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Laufberichte

1 – 2 – 3 - ich bin dabei!

20.05.06

50 km Lauf im Emmental – der Vorhang fällt.

 

Wieso stehe ich schon wieder in einem Startblock? Letzten Samstag beim GP Bern ein 10 Meilenlauf – schon aus Gründen der Tradition - und genau eine Woche später steht ein Ultra auf dem Programm. 

 

„Das OK. des 50Km-Lauf Emmental und des Mänziwilegglaufes teilen den geschätzten Wettkämpfern mit, das die letzen Veranstaltungen am 20. Mai 2006 stattfinden.“

 

Die Ära des Ultras im Emmental geht zu Ende. Er wurde in diesem Jahr zum 35. Mal durchgeführt – und leider auch zum letzten Mal. Der Grund: mangelndes Interesse der Sponsoren. Angefangen hat es mit den 60 km durch das Emmental, dann etwas reduziert auf 50 km in den 90er Jahren, organisiert durch den Lauf- und Marschierverein Emmental.

 

Die Strecke geht praktisch an unserer Haustüre durch. Jedes Jahr hatte ich – mehr oder weniger – gute Ausreden, nicht teilzunehmen. Zum einen das Wetter (wie so oft hatte es einen regnerischen Gesamteindruck...) – oder die zeitliche Lage des Laufes. Schliesslich sind es nur noch 3 Wochen bis zum 100 km Lauf in Biel.

 

Nun, dieses Jahr hatte ich aber keine Ausrede mehr – die letzte Austragung durfte ich nicht verpassen. Mit Heimvorteil. Dass heisst, ausschlafen bis um 7:00h und trotzdem ohne Stress an den Start in Hindelbank, etwa 15 Minuten per Auto entfernt. Das Startgelände und die Teilnehmer sind überschaubar, keine Menschenmassen sind zu erwarten.  

 

 
Der Autor
© marathon4you.de 3 Bilder

Auf dem Weg nach Hindelbank sehen wir schon die 50-km-Marschierer entgegenkommen. Kurze Unsicherheit und nachdenken: ist wirklich erst um 9:00 Uhr Start oder habe ich den jetzt etwa verpasst? Ein genauerer Blick identifiziert die Teilnehmer jedoch als Wanderer, Marschierer und Nordic Walker, welche die Strecke bis um Zielschluss um 18:00h zurückgelegt haben werden.  

 

Die Strecke

 

Die Strecke geht durch mein Trainingsgebiet – zweiter Heimvorteil also. Kein Weg, den ich nicht schon kenne. Doch aneinandergereiht auf 50 km bin ich diese Strecke noch nicht gelaufen. Genau 50.200 Meter verläuft die Strecke des 50 km Laufs im Emmental fast ununterbrochen durch die Natur. Dabei gilt es, knapp 900 anstrengende Höhenmeter zu absolvieren. Die erste Hälfte geht ständig leicht bergauf bis zum Mänziwilegg, danach wieder bergab. Etwas weniger als zwei Drittel der Strecke läuft man auf Asphalt. In der zweiten Hälfte sind trotz dem abfallenden Gefälle noch einige Steigungen zu bewältigen.

 

An der Nachmeldung gegen meine Erwartungen eine kleine Schlange – das letzte Event und das nicht allzu schlechte Wetter haben noch manche Läufer angelockt. Einige bekannte Gesichter des Ultra-Clubs sind mit dabei. Ich bekomme – ein gutes Omen – meine Startnummer „123“ – zum ersten 50 km im Emmental, zum 2.ten Ultra nach dem 100km Lauf letzten Jahres und zum dritten – heute „nur zum Spass“ als Vorbereitungslauf zum 100km Lauf in Biel, der in 3 Wochen stattfinden wird.

 

 9:00 Uhr - der Start

 

Der Föhn hält sich gerade noch so, die Schlechtwetterfront von Westen drückt hinein. Werden wir doch nass? Vielleicht doch nicht, wenn wir schnell genug sind? Der Ordner, welcher uns zum Parkieren eingewiesen hat, meinte wir werden nass...

 

 
Los geht's
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Die Betreuer und Begleitungen der Läufer bilden ein dünnes Spalier. Wir laufen auf Landwirtschaftswegen gegen Osten, Richtung Krauchtal. Die Läufergruppe teilt sich schnell in kleinere Gruppen.

 

Die schnellste Gruppe vor uns geht etwas schneller ins Rennen mit einem 4:00/4:15min Schnitt. So schnell, dass auch die Pferde auf der Koppel neben uns zum Mitgaloppieren animiert werden. So schnell will ich nicht starten. Mein ursprünglicher Plan war mit 5:45 Minuten, es werden dann doch eher 4:45 Minuten. Es geht durch Schleumen, einen Weiler Richtung Hettiswil / Grauenstein. 

 

Km 5. Erste Verpflegung im Krauchtal. Malerisches Tal, beliebt bei Motorrad- und Fahrradfahren. Beim Lauf gibt es gut organisiert etwa alle 5km Wasser, alle 10km Isotonisches, Bananen und Brot. Nun, ich habe meine Fahrradbegleitung mit dabei – was die Verpflegung vereinfacht. Als Nachtisch gibt es damit heute Ultra-Chips mit Cola.

 

Kurz vor Oberburg biegen wir dann in das Luterbachtal ab. Langsam müssen wir die ersten der insgesamt 890 Höhenmetern in Angriff nehmen. Ein Naturlauf eben, und das Luterbachtal ist noch malerischer. Kein Zuschauer stört die Ruhe, nur der Luterbach gurgelt neben mir vor sich hin. Die 2x25km Staffel-Spitze meldet sich mit schnellen Schritten hinter mir. Es ist Sandro Righetti. Er zieht mit einem kurzen Gruss an mir vorbei – natürlich viel zu schnell für mich. Er wird später die 25km Strecke mit 1.40.48h für sich entscheiden können.

 

 
Typisch Emmental
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Immer wieder lösen sich nun schöne Bergpasssagen mit leichten Tälern, Anstiegen und Wellen ab. Der Blick auf das Berner Oberland tut sich auf. Stockhorn, Chrummenfadenflue und das Gantrischgebiet bilden eine schöne Szene. Wir werden ein gerahmt von den Gruppen der Marschierer, die aus allen Ländern Europas angereist sind. Der Fön hält sich gerade noch so. Doch Westwind kommt auf. Den Halbmarathon passiere ich mit knapp 1:50h. 4km Anstieg zum Mänziwilegg liegen noch vor uns.

 

Bis wir an der höchsten Stelle des Laufes, dem Mänziwilegg ankommen, zieht kalter Westwind auf und leichter Nieselregen meldet sich auf meiner Haut. Die steilsten Partien vor dem Mänziwilegg lege ich im schnellen Marschier-Tempo zurück, Laufen würde zu viel Kraft benötigen und wäre nur wenig schneller. Auf dem Mänziwilegg, der Wechselzone der 2x25km Staffel wieder Verpflegung und Zuschauer, welche die Stafette begleiten.

 

Wir wenden uns nun wieder gegen das Emmental zu, laufen auf schmalen Strassen Richtung Schwand auf einen Höhenkamm, der zwischen Biglental und Biembachtal liegt. Der Kamm bietet weitblick. Nach Südosten tut sich das Oberland auf mit Blick auf die 3 Giganten – Eiger, Mönch und Jungfrau. Nach Nordwesten ein Blick zum Berner Jura und dem Chasseral. Schade, dass der Fön zusammengebrochen ist, der Blick ist getrübt. Kurz vor Hasle geht es dann steil bergab, bis wir in Dorf eigentlich wieder etwa auf Höhe von Hindelbank ankommen. Ab hier nur noch wellig. Wir lassen den Golfplatz in Oberburg rechts liegen und arbeiten uns in Richtung 40km Marke vor.

 

 
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Wir laufen an nun an meiner Haustüre vorbei – falls es fest regnen würde, hätte ich hier meinen Trainingslauf unter- oder abgebrochen. Doch das Wetter hält sich ganz gut. Unkundigen Läuferkollegen beschreibe ich den folgenden Streckenverlauf, da die Strecke hinter uns doch an den Kräften gezehrt hat. Ich kann jedoch beruhigen, da nur noch leichte Wellen nach km40 auf uns warten. Wir biegen wieder in das Krauchtal ein, jedoch nur um im durch den Pleerwald Burgdorf rechts neben uns zu lassen und auf der Höhe Richtung Lyssach einzuschlagen. Bei mir melden sich leichte Verkrampfungen an der rechten Achillessehne- auslöst auch durch das kalte Wetter und ich gebe nicht mehr Gas sondern lasse es nur noch „rollen“.

 

Ab jetzt nur noch flach an der Bahnlinie entlang nach Hindelbank. Ich kann einen 6:00 min Schnitt noch halten. Der eine oder andere Läufer hat ebenfalls Probleme mit der Muskulatur und legt Geh- und Marschierpausen ein. Auch ich werde mehr überholt als dass ich andere überhole, bevor ich in 4:44:00.4 h das Ziel erreiche. Eine gute Stunde nach dem Gewinner Marc-Henri Jaunin, der die Ziellinie in 3:27h passiert hat. Glücklich und zufrieden freue ich mich auf das wohl verdiente Bier am Abend – schliesslich ist heute Abend noch Generalversammlung der Brauerei in Burgdorf!

 

Fazit

 

In diesem Jahr wurde der ohnehin schon nicht gerade einfache Parcours ebenfalls wieder durch die Witterungsbedingungen erschwert. Westwind und leichter Regen machte uns phasenweise zu schaffen, doch es war ein Erlebnis wert. Vielen Dank an die Streckenposten und Helfer an den Verpflegungen, die uns die Läufer stetig angefeuert haben.

 

Alle waren sich einig, dass es sehr schade ist,  dass dieser Lauf nicht mehr stattfindet.  Noch auf der Massagebank nehme mir fest vor, die gleiche Strecke in den folgenden Jahren auch ohne offizielle Ausschreibung wieder zum Training zu laufen. Doch jetzt ruft erstmal Biel!

 

Informationen: 50 km Lauf Emmental
Veranstalter-WebsiteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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