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Laufberichte

Familienfest

 

Gabi und Peter Gründling sind in der (Ultra-)Laufszene ein Institution. Was die Beiden anpacken, hat immer Hand und Fuß. Schon vor Jahren setzten sie erfolgreich die Idee eines 6h-Laufs in die Tat um. Dass es in Kleinkarlbach etliche Höhenmeter zu überwinden gilt, ist das eher ein Markenzeichen und schreckt wohl ernstlich keinen ab. So ist die Begrenzung des Teilnehmerfelds auf 70 auch notwendig, denn die Grundschule am Bachweg würde sonst aus allen Nähten platzen. Und das wäre für den hohen Qualitätsanspruch der Gründlings sicher kontraproduktiv. Dass der Lauf nur alle 2 Jahre stattfindet, erhöht die Attraktivität zusätzlich.

In diesem Jahr feiert Deutschland am 3. Oktober den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung und in Kleinkarlbach findet der 6h-Lauf zum 6. Mal statt. In dem knapp 1000 Seelen-Ort ist von Feierlaune allerdings nichts zu spüren. Hier geht es am frühen Morgen beschaulich zu. Das Zelt für die Verpflegung und die Zeitnahme ist bereits aufgebaut, Parkplätze sind an der Grundschule genügend vorhanden. Als wir ankommen, ist der kleine Vorraum zur Turnhalle brechend voll. Wie bei einer großen Familienfeier haben sich Freunde und Bekannte eingefunden. Auch wer sich nur aus dem Netz kennt, kann sich endlich „in echt“ begrüßen. Wie ein Fels in der Brandung verteilt Gabi nach herzlicher Begrüßung die Startnummern. Jede wurde von Hand mit dem Namen des Läufers versehen. Zusätzlich bekommt jeder noch ein Los für die Tombola nach der Siegerehrung.

 
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Wer wollte, konnte in der Sporthalle übernachten und wurde am Morgen zu einem üppigen Frühstück eingeladen. Gabi und Peter tun eben alles für ihre Läufer. Mit der Zeit verlagert sich das Leben nach draußen. Ohne Stress bereitet sich jeder vor. Um kurz vor 10 findet ein kurzes Briefing statt. Peter Gründling gibt noch schnell wichtige Hinweise, die vor allem von den Neulingen interessiert verfolgt werden: Keinen Müll auf der Strecke liegen lassen, sich nicht mit großen Traubenvollerntern anlegen und den roten Pfeilen folgen. Außerdem sind wohl wegen einer Straßensperrung im Nachbarort, trotz Fahrverbots, einige Autos auf der Strecke zu erwarten.

Die Startlinie ist mit roter Farbe gekennzeichnet. Als sich alle dahinter versammelt haben, geht es los. Der schmale Bachweg erlaubt maximal drei Personen nebeneinander. Im dichten Feld scheint es jedoch keiner so richtig eilig zu haben. Wenn vorne Tempo gemacht wird, bekommen wir das hinten jedenfalls nicht mit. Es geht im Schatten am Eckbach entlang, über eine kleine Brücke, der Weg wird breiter und führt an Wohnhäusern vorbei.  Die Geranien sind in voller Blüte. Am Gemeindehaus geht es scharf rechts.

Gepflegte Fachwerkhäuser säumen die enge Straße. Jetzt führt der Weg spürbar bergauf. Außerhalb des alten Ortskerns wurden neue Häuser an den sonnigen Hang gebaut. Hier ist es schon ganz schön steil. Nochmal rechts und wir finden uns im Weinberg wieder. Eigentlich wollte ich in den ersten Runden die Steigung noch laufen, aber meine Beine sind bleischwer. Da hilft nur wandern. Hinter einer leichten Linkskurve geht es nochmal richtig zur Sache. Norbert ist mein Tempo zu langsam und er verabschiedet sich nach vorne. Oben angekommen, laufen wir an der Kreuzung rechts weiter (km 1).

Der Weg wird flach und führt an den Reihen bereits abgeernteter Rebstöcken vorbei, leicht bergab. An der nächsten Kreuzung zeigt der rote Pfeil wieder rechts. Ein Schild kündigt ein Gefälle von 16 % an. Das ist so steil, dass man gerade noch locker laufen kann. Unten hinter dem Gelände der Schleifmühle geht es nochmals rechts. Wir sind wieder auf dem Bachweg, der hier noch Straße ist. Mit Schildern werden die Autofahrer wegen des Laufes zur Vorsicht ermahnt. Als der Weg wieder zum schmalen Radweg wird (km 2), ist das Läuferfeld bereits so auseinander gezogen, dass man sein Tempo frei wählen kann. Hinter einer S-Kurve liegt wieder der Startbereich. Die ganze Runde ist offiziell vermessen und knapp 2500 m lang.

 
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Nach der zweiten Runde schaue ich das erste Mal beim Verpflegungszelt vorbei. Es gibt allerlei Kuchen, Nüsse, Kekse und diverses Gemüse. Dazu Erdinger, Wasser, Cola, Iso und Tee. Die Helfer sind im Dauereinsatz. Becher füllen und frisches Gemüse schneiden sind Akkordarbeit. Mit fast 13 Jahren ist Johanna die jüngste Helferin. Ihr Engagement kommt bei den Läufern gut an. Sie scheint stets den Überblick zu bewahren und lässt sich auch von ausgefallenen Wünschen nicht aus der Ruhe bringen.

Am Ausgang der Verpflegung werde ich zum ersten Mal überrundet. Matthias Klug hat bereits einen großen Vorsprung herausgelaufen. Erst an der Steigung kommen die nächsten schnellen Läufer von hinten. Langsam bin ich eingelaufen und es geht nicht mehr so zäh, wie am Anfang. Wie die meisten meiner Mitstreiter marschiere ich die steilen Abschnitte hinauf und lasse es bergab rollen. Ansonsten bleibt viel Zeit, um sich mit anderen auszutauschen. Das macht den Lauf kurzweilig. Das Wetter ist optimal. Immer wieder verhindern Wolkenfelder, dass es im Weinberg zu warm wird.

Die Aussicht ist fantastisch: wenn man die Steigung hinter sich gelassen hat, liegt rechts unten das verträumte Kleinkarlbach zu unseren Füßen. Die Weinbaugemeinde liegt im “Herzen des Leiningerlandes”, im Landkreises Bad Dürkheim in der Pfalz. Das milde Klima ist für Weinbau optimal geeignet. Westlich geschützt durch die Ausläufer des Haardtgebirges gedeihen hier Riesling, Morio-Muskat, Silvaner, Gewürztraminer, Portugieser, Spät- und Weißburgunder. Daneben werden traditionell aus heimischem Obst hochwertige Schnäpse gebrannt. Von besonderer Bedeutung für den Ort waren früher, neben dem Weinbau, die Mühlen, von denen fünf noch teilweise erhalten sind. Eine davon ist auch heute noch in Betrieb. Daher wird Kleinkarlbach auch „Dorf der Mühlen und Brunnen“ genannt.

 
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Vor uns liegt im Dunst das Rheintal, das sich bis zum Odenwald erstreckt. Wenn man genau hinsieht, kann man sogar die Schornsteine der Industrieanlagen von Mannheim und Ludwigshafen erahnen. Beim Zurücklaufen auf dem Bachweg kommt Neuleiningen in Sicht. Auf 300 m Höhe gelegen, fällt die mittelalterlichen Stadtbefestigung und die Burg ins Auge, die mit den modernen Windrädern im Hintergrund ein paradoxes Bild abgeben.

Auf der Strecke selbst ist einiges los. Immer wieder kommen Schnellere von hinten. Man hält ein kurzes Schwätzchen, dann ziehen sie weiter. Auch ich kann einige langsamere Läufer überrunden. Außerdem sind viele Spaziergänger und Radler unterwegs. Zunächst schütteln viele den Kopf, als sie hören, was wir hier so treiben. Gegen später lassen sich auch einige anstecken und klatschen Beifall. Man sieht ja schließlich nicht alle Tage Leute, die freiwillig 6 Stunden im Kreis laufen. Während beim letzten Mal die Streckenrekorde bei Frauen und Männern geknackt wurden, scheinen heuer keine ganz schnellen Läufer am Start zu sein. Der Führende vom Anfang musste seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und ist bereits ausgestiegen.

Beim letzten Durchlaufen des Start-Ziel-Bereichs bekommt jeder von Gabi ein Fähnchen mit seiner Startnummer. Nach den vollendeten 6 Stunden dient es als Markierung für die gelaufenen Restmeter. Man steckt es dort, wo man sich gerade befindet, in die Erde. So muss man nicht warten, bis die Vermesser vorbeikommen. Knapp 20 Minuten ist noch Zeit, als ich mein Fähnchen in Empfang nehme. Vielleicht schaffe ich ja noch eine Runde; das wäre toll. Die Verpflegung lasse ich jetzt aus und versuche gleichmäßig weiter zu laufen, obwohl ich die Steigung natürlich gehen muss. Oben läuft es noch ganz gut, was mich dazu motiviert, auch das letzte Stück noch zügig hinter mich zu bringen. Tatsächlich schaffe ich es noch einmal komplett herum. Im Zielbereich werde ich mit Applaus empfangen und habe noch eine Minute. Ich raffe mich noch zu einem Schlusssprint auf. Dann ertönt eine Hupe als Endsignal und der Lauf ist vorbei.

 

 

Während ich noch einen gut sichtbaren Platz für mein Fähnchen suche, kommen mir bereits die ersten Läufer entgegen. Gemeinsam gehen wir zum Startbereich zurück. Die Vermesser sind schon bei der Arbeit. Es werden für jeden Läufer die verbleibenden Restmeter notiert und zum Rundenergebnis dazu addiert. Gabi verteilt bereits die ersten Medaillen. Jeder bekommt eine, egal, wie weit er gekommen ist. Erdinger alkoholfrei macht die Runde und die Reste der Verpflegung werden verspeist. Man gratuliert sich, obwohl man gerade noch auf der Strecke versucht hat, sich gegenseitig zu überholen. Beim Rundenlauf weiß man schließlich nie, ob das nicht zum Schluss doch den Ausschlag für eine bessere Platzierung gibt. Anschließend geht es in die Halle zum Duschen.

Im Gemeindehaus ist das Essen bereits angerichtet. Nach der Anstrengung sind alle hungrig und weil es sowieso im Startgeld inbegriffen ist, folgen alle der Einladung. Es gibt vier verschiedene Nudelgerichte, dazu Salat. Als alle satt sind, erwarten wir gespannt die Siegerehrung. Zuerst bekommt aber eine Läuferin ihre Urkunde für den 100. gefinishten Marathon. In solch einer schönen Runde geehrt zu werden, macht ihr sichtlich Freude. Anschließend wird allen Helfern gedankt.

Der Höhepunkt ist aber die Siegerehrung. Bernhard Matthäss, mir persönlich sehr sympathisch, weil er immer lachend an mir vorbeigezogen ist, gewinnt mit 68,614 Kilometern und deutlichem Vorsprung vor Jens Deiß, der 63,743 geschafft hat. Knapp dahinter liegt Guido Jörg mit 63,513.

Beste Frau war Catherine Bayer-Klier mit 59,314 vor der Vorjahreszweiten Stefanie Krieg mit 55,688 und Erika Stiermann mit 55,445. Die drei besten Frauen und Männer erhalten Preise, sowie die drei schnellsten Paare. Das war es dann auch schon. Keine langen Reden und keine unnötigen Pausen. Zum Schluss kann man bei der Tombola das Los, das man mit der Startnummer erhalten hat, gegen ein Präsent eintauschen. Dann wird es Zeit, sich auf den Heimweg zu machen.

Fazit:

Dieser Lauf ist etwas ganz Besonderes: Nicht wegen der top Organisation, nicht wegen der tollen Verpflegung, nicht einmal wegen der extra schweren Strecke. Es ist die Atmosphäre, die hier herrscht. Norbert und ich haben uns wieder sehr wohl gefühlt. Im nächsten Jahr gibt es von den Gründlings im Mai in Bad Dürkheim den 12 h-Salinenlauf, der seit 2012 im Wechsel zum 6h Lauf in Kleinkarlbach ausgetragen wird. Wir sehen uns hoffentlich wieder am 3. Oktober 2017 zum nächsten 6h-Lauf in Kleinkarlbach.

 

Informationen: 6-Stundenlauf Kleinkarlbach
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