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Laufberichte

6Stunden Kleinkarlbach: Zu Gast bei Freunden

05.10.13

Als Vielläufer sind wir immer auf der Suche nach neuen Läufen. Am 3. Oktober wird in Kleinkarlbach bereits zum 5. Mal ein 6h-Lauf ausgetragen. Man kann sich darüber streiten, ob dies nun ein „neuer“ Lauf ist. Für uns jedenfalls ist er neu.

Begeisterte Erzählungen von Lauffreunden lassen den Entschluss reifen, uns diesen Lauf einmal näher anzusehen. Die Veranstaltung wird von Gabi und Peter Gründling organisiert,  was nur Gutes verheißt. Anmelden ist ganz einfach: auf der Homepage von „laufenlassen.de“ wird das Anmeldeformular ausgefüllt. Man bekommt dann per Email eine Kontonummer, überweist das (geringe) Startgeld und ist drin.

Gesagt, getan. Aber bereits kurze Zeit später erhalten wir eine Email von Gabi: der Lauf ist ausgebucht! Wir sind auf der Warteliste Platz 7 und 8. Die Erfahrung würde aber zeigen, dass in den letzten Wochen vor dem Lauf immer wieder Läufer kurzfristig absagen. Spannende Wochen stehen uns bevor. Ich will nun erst recht unbedingt zu diesem Lauf!

Vier Tage vor dem Austragungstermin sind Norbert und ich dann auch wirklich beide in die Starterliste reingerutscht. Wir entfliehen also den Feierlichkeiten zum  „Tag Der Deutschen Einheit“ in Stuttgart und machen uns auf in die Pfalz. Die Weinbaugemeinde Kleinkarlbach mit ihren 946 Einwohnern liegt im “Herzen des Leiningerlandes”, eingebettet in rebenbepflanzte Hügel und westlich geschützt durch die Ausläufer des Haardtgebirges. Von der Nähe der Metropolregion Rhein-Neckar ist hier nichts zu spüren. Der Ort besticht durch gepflegte, bodenständige Gastlichkeit.

 
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Die Grundschule am Bachweg ist das Herzstück des Laufs. Parkplätze sind genügend vorhanden. Im Foyer der Sporthalle verteilt Gabi nach herzlicher Begrüßung die Startunterlagen. Der Raum ist klein und gemütlich. Hier gibt es auch Frühstück für die Läufer, die in der Sporthalle übernachten.  Bei 70 Startern ist die Atmosphäre familiär. Alle „Sorten“ sind vertreten: vom Marathonneuling, der einfach mal eine lange Strecke unter Optimalbedingungen ausprobieren will, bis zum Spartathlon-Gewinner. Jeder kommt hier auf seine Kosten.

Mit der Zeit verlagert sich das Leben nach draußen. Obwohl es mit 8 °C lausig kalt ist, tut das der guten Stimmung keinen Abbruch. Die wärmenden Sonnenstrahlen tragen ihren Teil dazu bei. Bei der Zeitmessung wird schon emsig gearbeitet und die guten Geister an der Verpflegung treffen letzte Vorbereitungen. Kurz vor 10 Uhr gibt Peter noch eine letzte Einweisung: keinen Müll auf den Weg werfen und den roten Pfeilen folgen. Der Gemeindevorsteher begrüßt uns noch herzlich; hält sich aber angenehm knapp.

 
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Dann geht es los. Am Eckbach entlang folgen wir dem schmalen Bachweg. Das Feld ist noch dicht und die meisten haben es nicht eilig. Norbert ist schon weg und so reihe ich mich irgendwo hinten ein. Der Weg geht leicht bergauf. Die Steigung ist minimal aber doch spürbar. Zwei niedrige Warnpfosten erweisen sich im dichten Feld als gefährliche Hindernisse. Mehr oder weniger elegant werden sie umlaufen. Rechts liegt versteckt die Strohmühle, eine von 23 Mühlen des hier verlaufenden 23 km langen Eckbach Mühlenwanderwegs. Es geht über eine kurze steinerne Brücke. Der Weg wird breiter. Wir laufen um eine scharfe Rechtskurve auf eine enge Straße. In der Ausschreibung wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Strecke nicht für den Verkehr gesperrt sein würde. Das wirklich minimale PKW-Aufkommen ist mir während der ganzen Zeit nicht störend aufgefallen.

An gepflegten alten Häusern vorbei geht es nun spürbar bergauf. Außerhalb des Ortes gibt es auch neuere Häuser, die  am sonnigen Hang gebaut sind. Hier ist es schon ganz schön steil. Nochmal rechts und wir sind im Weinberg. Vereinzelt wird bereits gegangen. Hinter einer leichten Linkskurve geht es nochmal richtig steil zu Sache. Oben angekommen, laufen wir an der Kreuzung rechts weiter (km1). Der Weg wird flach und läuft dann leicht bergab. Mein Schritt wird flotter und ich setze zum Überholen an.

An der nächsten Kreuzung geht es wieder rechts. Ein Schild kündigt das 16 %ige Gefälle an. Puh, das gefällt meinen Beine nicht. Unten, hinter dem Gelände der Schleifmühle, geht es nochmals rechts. Wir sind wieder auf dem Bachweg, der hier noch Straße ist. Mit Schildern werden die Autofahrer zur Vorsicht gemahnt. Als der Weg wieder zum schmalen Radweg wird (km 2), ist das Läuferfeld bereits so auseinander gezogen, dass man sein Tempo frei wählen kann. Hinter einer S-Kurve liegt wieder der Startbereich. Die Strecke ist knapp 2500 m lang.

Obwohl ich flott unterwegs bin, werde ich bereits in der dritten Runde überrundet. Bernhard Munz hat sich für heute 70 Kilometer vorgenommen. Mit freundlichem Gruß rennt er auf dem Bergabstück an mir vorbei. Lange Zeit vergeht, dann kommt der 6-h Neuling Roland Stulz. Konzentriert ist er ebenfalls in schnellem Tempo unterwegs. Die führende Frau kommt eine Runde später vorbei. Natascha Bischoff fliegt förmlich mit wehenden Zöpfen über die Strecke.

Nach der vierten Runde halte ich kurz am Verpflegungszelt. Es gibt Wasser, Iso-Tee, Apfelschorle, Erdinger alkoholfrei und Cola. Frisch gestärkt geht es weiter. Die meisten machen es wie ich: die Steigung wird konsequent gegangen. Dadurch hat man Zeit auch für eine längere Unterhaltung. So vergeht die Zeit wie im Flug. Nach drei weiteren Runden wird es Zeit etwas zu essen. Norbert ist auch gerade da. Wir können uns gar nicht entscheiden. Es gibt so viel appetitlich angerichtete Happen, dass der Vergleich mit einem vier Sterne Buffet nicht schlecht ausfallen würde. Süß oder salzig? Fruchtig oder nussig? Ich entscheide mich für Kräcker mit Frischkäse und Karottenkuchen.

Bei mir wird es jetzt zäh. Bereits die erste minimale Steigung nach der Verpflegung wird zur Prüfung: bloß nicht gehen. Die folgende lange Steigung kostet schon genug Zeit. Bergab versuche ich locker zu bleiben. Der flache Bachweg zieht sich dagegen immer länger. Nach der morgendlichen Kälte ist die Temperatur bereits im angenehmen Bereich. Zum Laufen sind 18 °C genau richtig. Im Weinberg weht dann ein angenehmes Lüftchen (Pessimisten nennen es Gegenwind).

Die Aussicht ist fantastisch: wenn man die Steigung hinter sich gelassen hat, liegt rechts unten das verträumte Kleinkarlbach. Vorne breitet sich das Rheintal bis zum Odenwald aus. Beim Zurücklaufen auf dem Bachweg kommt Neuleiningen in Sicht. Auf 300 m Höhe gelegen fällt die mittelalterlichen Stadtbefestigung und die Burg ins Auge, die mit den modernen Windrädern im Hintergrund ein paradoxes Bild abgeben.

Auf der Strecke selbst ist einiges los. Immer wieder kommen Schnellere von hinten. Man hält ein kurzes Schwätzchen, dann geht es weiter. Auch ich überrunde nun regelmäßig langsamere Läufer. Hin und wieder kommen Gabi und Peter entgegen, um nach dem Rechten zu sehen und die Läufer persönlich zu motivieren. Natürlich gibt es auch Spaziergänger und Radfahrer in dieser schönen Gegend.

 
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Am interessantesten unterwegs sind die Erntearbeiten, die in den Weinbergen in vollem Gange sind. Vorbei sind wohl die Zeiten, als Horden von Arbeitern die Trauben von den Rebstöcken abzwickten und in Rückentragen zum Weitertransport ablieferten. Hier ist ein riesiger Vollernter im Einsatz. Das mehrere Meter hohe Gefährt wird von einer Person über die in Reihen ausgerichteten Weinreben hinweg bewegt. Geerntet werden die Trauben dabei, von außen unsichtbar, durch Klopfen und Rütteln. Ein Lamellensystem, das die Rebstöcke umschließt, fängt die herab fallenden Traubenbeeren auf, die dann über ein Förderband in einen Auffangbehälter geleitet werden. Ein Gebläse entfernt Laub und kleine Äste. Wenn der Behälter voll ist, wird er über einen Rüssel, ähnlich wie bei Mähdreschern, in den bereitstehenden Anhänger entleert.

Mehrere Male kreuzt dieses Ungetüm unseren Weg. Es macht einen Höllenlärm und ist so breit, dass wir panisch auf den Grasstreifen am Wegrand ausweichen. Ich fühle mit den führenden Läufern, die dabei ihren Rhythmus unterbrechen müssen. Dennoch beklagt sich keiner. Zum einen war dies aus der Ausschreibung bekannt, zum anderen ist die Unterbrechung vielleicht doch nicht so unwillkommen. Auch (oder gerade) die Eliteläufer leiden, obwohl dies kaum zu sehen ist. Sie drehen unvermindert ihre Runden und nutzen die Steigung natürlich nicht zum Gehen. Wir „Normalos“ verweilen dagegen gerne mal am Verpflegungsstand; sogar auf dem Aussichtsbänkchen unterwegs hab ich mal welche erwischt.

Bei den Frauen ist die Führung klar: Natscha Bischoff müsste schon aussteigen, um ihren Sieg noch zu verhindern. Sie wird sogar Gesamtdritte. Stefanie Krieg muss ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen und zusehen, wie Melanie Straß in gleichmäßigem Tempo immer näher kommt. Sie werden sich zum Schluss den zweiten Platz teilen. Ähnlich geht es Bernhard Munz, der vor 2 Wochen Deutscher Meister seiner AK im Crosslauf wurde. Er kann seinen Vorsprung, der bei der Hälfte des Rennens noch fast eine Runde betrug, nicht halten und muss dem 15 Jahre jüngeren Roland Stulz den Sieg überlassen. Mit seinen über 73 Kilometern hat Bernhard Munz sein persönliches Ziel dennoch mehr als erreicht. Hinter der schnellsten Frau wird Marco Schneider Dritter.

Beim letzten Durchlauf des Startgeländes bekommt jeder von Gabi ein Fähnchen mit seiner Startnummer. Nach vollendeten 6 Stunden dient es als Markierung für die gelaufenen Restmeter. So muss man nicht warten bis die Vermesser vorbeikommen. Ich bin gerade auf dem steilen Bergabstück, als mich Norbert überholt. Wir kommen nicht weit voneinander entfernt zum Stehen. Erfolglos versuche ich mein Fähnchen in den harten Boden zu stecken. Ein Mitläufer gibt mir den Tipp, es in die Ritzen des Bordsteins zu stecken. Zusammen machen wir uns auf den Weg zum Verpflegungszelt.

 
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Leider verpassen wir die kleine Feier für Daniel Basel, der heute seinen 400sten Marathon finishen konnte - herzlichen Glückwunsch! Es gibt für jeden eine Medaille und Erdinger alkoholfrei. Die Reste der Verpflegung werden vertilgt. Das Wetter ist schön, die Läufer fröhlich und gut gelaunt. Kurzum, es ist so gemütlich, dass keiner eilig unter die Dusche verschwindet. Nur langsam löst sich die Versammlung auf. Wir sehen uns ja gleich wieder. Im nahen Gemeindehaus hat Gabi das Abschlussessen vorbereiten lassen. Nudeln satt mit vier verschiedenen Soßen werden angeboten; dazu noch Salate. Wer hier hungrig aufsteht, ist selber schuld.

Der Höhepunkt ist die Siegerehrung. Mit 69,396 km bei den Frauen und 75,294 km bei den Männern sind die alten Streckenrekorde gefallen. Die drei besten Frauen und Männer werden geehrt, dazu noch die drei schnellsten Paare. Das war es. Keine langatmigen Reden und keine unnötigen Pausen. Bei der Ausgabe der Startnummern bekam noch jeder ein Los. Dieses kann man jetzt gegen ein Präsent eintauschen. Wir dürfen uns alle einen Pfälzer Wein aussuchen.

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Der Lauf ist Spitze! Die Begrenzung auf 70 Teilnehmer macht es überschaubar. Der Austragungsort mit der Schulsporthalle als Zentrale bietet perfekte Infrastruktur, wie z. B Toiletten an der Strecke. Das anspruchsvolle Streckenprofil ist ein Alleinstellungsmerkmal, welches diesen Lauf attraktiv-selektiv macht. Die exzellente Verpflegung brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen, genauso wie die perfekte Organisation. Auch wegen des sehr guten Preis-Leistungsverhältnisses fühlt man nicht wie bei einem Laufevent, sondern eher als Gast bei Freunden.

 

Informationen: 6-Stundenlauf Kleinkarlbach
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