie bestellt, reißt die Wolkendecke auf, und nachdem die Vorfreude unsere Gemüter schon lange erhellt, kleidet die Sonne nun den Ort in ihren Schein.

 
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Ein synchroner Knall aus zwei Pistolen entlässt uns unter den davonschwebenden Luftballons hindurch auf die Strecke, die zuerst talauswärts durch den geologischen Albdurchbruch der Donau führt. Eine gute Lösung, um auf die geforderte Distanz zu kommen, denn landschaftlich ist die erste Streckenhälfte sicherlich die imposantere.

Nach wenigen Schritten sind wird dort, wo früher Asklepieien errichtet wurden: in ruhiger Landschaft, fernab einer Stadt. Schon damals war bekannt, dass der Rummel einer Stadt keine gute Umgebung war, um ein Leiden auszukurieren. In diesen Heilstätten, zu denen dem damaligen Brauch folgend ein Heiligtum zu Ehren Asklepios  gehörte, wurden nach Heilung Suchende ganzheitlich und unter Rücksichtnahme auf ihre Herkunft betreut. Ein Asklepieion war nicht nur ein Ort medizinischen, sondern auch psychologischen und sozialen Wirkens. Also genau wie Marathon.

Ich lasse an diesem Sonntagmorgen die ruhige Landschaft auf mich wirken und teile die stille Freude mit den anderen Teilnehmern. Nach zwei Kilometern wechseln wir ans rechte Donauufer und die Laufrichtung. Dass sich die Sonne wieder verzieht, ist zu verkraften. Die Temperatur ist angenehm und das Grün um uns herum wirkt in dieser Beleuchtung noch fast üppiger.

Es folgen ruhige Kilometer auf dem Donau-Radweg. In einer Beschreibung habe ich gelesen, dass dieser auf diesem Abschnitt recht anspruchsvoll sei. Ich würde ihn – abgesehen von vielleicht zwei Stellen -als sanftes aber stetiges Auf und Ab beschreiben. Irgendwo müssen die 572 Höhenmeter dieses Marathons schließlich herkommen.  Der Wechsel von Wald, Waldrand, Feld und Wiese, mal direkt an der Donau, mal in einiger Entfernung, sorgt für Abwechslung und laufend neue Perspektiven. Ich laufe, entspanne, genieße und tanke Kraft für Kommendes.

 
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In den Asklepieien des Altertums wurde der Heilungsprozess auch durch Kräutermedizin und reines Wasser unterstützt. Wir bekommen bei den ersten Verpflegungen Wasser, Apfelschorle und Bananen, später auch Cola. Dreizehn Verpflegungsposten gibt es insgesamt, wobei  sie in immer kürzeren Abständen folgen, je länger einem ein Kilometer vorkommt.

Kurz vor dem zehnten Kilometer ist nach erneuter Überquerung der Donau die zweite Tränke eingerichtet, und zwar vor einem den Bauformen des 19. Jahrhundert folgenden zweckfremden Stiltempelchen. Es ist kein dem Asklepios geweihtes Heiligtum, sondern die St.  Maurus-Kapelle. Die christliche Bildkunst der Fresken zeigt dies deutlich.

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Informationen: Donautal-Marathon
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